WrestleMania 42 liegt noch nicht lange zurück, doch die Aufarbeitung des Großevents im Allegiant Stadium von Las Vegas läuft auf Hochtouren. Während die Show von der WWE als eine der erfolgreichsten der Unternehmensgeschichte vermarktet wird, prallen aktuell drei sehr unterschiedliche Diskussionsstränge aufeinander. An der Spitze der Merchandise-Verkaufszahlen sorgt ein unerwarteter Name für Aufsehen. Matt Hardy zerpflückt die Inszenierung der Show mit ungewöhnlich klaren Worten. Und Nashville heizt den Standort-Poker für WrestleMania 44 mit einem Millionenangebot deutlich an.
CM Punk führt Merchandise-Verkäufe an
Den Auftakt liefern die Merchandise-Verkaufszahlen aus dem Allegiant Stadium. Laut Sean Ross Sapp von Fightful Select hat CM Punk die Top-3-Liste der In-Stadium-Verkäufe an beiden WrestleMania-Abenden angeführt. Die Werte beziehen sich ausschließlich auf personalisierte Superstar-Artikel und schließen generische WWE-, WrestleMania- und Replika-Title-Artikel aus.
Punks Spitzenposition setzt einen Trend fort, der ihn seit seiner Rückkehr zur WWE im November 2023 begleitet. Hinzu kam, dass er erstmals in seiner Karriere als Headliner am zweiten Abend von WrestleMania den Main Event bestritt, wenn auch mit einer Niederlage gegen Roman Reigns. Diese Hauptrolle bei der größten WWE-Bühne des Jahres dürfte den Verkaufsschub zusätzlich befeuert haben.
Cody Rhodes als sicherer Wert
Direkt hinter Punk landete Undisputed WWE Champion Cody Rhodes auf Platz zwei. Rhodes bestritt zum vierten Mal in Folge das Main Event Match einer WrestleMania-Nacht und steht seit Jahren konstant unter den größten Merchandise-Movern des Unternehmens.
Danhausen sorgt für die Überraschung
Die eigentliche Sensation der Liste wartete auf Platz drei. Danhausen, der erst seit Februar zum WWE-Roster gehört und bei WrestleMania 42 nicht einmal aktiv im Ring stand, schob sich vor Stars wie Roman Reigns, Rhea Ripley, Jacob Fatu und Jade Cargill. Sein einziger Mania-Auftritt war ein Segment am zweiten Abend, in dem er John Cena gegen The Miz zur Hilfe kam und mit einer Truppe wirkender „Mini-Me“-Versionen seiner selbst einmarschierte.
Die Verkaufszahlen übertrafen laut WrestleVotes Radio bei Fightful Select die internen Erwartungen so deutlich, dass mehrere Nachlieferungen organisiert werden mussten. Auch der Fanatics-Konzern zeigte sich beeindruckt und holte Danhausen kurzfristig in das Lineup für Fanatics Fest.
Matt Hardy übt scharfe Kritik an WrestleMania 42
Während die Verkaufszahlen ein klares Bild zugunsten der Merchandise-Strategie zeichnen, fällt die kreative Bewertung der Show in der Branche deutlich kritischer aus. Matt Hardy hat sich in einem ausführlichen Auftritt bei der Ariel Helwani Show ungewohnt scharf zu Wort gemeldet. Hardy, der elf Mal selbst bei WrestleMania angetreten ist, machte deutlich, dass sich das Format aus seiner Sicht weit von seinem ursprünglichen Konzept entfernt habe: „Es fühlt sich sehr mainstream an. Sie haben all die Werbung und alles andere.“
Im Mittelpunkt seiner Kritik stand die hohe Werbedichte. Er beschrieb das Event mit einem ungewöhnlich harten Wort, das im englischsprachigen Raum für Schlagzeilen sorgte. Es habe sich für ihn „very prostituted“ angefühlt, also kommerziell ausgeschlachtet, weil die Vielzahl an Sponsoren-Einblendungen und Markenintegrationen jede Atempause verschluckt habe. Auch Ariel Helwani selbst hatte die Show eine Woche zuvor in seinem Podcast bereits als „seelenlos“ bezeichnet.
Match-Längen als Schwachstellen
Hardy ergänzte einen zweiten Kritikpunkt, der sich mit zahlreichen Fan-Reaktionen deckt. Bei einer Großveranstaltung wie WrestleMania müssten die größten Matches ausreichend Zeit bekommen, um eine Geschichte im Ring zu erzählen. Die Statistik gibt ihm recht. An Night 1 überschritt nur ein einziges Match die 20-Minuten-Grenze, an Night 2 ebenfalls nur eines. Im Vergleich dazu hatte WrestleMania 40 deutlich längere Matches in der Breite.
Ein weiteres Merkmal ist die hohe Werbedichte im Live-Stream. Yahoo Sports hat ausgerechnet, dass Zuschauer des ESPN-Streams pro Nacht rund eine Stunde Werbeinhalte erleben, von klassischen Spots über Arena-Sponsoring bis zu Michael Coles vertraglichen Werbenennungen. Zum historischen Vergleich: WrestleMania 22 vor 20 Jahren enthielt keine Werbeunterbrechungen, bei WrestleMania 32 (2016) waren es lediglich rund 3 Minuten und 49 Sekunden und bei WrestleMania 38 im Jahr 2022, der letzten Mania vor der TKO-Fusion, waren es 6 Minuten und 10 Sekunden. Die jetzige Werbedichte stellt somit eine erhebliche Veränderung dar.
Trotz seiner Kritik sprach Hardy WrestleMania die grundsätzliche Bedeutung nicht ab. Es fühle sich weiterhin nach einem großen Event an. Doch die Erwartungshaltung an Backstage-Segmente und ausgereifte Match-Erzählungen sei eindeutig höher, als die jetzige Inszenierung es abrufe.
Nashville bewirbt sich mit Millionenangebot um WrestleMania 44
Während die Diskussion um WrestleMania 42 noch läuft, hat sich der Standort für die übernächste Ausgabe bereits entschieden. Wie Bryan Alvarez von F4WOnline auf X berichtete, hat Nashville offiziell ein Angebot für WrestleMania 44 im Jahr 2028 abgegeben. Die Höhe des Angebots beläuft sich auf 3,5 Millionen US-Dollar plus zusätzliche Steueranreize, wodurch Nashville zu einem der ernstzunehmenderen Kandidaten im Wettbewerb wird.
Bemerkenswert ist die Vorgeschichte. Nashville hatte ursprünglich versucht, WrestleMania 43 ins neu entstandene Nissan Stadium zu holen. Beide Seiten konnten sich jedoch nicht auf ein Datum einigen, woraufhin WWE die Show in eine völlig andere Richtung verlagerte und WrestleMania 43 für 2027 nach Riad in Saudi-Arabien vergab. Damit wird die WrestleMania erstmals in ihrer Geschichte außerhalb Nordamerikas ausgetragen.
Wettbewerb mit Indianapolis und Khans Town-Hall-Teaser
In den Standort-Plänen spielt auch Indianapolis eine prominente Rolle. WWE hatte im Juni 2024 eine Partnerschaft mit der Stadt verkündet, die Royal Rumble, SummerSlam und WrestleMania umfasst. Den Anfang machte der Royal Rumble 2025 im Lucas Oil Stadium. Sollte WWE Nashvilles Angebot für 2028 annehmen, würde sich eine WrestleMania in Indianapolis voraussichtlich frühestens auf 2029 verschieben.
Zusätzlichen Druck auf den Markt erzeugte WWE-Präsident Nick Khan bei der TKO-Town-Hall am 28. April. Er deutete an, dass die WWE bereits konkrete Pläne für den WrestleMania-Standort 2028 verfolge. „Wartet ab, bis ihr erfahrt, wo wir 2028 mit WrestleMania sein werden.“ Diese Formulierung wurde in der Branche als Vorbereitung einer baldigen offiziellen Bekanntgabe gelesen.
Siehe dazu auch: Nick Khan: WWE-Reise nach Saudi-Arabien nur unter bestimmten Voraussetzungen – Hinweis auf WrestleMania 2028 Standort
Zur Einordnung: Die Mania-42-Zahlen aus Las Vegas
Wer das Nashville-Angebot bewerten möchte, findet in den Zahlen rund um WrestleMania 42 die nötige Vergleichsgrundlage. Laut POST Wrestling zahlte die Las Vegas Convention and Visitor’s Authority für das Event 2026 eine Site-Fee von rund 6 Millionen Dollar, im Vorjahr für WrestleMania 41 waren es 5 Millionen Dollar. Hinzu kam eine Steuerermäßigung von 4,3 Millionen Dollar für die diesjährige Veranstaltung, was WWE in der Summe Einnahmen von über 10 Millionen Dollar allein aus dem Las-Vegas-Aufenthalt bescherte.
In diesem Licht wirkt das Nashville-Angebot von 3,5 Millionen Dollar plus Steueranreizen ambitioniert, dürfte aber im aktuellen Bieter-Wettbewerb nicht das alleinige Kriterium sein. Auch Punkte wie Stadion-Kapazität, infrastrukturelle Begleitveranstaltungen und Tourismus-Komponenten dürften die finale Entscheidung mitprägen.
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