Paul Wight kennt die Wrestling-Branche aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven. Mehr als zwei Jahrzehnte lang gehörte er zu den bekanntesten Gesichtern von WWE, seit 2021 ist er für All Elite Wrestling tätig.
Im Interview blickte der frühere Big Show nun auf die unterschiedlichen Voraussetzungen beider Unternehmen und schilderte dabei auch Hindernisse, mit denen AEW seiner Erfahrung nach hinter den Kulissen konfrontiert wurde.
Paul Wight warnt vor direkten Vergleichen zwischen WWE und AEW
Im Gespräch mit „Inside the Ring“ machte Wight deutlich, dass er wenig davon hält, WWE und AEW miteinander zu vergleichen, als hätten beide Unternehmen unter ähnlichen Voraussetzungen begonnen. Er selbst habe schließlich über mehr als 20 Jahre miterlebt, wie die WWE verschiedene Phasen durchlief und ihre heutige Position aufbaute.
Wight erlebte unter anderem die Monday Night Wars, die Attitude Era, wirtschaftlich schwierigere Zeiten und schließlich die immer stärkere internationale Expansion des Unternehmens. Gerade deshalb betrachtet er AEW aus einer anderen Perspektive als viele Beobachter, die vor allem aktuelle Zuschauerzahlen, Ticketverkäufe oder Reichweiten miteinander vergleichen.
AEW existiert erst seit 2019 und befindet sich nach Wights Einschätzung weiterhin in einer Aufbauphase. Das Unternehmen müsse seinen Platz auf internationalen Märkten erst dauerhaft etablieren und könne nicht auf jahrzehntelang gewachsene Beziehungen, Strukturen und Markenbekanntheit zurückgreifen.
Wight sieht bei AEW dennoch erhebliches Potenzial und verweist dabei unter anderem auf die Rückkehr ins Wembley Stadium. Dass die Promotion am 30. August erneut eine Großveranstaltung in London ausrichtet, wertet er als Teil des langfristigen Versuchs, eine stärkere Bindung zum britischen Publikum aufzubauen.
Wight spricht über Hindernisse bei der Suche nach Veranstaltungsorten
Besonders bemerkenswert wurde Wights Einschätzung, als er auf WWEs jahrzehntelange Stellung im Wrestling-Geschäft einging. Nach seiner Darstellung wirkt sich diese Dominanz teilweise auch darauf aus, welche Arenen AEW für seine Shows nutzen kann.
Wight erklärte, AEW habe in der Vergangenheit Veranstaltungsstätten ins Auge gefasst, bei denen das Unternehmen davon ausgegangen sei, genügend Tickets verkaufen zu können. Eine Nutzung sei dennoch nicht immer möglich gewesen, weil zwischen WWE und den jeweiligen Arenen Vertragsvereinbarungen bestanden hätten, die andere Wrestling-Veranstaltungen innerhalb bestimmter Zeiträume ausschlossen.
Der frühere WWE-Star nannte dabei einen Zeitraum von 90 Tagen vor und 90 Tagen nach einer WWE-Veranstaltung. Diese Zeitspanne sollte allerdings nicht als grundsätzlich für sämtliche WWE-Verträge geltende Regel verstanden werden. Öffentlich bekannte Vereinbarungen zeigen, dass die tatsächlichen Fristen je nach Veranstaltung und Austragungsort unterschiedlich ausfielen.
Frühere Berichte stützen den Kern seiner Aussage
Dass WWE entsprechende Exklusivklauseln eingesetzt hat, ist bereits seit mehreren Jahren bekannt. Der Wrestling Observer berichtete 2023 darüber, dass Verträge mit bestimmten Arenen Klauseln enthalten hätten, durch die konkurrierende Wrestling-Veranstaltungen für eine bestimmte Zahl von Wochen vor oder nach einer WWE-Show ausgeschlossen werden konnten.
Auch ein öffentlich bekannt gewordener Vertrag für den WWE Royal Rumble 2023 im Alamodome in San Antonio liefert ein konkretes Beispiel. In dieser Vereinbarung war vorgesehen, dass das Stadion 90 Tage vor und 60 Tage nach dem Royal Rumble keine andere professionelle Wrestling-Veranstaltung beherbergen durfte.
Damit wird der grundsätzliche Kern von Wights aktueller Darstellung gestützt. Nicht belegt ist hingegen, dass WWE bei allen Veranstaltungsstätten identische Zeiträume verlangt oder generell eine Sperre von jeweils 90 Tagen vor und nach einer Show gilt.
Ebenso sind bislang keine konkreten Arenen öffentlich benannt worden, die AEW ausschließlich wegen einer solchen Klausel nicht nutzen konnte. Dieser Teil basiert weiterhin auf Wights eigener Erfahrung beziehungsweise seiner Darstellung der internen Situation bei AEW.
WWE verfügt über jahrzehntelang gewachsene Strukturen
Für Wight ist genau dieser Hintergrund ein wesentlicher Grund dafür, weshalb direkte Vergleiche der beiden Promotions häufig zu kurz greifen. WWE habe über Jahrzehnte Beziehungen zu Veranstaltungsstätten, Geschäftspartnern, Fernsehsendern und internationalen Märkten aufgebaut. AEW müsse viele dieser Strukturen erst schaffen.
Aus seiner Sicht ist deshalb weniger entscheidend, ob AEW nach sieben Jahren bereits auf jedem Gebiet mit WWE mithalten kann. Maßgeblich sei, ob das Unternehmen seine eigene internationale Basis weiter ausbauen und langfristig stabile Märkte entwickeln könne.
Großveranstaltungen wie All In im Wembley Stadium spielen dabei eine zentrale Rolle. AEW veranstaltete dort bereits 2023 eine viel beachtete Show und kehrt 2026 erneut in das Londoner Stadion zurück. Wight sieht darin einen wichtigen Schritt, um die Promotion außerhalb Nordamerikas dauerhaft stärker zu verankern.

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