Jim Ross hat während seiner langen Karriere nahezu jede Seite des Wrestling-Geschäfts kennengelernt – vom Kommentatorenpult bis hin zur Verantwortung für zahlreiche Talente hinter den Kulissen. In einer neuen Ausgabe von „Grilling JR“ blickt der WWE Hall of Famer nun auf zwei aktuelle Themen und verbindet dabei Lob mit einigen deutlichen Warnungen.
Jim Ross lobt „WWE: Unreal“ überraschend deutlich
Ross erklärte, dass er zuletzt eher zufällig mehrere Episoden von „WWE: Unreal“ gesehen habe. Nachdem sein Fernsehempfang für einen Tag ausgefallen war, griff er zu seinem iPad und beschäftigte sich unter anderem mit der Netflix-Produktion. Sein Gesamteindruck fiel positiv aus. Besonders überzeugend sei die Serie für ihn immer dann, wenn die gezeigten Situationen natürlich und authentisch wirkten und nicht den Eindruck vermittelten, den Zuschauern etwas besonders offensiv verkaufen zu wollen.
Technisch bewertete Ross die Umsetzung sogar ausgesprochen hoch. Er bezeichnete die Produktion als erstklassig und lobte außerdem, dass WWE die Serie nicht ausschließlich um die größten etablierten Stars aufbaut. Dass auch jüngere Wrestler und Talente außerhalb der unmittelbaren Main-Event-Szene ausführlicher präsentiert werden, hält Ross grundsätzlich für eine kluge Entscheidung.
Ross sieht gleichzeitig mögliches Konfliktpotenzial im Locker Room
Genau an diesem Punkt kam bei ihm allerdings seine frühere Tätigkeit im Talent-Relations-Bereich ins Spiel. Ross stellte klar, dass er keine Informationen über tatsächliche aktuelle Probleme im WWE-Locker-Room aufgrund von „Unreal“ besitzt. Aus seiner langjährigen Erfahrung heraus könne eine solche Produktion jedoch Spannungen erzeugen. Der Grund liege darin, dass nicht jeder Wrestler dieselben Möglichkeiten erhalte.
Während ein Talent möglicherweise ausführlich in einer weltweit verfügbaren Netflix-Serie vorgestellt wird, zusätzlich dafür bezahlt wird und einem großen Publikum mehr von seiner Persönlichkeit zeigen kann, bleibt ein anderer Wrestler außen vor. Nach Ross‘ Einschätzung ist dabei nicht einmal das zusätzliche Honorar der entscheidende Punkt. Wesentlich wertvoller könne die Aufmerksamkeit sein, die ein Wrestler durch eine solche Serie erhält.
„WWE: Unreal“ ermöglicht einzelnen Talenten schließlich, dem Publikum auch außerhalb klassischer Raw- oder SmackDown-Segmente zu vermitteln, wer sie sind und weshalb Zuschauer sich für ihre Geschichte interessieren sollten. Genau diese Möglichkeit könne innerhalb eines konkurrenzorientierten Locker Rooms durchaus Neid oder Frust auslösen. Ross kritisierte daher nicht die Existenz der Serie. Im Gegenteil: Er erklärte ausdrücklich, dass er von mehreren Episoden gut unterhalten worden sei. Seine Warnung richtet sich vielmehr an die unvermeidliche Frage, wer diese besondere Bühne erhält und wer nicht.
Jim Ross reagiert auf Malakai Blacks WWE-Kritik
In derselben Podcast-Ausgabe äußerte sich Ross außerdem zu den jüngsten Aussagen von Malakai Black. Black hatte zuletzt ausführlich über seine zweite WWE-Zeit gesprochen und erklärt, ihm seien während seiner Rückkehr zahlreiche Dinge in Aussicht gestellt worden, die letztlich nicht umgesetzt worden seien. Dazu gehörte nach seiner Darstellung unter anderem ein geplantes WrestleMania-Match gegen Randy Orton – wir berichteten. Ross stellte Blacks Aussagen nicht grundsätzlich infrage.
Er erklärte ausdrücklich, keinen Grund zu haben, anzunehmen, dass Black seine Erfahrungen nicht so erlebt habe, wie dieser sie heute beschreibt. Gleichzeitig brachte der frühere WWE-Personalchef jedoch eine andere Perspektive ein. Ross fragt sich, ob besonders wichtige Zusagen tatsächlich schriftlich festgehalten wurden. Sollten bestimmte Punkte bei den Vertragsverhandlungen entscheidend gewesen sein, hätte man seiner Auffassung nach versuchen können, entsprechende Garantien in den Vertrag oder eine ergänzende Vereinbarung aufzunehmen.
„Er muss aus dem Drama-Zug aussteigen“
Deutlicher wurde Ross bei der Frage, wie Black künftig mit seiner WWE-Vergangenheit umgehen sollte. Er riet ihm, aus dem „Drama-Zug“ auszusteigen. Damit wollte Ross Blacks Frust nicht als unbegründet darstellen. Seine Sorge richtet sich vielmehr darauf, welchen Eindruck wiederholte öffentliche Kritik bei möglichen zukünftigen Arbeitgebern hinterlassen könnte.
Ein Promoter könne befürchten, dass ein Wrestler später auch über dessen Unternehmen öffentlich ausführlich negative Erfahrungen thematisiert. Gleichzeitig stellte Ross klar, dass er Black als Performer sehr schätzt. Er lobte dessen außergewöhnliches Erscheinungsbild, seine Vielseitigkeit sowie seine Fähigkeit, sowohl als Babyface als auch als Heel mit unterschiedlichen Gegnern starke Matches zu zeigen.
Deshalb erwartet Ross auch nicht, dass Black grundsätzlich Schwierigkeiten haben wird, weitere Arbeit zu finden. Sein Rat lautet vielmehr, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und sich auf die nächste Phase seiner Karriere zu konzentrieren.
Jim Ross wird AEW All Out verpassen
Unterdessen steht fest, dass Jim Ross beim bevorstehenden AEW-Pay-per-View All Out nicht am Kommentatorenpult sitzen wird. Ross hatte zuletzt noch die Hoffnung geäußert, für die Veranstaltung nach Chicago reisen zu können. Aufgrund der vergleichsweise kurzen Flugverbindung von Oklahoma aus hatte er eine Teilnahme zumindest in Betracht gezogen.
In der aktuellen Ausgabe von „Grilling JR“ stellte Co-Host Conrad Thompson jedoch klar, dass sowohl er als auch Ross die Show von zu Hause aus verfolgen werden. Thompson erklärte, dass er Ross besonders gerne beim Main Event um die AEW World Championship zwischen Will Ospreay und Jon Moxley gehört hätte. Ross selbst äußerte sich dennoch positiv über die bevorstehende Veranstaltung und lobte die Matchcard sowie den Einsatz des AEW-Teams bei den großen Pay-per-Views.
Der 74-Jährige befindet sich weiterhin in der Genesungsphase nach seiner Gehirnoperation im August. Zuletzt wurde seine Mobilität zusätzlich durch zwei gebrochene Zehen eingeschränkt, die er sich bei einem Sturz zugezogen hatte. Darüber hinaus berichtete Ross in der vergangenen Woche von weiteren Untersuchungen bei seinem Hautarzt.
Hinterlasse jetzt einen Kommentar