Eric Bischoff überrascht mit seinem Urteil zu AEW All In London: Lob und deutliche Kritik liegen nah beieinander

Eric Bischoff mit weißem Haar und Brille spricht in einem dunklen Anzug an einem Mikrofon vor einer blau beleuchteten Bühnenkulisse
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AEW All In London bot im Wembley-Stadion eine Bühne, die kaum größer sein könnte. Eric Bischoff hat sich die Show nun ausführlich angesehen und kam dabei zu einem Urteil, das deutlich differenzierter ausfällt, als man es angesichts seiner oft kritischen Haltung gegenüber AEW vielleicht erwarten würde.

Eric Bischoff lobt die große Inszenierung von AEW All In

In seinem Podcast „83 Weeks“ machte Bischoff zunächst deutlich, dass ihn die Gesamtpräsentation von All In beeindruckt habe. Besonders das Gefühl einer großen Veranstaltung sei hervorragend transportiert worden. Die Produktion, viele der Entrances und die gesamte Inszenierung im Wembley-Stadion hätten AEW auf einem sehr hohen Niveau erscheinen lassen. Bischoff hob dabei auch die Arbeit des Produktionsteams um Mike Mansury positiv hervor und sah die Präsentation stellenweise sogar in der Nähe dessen, was WWE bei WrestleMania auf die Beine stellt.

Besonders gut gefiel ihm die Vorbereitung auf den Main Event zwischen Kenny Omega und Will Ospreay. Bischoff lobte das Video vor dem Match, in dem unter anderem Ospreays Mutter zu hören war, sowie dessen Weg durch den Backstagebereich. Menschen aus unterschiedlichen Stationen seiner Karriere hätten dazu beigetragen, das Gefühl zu vermitteln, dass AEW an diesem Abend die Krönung eines neuen Topstars erzählen wollte. Auch die Begleitpersonen in den jeweiligen Ringecken verliehen dem Match für ihn zusätzliche Sportevent-Atmosphäre. Genau deshalb waren seine Erwartungen an die anschließende Begegnung besonders hoch.

Omega gegen Ospreay erinnerte Bischoff an ein Nasty-Boys-Match

Das Match selbst konnte diese Erwartungen für Bischoff allerdings nicht erfüllen. Er betonte zwar, dass Fans des typischen AEW-Stils mit spektakulären Aktionen, Waffen und intensiven Momenten vermutlich genau das bekommen hätten, was sie sehen wollten. Seine persönliche Vorstellung von einem großen Main Event sei jedoch eine andere.

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Besonders der starke Hardcore-Anteil störte ihn. Bischoff verglich die Begegnung deshalb mit einem Match der Nasty Boys, stellte später jedoch ausdrücklich klar, dass er damit nicht Omega und Ospreay selbst mit Brian Knobbs und Jerry Sags gleichsetzen wollte. Seine Kritik habe ausschließlich der Matchart gegolten. Für ihn wirkte die Begegnung teilweise wie ein ungezügelter Hardcore-Fight, bei dem Regeln und Ringrichter kaum noch eine Rolle spielten.

Darüber hinaus empfand Bischoff verschiedene Aktionen als zu offensichtlich vorbereitet und kritisierte einige unsaubere Abläufe. Gerade von zwei Wrestlern mit der Reputation von Omega und Ospreay habe er sich mehr Struktur und eine andere Dramaturgie erhofft. Dass Omega aufgrund seiner Verletzungshistorie nicht mehr derselbe Performer wie zu seinen besten NJPW-Zeiten sein könne, akzeptiere er. Von Ospreay habe er dennoch mehr erwartet, als über weite Strecken die Offensive seines Gegners einzustecken und anschließend zum Comeback anzusetzen.

Bischoff vergleicht Jon Moxley mit „Stone Cold“ Steve Austin

Auch das Continental Challenge Cup Finale zwischen Jon Moxley und Nigel McGuinness traf nicht vollständig Bischoffs Geschmack. Besonders die gegenseitigen Ellenbogenschläge störten ihn. Solche Sequenzen würden seiner Ansicht nach inzwischen zu häufig verwendet und hätten dadurch einen Teil ihrer Wirkung verloren. Er verwies auf den berühmten Schlagabtausch zwischen Don Frye und Yoshihiro Takayama, der im Wrestling immer wieder nachgeahmt werde, für ihn aber nur selten dieselbe Glaubwürdigkeit erreiche.

Noch deutlicher wurde Bischoff bei Moxleys Präsentation. Einige Elemente seines Auftretens erinnerten ihn stark an „Stone Cold“ Steve Austin. Er nannte unter anderem dessen Gang zum Ring, bestimmte Verhaltensweisen und das Übergießen mit Wasser und bezeichnete Moxley in diesem Zusammenhang als einen „Stone Cold Steve Austin wannabe“.

Gleichzeitig stellte Bischoff klar, dass ihn Moxleys grundsätzlicher Brawler-Stil nicht störe. Er könne nachvollziehen, weshalb dessen raue Präsentation bei vielen Zuschauern funktioniere. Persönlich habe er bislang allerdings kaum ein Moxley-Match gesehen, das ihn wirklich überzeugt habe.

Conrad Thompson bringt Bischoff bei McGuinness zum Umdenken

Interessant wurde die Diskussion, als Moderator Conrad Thompson ihm die vollständige Vorgeschichte erklärte. McGuinness hatte sich während des Continental Challenge Cups eine tatsächliche Fußverletzung zugezogen, sich dennoch durch das Turnier gekämpft und schließlich vor heimischem Publikum im Wembley-Stadion das Finale gegen Moxley erreicht. Die Verletzung wurde während des Turniers Teil der Geschichte und von Moxley im entscheidenden Match gezielt ausgenutzt – wir berichteten

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Bischoff räumte daraufhin ein, dass er die Begegnung möglicherweise anders bewertet hätte, wenn er diese Vorgeschichte vollständig gekannt hätte. Er verglich die Situation damit, nur das letzte Kapitel eines Buches zu lesen, ohne die vorherigen Kapitel zu kennen. Daraus leitete er schließlich einen seiner größten Kritikpunkte an der AEW-Übertragung ab.

AEW Kommentatoren hätten die Geschichten stärker erklären sollen

Bischoff kritisierte, dass die Kommentatoren bei All In seiner Wahrnehmung nach häufig zu stark das unmittelbare Geschehen im Ring beschrieben hätten, ohne Gelegenheitszuschauern ausreichend zu erklären, weshalb die jeweiligen Matches wichtig waren. Als weiteres Beispiel nannte er die Begegnung zwischen Kazuchika Okada, Kyle Fletcher und Konosuke Takeshita. Die Aktionen hätten ihm gefallen, ihm habe jedoch der nötige Hintergrund gefehlt, um vollständig zu verstehen, weshalb die drei Männer gegeneinander antraten.

Gerade bei einer Großveranstaltung wie All In sei diese Einordnung nach Bischoffs Auffassung besonders wichtig. Ein Pay-per-View ziehe auch Zuschauer an, die Dynamite oder Collision nicht jede Woche verfolgen. Die Aufgabe der Kommentatoren bestehe deshalb nicht nur darin, Moves zu benennen, sondern immer wieder an Vorgeschichten, persönliche Konflikte und die Bedeutung der Matches zu erinnern.

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