Will Ospreay gehört längst zu den prägendsten Wrestlern seiner Generation und steht kurz vor einem weiteren großen Karriereabend in Wembley. Seine Laufbahn hätte allerdings mehrfach eine vollkommen andere Richtung einschlagen können.
In einem ausführlichen Gespräch mit Ariel Helwani sprach der AEW-Star nun ungewöhnlich offen über frühere WWE-Angebote, seine Entscheidung für einen anderen Weg und darüber, warum ihn das heutige WWE-Produkt trotz großen Respekts weiterhin nicht vollständig anspricht.
WWE wollte Will Ospreay bereits 2016 verpflichten
Ospreays erste konkrete Möglichkeit, bei WWE zu landen, liegt bereits rund zehn Jahre zurück. Wie der 33-Jährige im Gespräch mit Ariel Helwani enthüllte, erhielt er 2016 ein Angebot, am damaligen Cruiserweight Classic teilzunehmen und sich WWE anzuschließen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Ospreay jedoch bereits begonnen, sich bei New Japan Pro Wrestling einen Namen zu machen.
Finanziell konnte ihn das Angebot der WWE nach eigener Darstellung überhaupt nicht überzeugen. Ospreay erklärte, dass er zu diesem Zeitpunkt bei NJPW bereits mehr verdient habe, als WWE ihm angeboten habe. Dabei hatte er ursprünglich gar nicht damit gerechnet, von New Japan einen längerfristigen Vertrag zu bekommen. Nachdem das Angebot vorlag und er beide Möglichkeiten miteinander vergleichen konnte, fiel ihm die Entscheidung jedoch deutlich leichter.
Der Cruiserweight Classic hätte Ospreays Karriere somit schon früh vollkommen verändern können. Stattdessen entschied er sich für Japan und baute dort in den folgenden Jahren seinen internationalen Ruf auf. Dabei ging es offenbar nicht ausschließlich um Geld.
WWE war für Ospreay nie das große Karriere-Endziel
Ospreay machte deutlich, dass WWE für ihn schon zu Beginn seiner Laufbahn nie dasselbe ultimative Karriereziel dargestellt habe wie für viele andere Wrestler. Während ihm in Wrestling-Schulen immer wieder vermittelt worden sei, WWE müsse der angestrebte Weg sein, orientierte er sich selbst an einem anderen Stil.
Besonders die X-Division von TNA habe ihn geprägt. Darüber hinaus interessierten ihn New Japan Pro Wrestling, Pro Wrestling NOAH und Dragon Gate erheblich stärker. Ospreay wollte nach eigener Darstellung lieber in einem sechsseitigen Ring auftreten, nach Japan reisen und dort verschiedene Wrestling-Stile kennenlernen, als seine gesamte Karriere auf einen späteren WWE-Vertrag auszurichten. Dieser Weg führte ihn schließlich zu NJPW, wo er sich vom spektakulären Junior Heavyweight zu einem der prominentesten Wrestler des Unternehmens entwickelte.
Vor seinem AEW-Wechsel lag erneut ein WWE-Angebot vor
Als Ospreays Vertrag bei New Japan auslief, gehörte er zu den gefragtesten Free Agents der Branche. WWE führte Gespräche mit seinem Lager und unterbreitete ihm nach seiner heutigen Darstellung ein attraktives Angebot. Der entscheidende Nachteil: Ospreay hätte seinen Lebensmittelpunkt in die USA verlegen müssen, wozu er nicht bereit war.
Seine Familie lebt in England, und Ospreay wollte weder sein privates Umfeld aufgeben noch dauerhaft in die Vereinigten Staaten ziehen. AEW ermöglichte ihm dagegen, weiterhin in Großbritannien zu wohnen und dennoch regelmäßig aufzutreten.
Bereits 2024 erklärte er, dass AEWs Gesamtpaket für ihn deutlich besser gewesen sei, insbesondere wegen Bezahlung, Zeitplan und Familienleben. Auch AJ Styles soll versucht haben, Ospreay persönlich von WWE zu überzeugen. Obwohl Ospreay Styles als großes Vorbild bezeichnet, entschied er sich letztlich für AEW.
Nicht nur der Wohnort spielte bei seiner Entscheidung eine Rolle
Auf Helwanis Frage, ob er WWE ohne verlangten Umzug vielleicht zugesagt hätte, erklärte Ospreay, dass seine Entscheidung komplexer gewesen sei. Er betonte seinen Respekt für WWE und schloss eine spätere Zusammenarbeit nicht grundsätzlich aus, könne sich mit der aktuellen Präsentation jedoch nur begrenzt identifizieren.
Vor allem Kameraführung und Wrestling-Stil entsprächen nicht dem, was er selbst im Ring zeigen wolle. Den WWE-Stil beschrieb Ospreay als vergleichsweise minimalistisch, ohne dies negativ zu bewerten.
WWE könne etwa aus einem einzelnen Spear einen enormen Moment erzeugen, was er sehr respektiere. Sein eigener Stil setze dagegen stärker auf längere Kombinationen, unterschiedliche Übergänge und mehr körperliche Intensität.
Ospreay kritisiert deutlich sichtbare verfehlte Treffer
Besonders kritisch äußerte sich Ospreay über einzelne WWE-Clips, die ihm über Social Media begegnen. Er erinnerte sich an eine Szene mit einer Wrestlerin, bei der ein Angriff für seinen Geschmack deutlich sichtbar das Ziel verfehlte. Den Namen der Beteiligten oder das konkrete Match nannte er nicht. Gleichzeitig stellte er klar, dass seine Kritik nicht ausschließlich die Women’s Division betreffe. Auch bei männlichen Wrestlern seien ihm vergleichbare Szenen aufgefallen.
Ospreay bevorzugt eigenen Aussagen zufolge einen Stil mit stärkerem körperlichen Kontakt. Es sei für ihn besser, einen Treffer tatsächlich zu spüren, als einen Angriff deutlich sichtbar verfehlen zu lassen, wodurch die Illusion eines Kampfes beschädigt würde. Zugleich stellte er die persönliche Vermutung in den Raum, dass die WWE möglicherweise bewusst darauf achte, dass die Wrestler ihre Körper angesichts des erfolgreichen Geschäftsmodells nicht unnötig belasten.
Die kreative Freiheit bei AEW bleibt für Ospreay ein wichtiger Faktor
Neben dem Wrestling-Stil spielt auch die Art der Präsentation außerhalb des Rings eine Rolle. Ospreay erklärte, dass er bei AEW keine vollständig ausformulierten Skripte erhalte. Stattdessen bekomme er grundlegende Punkte für seine Promos und könne daraus seine eigenen Aussagen entwickeln.
Genau diese Freiheit schätzt er nach eigener Darstellung sehr. Sie erlaubt ihm, seine Persönlichkeit weitgehend unverändert vor der Kamera zu präsentieren und seinen eigenen Wrestling-Stil beizubehalten.
WrestleMania verfolgt Ospreay inzwischen kaum noch
Bemerkenswert ist zudem, wie wenig Ospreay das aktuelle WWE-Produkt mittlerweile verfolgt. Er erklärte, WWE seit langer Zeit nicht mehr regelmäßig zu schauen. Selbst von der jüngsten WrestleMania habe er nach eigener Aussage bislang praktisch nichts vollständig gesehen. Das überrasche ihn selbst, da WrestleMania früher für ihn und seine Freunde ein festes jährliches Ritual gewesen sei.
Heute bekomme er WWE hauptsächlich über kurze Ausschnitte in sozialen Netzwerken mit. Seine eigene Aufmerksamkeit liege stärker auf AEW, japanischem Wrestling und seiner Arbeit im Ring.

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