Die Diskussion um die WWE-Vertragsstrategie unter TKO hat in den vergangenen Tagen neue Schärfe bekommen. Wrestling-Anwalt Mike Dawkins zerlegt bei Eric Bischoffs Podcast „81 Weeks“ die konkreten Vertrags-Klauseln, mit denen WWE Talente nach Vertragsablauf bis zu 105 Tage an sich bindet. Parallel attackiert Kevin Nash bei „Kliq This“ die generelle TKO-Strategie der Vertrags-Restrukturierung und Pay-Cuts.
Ausgangspunkt für beides waren die Berichte von Bryan Alvarez über Vertragskürzungen von bis zu 50 Prozent sowie der überraschende Ausstieg von Kofi Kingston und Xavier Woods.
Was Anwalt Mike Dawkins über die WWE-Klauseln offenlegt
Mike Dawkins, ein erfahrener Wrestling-Anwalt, machte in Eric Bischoffs „81 Weeks“-Podcast detaillierte Angaben zu den aktuellen WWE-Verträgen unter TKO. Demnach enthalten die Verträge eine Exklusiv-Verhandlungs-Periode von neun Monaten am Ende der Laufzeit. In dieser Zeit dürfen Wrestler nicht mit anderen Promotions über ihre Zukunft verhandeln und sich auch nicht auf einen nächsten Vertrag vorbereiten.
Dawkins nannte das eine unangemessen lange Sperrfrist, da neun Monate in der schnelllebigen Wrestling-Welt eine Ewigkeit seien. Andere Promotions würden so weit im Voraus realistisch keine Deals abschließen, weil sich Booking-Pläne und Unternehmens-Prioritäten in so einem Zeitraum komplett verändern können.
Matching Rights und die 105-Tage-Sperre nach Vertragsende
Laut Dawkins wird es nach Vertragsende noch heikler. Die WWE hat sich in den neuen Verträgen sogenannte „Matching Rights” gesichert. Das bedeutet konkret, dass Wrestler nach Vertragsablauf jedes externe Angebot zunächst der WWE vorlegen müssen. Das Unternehmen hat dann 15 Tage Zeit, das Angebot zu gleichen Konditionen zu übernehmen. Verändert sich das externe Angebot in einem wesentlichen Punkt, beginnt die 15-Tage-Frist erneut.
Insgesamt können Wrestler so bis zu 105 Tage nach Vertragsende noch an WWE gebunden bleiben, ohne dass dafür eine zusätzliche Vergütung fließt. Zwischen 9-Monats-Sperre, der traditionellen 90-Tage-Non-Compete-Klausel und den Matching Rights summieren sich die Restriktionen auf einen Zeitraum von gut anderthalb Jahren.
Kevin Nashs scharfe TKO-Kritik in „Kliq This“
Parallel zu den Dawkins-Aufdeckungen attackiert Kevin Nash die TKO-Strategie in seinem Podcast „Kliq This“. In der Episode mit dem Titel „50%“, die am 11. Mai 2026 erschien, äußerte er sich extrem kritisch zu den von Bryan Alvarez berichteten 50-Prozent-Vertrags-Kürzungen: „Ich würde ihnen kein einziges Wort glauben.“
So fasste Nash sein generelles Misstrauen gegenüber WWE-Vertragsversprechen zusammen. Wenn TKO bestehende Verträge nachträglich um 50 Prozent kürzen wolle, dann sei das kein Einzelfall, sondern eine grundsätzliche Strategie. Nash kritisierte zudem die Widersprüchlichkeit, dass auf Wrestler-Ebene gekürzt werde, während Top-Manager wie Ari Emanuel und WWE-Präsident Nick Khan parallel deutliche Erhöhungen erhielten. Nash sagte dazu: „Ihr könnt nicht oben Endeavor mit 300-Prozent-Erhöhungen spielen und unten die Dock-Worker mit 1099-Verträgen abspeisen, die im Grunde Brad Pitt und Pacino sind.“
Der Hintergrund von Bryan Alvarez bis zum New-Day-Ausstieg
Die ganze Debatte hat ihren Ausgangspunkt in Berichten von Bryan Alvarez auf F4W Online und im Wrestling Observer Newsletter. Demnach hat TKO eine Vertrags-Restrukturierungs-Welle gestartet, in deren Rahmen mehrere Top-Talente um Kürzungen von bis zu 50 Prozent gebeten wurden.
Mindestens sechs Wrestler sollen Gehaltskürzungen erhalten haben, einer davon offenbar in voller Höhe von 50 Prozent. TKO begründete dies damit, dass die Wrestler heute weniger Termine als früher absolvieren, mit weniger Live-Events und kürzeren Reiseanforderungen. Kofi Kingston und Xavier Woods, die zusammen 16 Jahre für die WWE gewrestelt hatten, lehnten die Kürzungen ab und verließen das Unternehmen einvernehmlich.
Zusätzlich wurden nach WrestleMania 42 über 20 weitere Wrestler entlassen, darunter Kairi Sane, die Motor City Machine Guns und die komplette Wyatt-Sicks-Gruppierung.
Nashs Lösungsvorschlag und der Hollywood-Vergleich
Nash beschränkt sich nicht auf die Kritik, sondern liefert auch einen Lösungsvorschlag. Wrestler sollten sich seiner Meinung nach gewerkschaftlich organisieren, am besten über die Schauspieler-Gewerkschaft SAG-AFTRA. Nash sagt: „Geht zur Screen Actors Guild. Sie werden mehr als glücklich sein, ihren Anteil von eurem Geld zu nehmen. Es werden nicht 50 Prozent sein, aber es wird das Spielfeld verändern.“
WWE-Programme seien heute stärker geschrieben und produziert als reguläre Sitcoms, deren Schauspieler längst SAG-Bezahlung erhalten. Nash verwies dabei auf die historische Initiative von Jesse Ventura, der bereits in den 1980er Jahren erfolglos versucht hatte, eine Wrestler-Gewerkschaft zu gründen. Sogar Ex-US-Präsidentschaftskandidat Andrew Yang stimmte Nashs Vorstoß öffentlich auf X zu und schrieb, WWE-Wrestler sollten längst SAG-AFTRA-Mitglieder sein.

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