Die Entlassungswelle vom 24. April 2026 zählt zu den umfangreichsten der vergangenen Jahre und hat sowohl in den sozialen Medien als auch im Backstagebereich der Liga für Diskussionen gesorgt. Während die Liste der Betroffenen längst bekannt ist, kommen nun nach und nach die Hintergründe zur Entscheidungsfindung ans Licht. Berichte aus dem Wrestling Observer Newsletter sowie ein Q&A von PWInsider zeichnen ein deutlich differenzierteres Bild als die offiziellen Mitteilungen der Liga. Sie liefern erstmals Antworten auf einige der drängendsten Fragen rund um Aleister Black, die Wyatt Sicks, Zelina Vega und Kairi Sane. Auch der frühere SmackDown-Akteur Ridge Holland äußerte sich zuletzt zu seinem eigenen, bereits im November 2025 vollzogenen Abschied und verschiebt damit die Perspektive auf einen längerfristigen Trend bei WWE.
Wyatt Sicks: Idee mit eingebautem Verfallsdatum
Den Anfang macht der wohl prominenteste Fall, die Auflösung der Wyatt Sicks. Laut dem aktuellen Wrestling Observer Newsletter habe man intern das Gefühl gehabt, alles aus der Gruppierung um Uncle Howdy, Joe Gacy, Nikki Cross, Dexter Lumis und Erick Rowan herausgeholt zu haben, was möglich gewesen sei. Die Gruppierung sei in Teilen der Liga ohnehin von Beginn an als Kurzzeitprojekt verstanden worden, im Kern als Tribut an den verstorbenen Bray Wyatt. So sehr das Konzept anfangs gezündet habe, so sehr habe es die kreativen Möglichkeiten der einzelnen Akteure langfristig eingeschränkt. Tatsächlich kam die Gruppierung nach ihrem viel beachteten Debüt im Juni 2024 nie über den Midcard-Status hinaus, hielt zwar für sechs Monate die WWE Tag Team Championship, blieb storyline-technisch aber meist im Kreis um Solo Sikoas MFT gefangen.
Aleister Black und Zelina Vega: Trotz aktiver Rückholaktion ohne Plan
Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei Aleister Black und Zelina Vega ab. Dem Bericht zufolge habe WWE für beide schlicht keine konkreten kreativen Pläne mehr gehabt. Besonders auffällig dabei: Black war im April 2025 nach knapp vier Jahren bei AEW mit Nachdruck zurückgeholt worden, doch nach seiner Rückkehr habe das Kreativteam Schwierigkeiten gehabt, eine tragfähige Storyline für ihn zu entwickeln. Trotz Matches gegen Randy Orton, Sami Zayn, Damian Priest und Carmelo Hayes konnte er sich nicht dauerhaft als zentrale Figur etablieren. Eine interessante Randnotiz lieferte der Newsletter zudem zu Zelina Vega. AEW-CEO Tony Khan habe nach ihrer ersten Entlassung im November 2020 versucht, mit ihr ins Gespräch zu kommen, doch Vega habe den Kontakt seinerzeit abgebrochen und sei direkt zu WWE zurückgekehrt.
Das hartnäckige TKO-Gerücht und warum es offenbar nicht stimmt
Parallel zu diesen Berichten kursiert seit Tagen eine andere Theorie im Backstagebereich, über die Mike Johnson auf PWInsider in einem Q&A berichtete. Demnach werde unter Talenten gemunkelt, dass jemand aus dem TKO-Umfeld kein Fan von düsteren Charakteren sei und dies der eigentliche Grund für die Entlassungen der Wyatt Sicks, Aleister Blacks und Zelina Vegas gewesen sein könnte. Als zusätzlicher Beleg werde von Mitarbeitern auf den aktuellen Auftritt von The Undertaker verwiesen, der derzeit als „American Badass“ und nicht als „The Deadman“ zu sehen sei.
Johnson selbst betonte allerdings, dass er diese Information bislang aus keiner weiteren Quelle bestätigen könne und es sich vorerst um Mutmaßungen handle. Der Wrestling Observer Newsletter widerspricht dieser Theorie deutlich. Diese Darstellung sei intern als unzutreffend bezeichnet worden, eine entsprechende Entscheidung sei auf TKO-Ebene gar nicht erst getroffen worden. Zusätzlich Brisanz erhält das Thema durch die jüngste Aussage von Alexa Bliss, die öffentlich erklärt hat, dass ihre dunklere Charakter-Variante offiziell beendet sei.
Siehe auch: Alexa Bliss verabschiedet sich von „Dark Alexa“ und spricht über ihre Entscheidung
Kairi Sane: Die wohl überraschendste Entlassung
Während die Trennung von Black, Vega und den Wyatt Sicks intern bereits länger absehbar gewesen sein soll, traf eine andere Entscheidung die Wrestling-Welt deutlich härter, das Aus für Kairi Sane. Die zweifache WWE Women’s Tag Team Championesse befand sich mitten in einer Storyline rund um Asuka und Iyo Sky, die auf ein Wiederzusammenfinden der Kabuki Warriors hinauszulaufen schien. Stattdessen wurde die Storyline abrupt fallen gelassen.
Im Wrestling Observer Newsletter erklärte Dave Meltzer, dass die WWE-internen Entscheidungsträger davon ausgegangen seien, Sane wolle zu einem späteren Zeitpunkt ohnehin nach Japan zurückkehren, und diese Annahme in den Entscheidungsprozess eingeflossen sei. Zugleich stellte Meltzer auf Social Media klar, er habe nie behauptet, Sane habe sich aktiv aus dem Geschäft zurückgezogen. Sane selbst hatte zuvor öffentlich klargestellt, dass sie nicht aus eigenem Antrieb ausgestiegen sei und ihre Arbeit sowie ihre Fans nach wie vor liebe.
#WeWantKairi und die Frage nach einem Comeback
Die Reaktion der Fans fiel ungewöhnlich heftig aus. Der Hashtag „#WeWantKairi“ trendete tagelang auf X, und während des jüngsten WWE Raw in Laredo, Texas, brachen während eines Angriffs von Asuka auf Iyo Sky lautstarke „We Want Kairi“-Chants aus. Auch WWE-Interviewerin Jackie Redmond setzte zwischenzeitlich einen Beitrag mit dem Hashtag ab, löschte ihn jedoch wieder. Trotz dieser Welle gilt eine Rückkehr aktuell als unwahrscheinlich.
Mike Johnson berichtete, Sané sei bereits nach Japan zurückgekehrt. Laut WrestleVotes wolle die WWE keinen Präzedenzfall schaffen, bei dem Personalentscheidungen aufgrund von Fan-Druck revidiert werden. Ein solcher Fall hatte sich zuletzt im Sommer 2025 bei R-Truth ereignet. Da Sane vor dem regulären Vertragsende entlassen wurde, dürfte zudem eine 90-tägige Non-Compete-Klausel greifen, die ihr Auftritte für andere Ligen vorerst untersagt. Das für den 9. Mai angesetzte Match zwischen Iyo Sky und Asuka bei WWE Backlash 2026 wird somit ohne sie stattfinden.
Ridge Holland: Reue-Wandel mit Ansage
Den Blick zurück richtet währenddessen Ridge Holland, dessen WWE-Zeit bereits im November 2025 endete, damals zwei Wochen früher als ursprünglich vorgesehen. Hintergrund war ein Beitrag auf X, in dem Holland sein Unverständnis über die Nichtverlängerung seines auslaufenden Vertrags öffentlich gemacht hatte. Laut Fightful Select wertete WWE diesen Post als Vertragsverletzung und beendete die Zusammenarbeit vorzeitig. Gegenüber Sportshadow Wrestling erklärt Holland nun, er bereue seine damaligen Aussagen nicht. Sein Vertrag wäre ohnehin nicht verlängert worden, seine Kommentare hätten den Prozess lediglich beschleunigt. Bemerkenswert ist dieser Standpunkt vor allem deshalb, weil Holland kurz nach der Entlassung im November 2025 noch öffentlich Reue über seine Posts gezeigt hatte. Seine aktuelle Aussage stellt also eine bewusste Neupositionierung dar.
Survivor Series 2022, GoFundMe und Sicherheitsvorwürfe
Im selben Interview ging Holland auf weitere kontroverse Themen ein. So sei das WarGames-Match bei Survivor Series 2022 erst rund 20 Minuten vor dem Auftritt komplett zusammengestellt worden, ein Detail, das die improvisatorische Arbeitsweise an einem der größten Premium Live Events des Jahres ungeschönt offenlegt. Zudem äußerte er sich zu Vorwürfen, er sei im Ring unsicher gewesen, und führte diese auf eigene Selbstzweifel zurück, nicht auf konkrete Aussagen anderer Wrestler. Mit Blick auf seine GoFundMe-Kampagne, kündigte er an, die Spenden entweder an die ursprünglichen Spender zurückzugeben oder einer gemeinnützigen Organisation zukommen zu lassen, sobald er die Mittel selbst erwirtschaftet habe.

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