Die zunehmende Transparenz im Professional Wrestling sorgt seit Jahren für Diskussionen. Mit der Netflix-Dokuserie „WWE Unreal“ hat WWE die Tür hinter die Kulissen noch weiter geöffnet. Triple H verteidigt diese Entwicklung und kann insbesondere eine bestimmte Form der Kritik früherer Wrestler nicht nachvollziehen. Gleichzeitig äußerte sich der WWE Chief Content Officer dazu, wie sich die Reaktionen der Fans auf Storylines und kreative Entscheidungen verändert haben.
Im Gespräch mit „Busted Open Radio“ machte Triple H deutlich, dass er sowohl positive als auch negative Reaktionen auf das WWE-Produkt grundsätzlich begrüße. Entscheidend sei für ihn, dass die Zuschauer emotional investiert seien.
Triple H sieht Fan-Kritik als Ausdruck von Leidenschaft
Triple H verglich die Situation mit anderen großen Sportarten. Auch im Football oder Basketball würden Zuschauer Entscheidungen von Trainern infrage stellen, obwohl ihnen längst nicht alle Informationen zur Verfügung stünden. Nach Niederlagen werde mitunter erklärt, man wolle ein Team nie wiedersehen, ehe sich die Stimmung nach dem nächsten Erfolg vollständig ändere.
Ähnlich nehme er die Reaktionen auf WWE wahr. Nicht jede kreative Entscheidung könne jedem Zuschauer gefallen. Solange die Fans jedoch intensiv darüber diskutieren, wertet Triple H dies als Zeichen dafür, dass ihnen das Geschehen nicht gleichgültig ist.
Problematischer findet er offenbar eine andere Entwicklung. Durch das umfangreiche Wissen über die Abläufe hinter den Kulissen würden Zuschauer eine negative Reaktion innerhalb einer Storyline inzwischen häufig unmittelbar auf das kreative WWE Team übertragen.
Wenn ein Heel etwas tut, das die Zuschauer verärgern soll, richtet sich die Kritik nicht immer gegen den dargestellten Charakter. Stattdessen wird gefragt, weshalb die WWE bzw. die Writer die entsprechende Entscheidung getroffen haben.
Triple H würde sich nach eigener Darstellung gelegentlich wünschen, dass sich diese Emotion wieder stärker auf die Wrestler und ihre Rollen überträgt.
Die frühere „Unschuld des Nichtwissens“ ist kaum zurückzuholen
Gleichzeitig ist sich Triple H bewusst, dass sich das Wrestling-Geschäft nicht mehr in frühere Zeiten zurückversetzen lässt. Durch soziale Medien, Podcasts, Interviews und Dokumentationen erhalten heutige Fans wesentlich mehr Informationen über kreative Abläufe und Backstage-Entscheidungen.
Er verwies in diesem Zusammenhang sinngemäß auf die frühere „Unschuld des Nichtwissens“. Zuschauer hätten sich leichter vollständig auf eine Geschichte einlassen können, wenn ihnen weniger darüber bekannt gewesen wäre, wie Matches, Charaktere und Storylines entstehen.
Dass WWE mit „WWE Unreal“ selbst zusätzliche Einblicke in genau diese Prozesse gewährt, betrachtet Triple H jedoch nicht als Widerspruch.
Seitenhieb gegen Kritiker von „WWE Unreal“
Besonders deutlich wurde der WWE-Verantwortliche, als es um Kritik früherer Wrestler an der Netflix-Serie ging. Triple H amüsiere es, wenn Legenden und Veteranen des Geschäfts WWE vorwerfen, durch „Unreal“ zu viele interne Abläufe offenzulegen. Einige dieser Kritiker würden schließlich selbst seit Jahren in Podcasts über Backstage-Geschichten, kreative Entscheidungen und interne Vorgänge sprechen. Namen nannte Triple H dabei nicht. Seine Aussage trifft jedoch auf eine Debatte, die auch nach dem Start der dritten Staffel von „WWE Unreal“ anhält.
Erst kürzlich erklärte WWE-Hall-of-Famer JBL bei „Something to Wrestle“, die Serie bislang nicht gesehen zu haben. Dem Konzept stehe er aber grundsätzlich skeptisch gegenüber. Als Vertreter der alten Schule sei ihm das Format zu stark auf interne Vorgänge ausgerichtet. Gleichzeitig räumte JBL ein, dass die WWE damit offensichtlich auch etwas richtig macht, und wollte seine eigene Sichtweise deshalb nicht zum alleinigen Maßstab erklären.
Eine deutlich positivere Position vertritt The Miz. Er hatte bereits zuvor erläutert, „WWE Unreal“ könne Zuschauern verdeutlichen, wie aufwendig die Produktion der Shows tatsächlich sei. Fans erhielten dadurch einen besseren Eindruck davon, wie viel Arbeit nicht nur die Wrestler, sondern auch das Produktionsteam und Triple H selbst investieren würden.
Eine Debatte, die WWE bewusst in Kauf nimmt
Die unterschiedlichen Positionen verdeutlichen einen grundlegenden Wandel. Die WWE versucht schon lange nicht mehr, sämtliche Vorgänge hinter den Kulissen geheim zu halten. Stattdessen macht das Unternehmen die Entstehung seiner eigenen Geschichten inzwischen teilweise selbst zum Unterhaltungsprodukt.
Dadurch verändert sich zwangsläufig auch die Art und Weise, wie Zuschauer auf das eigentliche WWE-Programm reagieren. Wer Einblicke in Meetings, kreative Diskussionen und kurzfristige Änderungen erhält, betrachtet eine Storyline möglicherweise anders als ein Fan, der nur das fertige TV-Produkt sieht.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar