Stephanie Vaquers Rückkehr nach Chile entwickelte sich für die 33-Jährige zu einem der emotionalsten Wochenenden ihrer bisherigen WWE‑Karriere. Inzwischen wird deutlicher, dass hinter dem ungewöhnlichen Ablauf weit mehr steckte als ein spontaner Titelwechsel bei einer nicht im Fernsehen ausgestrahlten Veranstaltung.
WWE wollte den besonderen Moment in Chile offenbar nicht verstreichen lassen
Dass Stephanie Vaquer die Women’s World Championship ausgerechnet bei der WWE-Houseshow am 12. September 2026 in Santiago de Chile gewann, war offenbar eine ganz bewusste Entscheidung. WrestleVotes zufolge erkannte WWE, dass sich vor Vaquers heimischem Publikum eine außergewöhnliche Gelegenheit bot, und wollte diesen Moment nicht auf eine spätere TV-Show verschieben.
Der ursprüngliche Plan musste demnach so angepasst werden, dass der Titelwechsel auch innerhalb der Storyline funktionierte. Eine entscheidende Rolle übernahm Becky Lynch, die als Special Guest Referee für das Match zwischen Vaquer und Liv Morgan eingesetzt wurde. Morgan traf ihre Herausforderin im Verlauf des Matches mit dem „Oblivion” und schien die Championship erfolgreich verteidigt zu haben. Lynch stoppte ihren eigenen Count jedoch bei zwei und verweigerte Morgan damit den Sieg. Vaquer nutzte die Situation anschließend und sicherte sich zum zweiten Mal die Women’s World Championship.
Nach Informationen von WrestleVotes wollte WWE Vaquer damit ausdrücklich für ihre Rückkehr in ihr Heimatland belohnen. Der Titelwechsel war demnach weniger das Ergebnis einer kurzfristigen kreativen Kursänderung als vielmehr die Entscheidung, einen einmaligen persönlichen Moment nicht ungenutzt verstreichen zu lassen.
Vaquer saß einst selbst als WWE-Fan in derselben Arena
Für Vaquer ging die Bedeutung des Abends weit über den Gewinn einer weiteren Championship hinaus. Bereits vor der Südamerika-Tour hatte sie altes Videomaterial veröffentlicht, das sie als Jugendliche im Jahr 2009 bei einer WWE-Veranstaltung in derselben Arena in Santiago zeigte. Damals saß sie noch als Fan auf den Zuschauerrängen und trug ein Triple-H-Shirt. Viele Jahre später kehrte sie als WWE-Star an denselben Ort zurück und verließ die Arena schließlich als World Championesse.
Nach dem Match erinnerte Vaquer das chilenische Publikum an diesen langen Weg und erklärte, dass sie bereits damals davon geträumt habe, eines Tages selbst für WWE anzutreten. Anschließend wurde sie unter anderem von IYO SKY, Bayley und Sol Ruca im Ring gefeiert. Auch Triple H reagierte anschließend auf den Titelwechsel und würdigte den Moment öffentlich. WWE behandelte Vaquers Rückkehr nach Chile ohnehin als besondere Geschichte und ließ während des Aufenthalts zusätzlich Material für eine Mini-Dokumentation aufnehmen.
Das vollständige Match gegen Liv Morgan wurde mittlerweile ebenfalls über Club WWE zugänglich gemacht. Damit erhält eine Begegnung, die ursprünglich lediglich bei einem nicht ausgestrahlten Live Event stattfand, nachträglich eine wesentlich größere Plattform.
Der Titelwechsel war auch historisch ungewöhnlich
Titelwechsel bei WWE-Houseshows sind inzwischen ausgesprochen selten geworden. Vaquers Sieg war der erste Wechsel einer WWE-Championship bei einem nicht regulär ausgestrahlten Live Event seit Ende 2019, als Andrade Rey Mysterio die United States Championship abnahm. Bei einer Women’s Championship muss man sogar noch weiter zurückblicken. 2007 gewann Mickie James bei einer Houseshow in Paris einen WWE-Womens Titel.
Allein diese historische Seltenheit zeigt, wie außergewöhnlich WWE den Moment in Santiago bewertet haben dürfte. Anstatt den Titelwechsel für Raw oder einen Premium Live Event aufzusparen, entschied sich das Unternehmen bewusst für Vaquers Rückkehr vor dem chilenischen Publikum.
Liv Morgan verlor ihre Championship damit nach einer 148-tägigen Regentschaft. Besonders bemerkenswert war zudem, dass Morgan Vaquer nur wenige Tage zuvor bei Raw noch besiegt hatte.
Becky Lynch fordert bei Raw bereits ihre Gegenleistung
Der besondere Moment in Chile bedeutete allerdings nicht, dass WWE Vaquers Titelgewinn ausschließlich als abgeschlossene Wohlfühlgeschichte präsentierte. Bereits bei Raw am 14. September in Mexico City wurde die nächste Phase der Storyline eröffnet. Becky Lynch konfrontierte die neue Championesse und erinnerte sie daran, welchen Anteil sie am Titelwechsel in Santiago gehabt hatte. Lynch stellte anschließend klar, dass Vaquer ihr dafür nun eine Titelchance schulde.
Damit erhielt ihre Rolle als Special Guest Referee unmittelbar eine weiterführende Bedeutung. Gleichzeitig ist auch Liv Morgan weiterhin Teil der Geschichte. Sie bezeichnete die Ereignisse in Chile nach ihrer Niederlage öffentlich als „Santiago Screwjob“ und machte deutlich, den Verlust ihrer Championship keineswegs akzeptieren zu wollen.
Später am Abend trat Vaquer gemeinsam mit El Grande Americano gegen Morgan und Dominik Mysterio an. Das Match endete durch Disqualifikation, nachdem The Judgment Day eingriff. Anschließend wurde Vaquer gemeinsam mit ihren Verbündeten attackiert.
WWE hält damit gleich mehrere Optionen offen. Morgan besitzt aufgrund der Umstände des Titelverlusts einen nachvollziehbaren Anspruch auf ein weiteres Match, während Lynch ihre Beteiligung am Titelwechsel bereits dazu nutzt, selbst eine Championship-Gelegenheit einzufordern. Ein Titelmatch zwischen Vaquer und Lynch wurde bislang allerdings noch nicht offiziell angekündigt.

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