Paul Wight hat in einer aktuellen Podcast-Folge erstmals offen über einen der dramatischsten Fan-Konflikte seiner Karriere gesprochen und dabei eingeräumt, wie ein einziger Schlag in einer Hotellobby seinen Umgang mit Provokationen für immer verändert habe. Der heute 53-jährige AEW-Star, den Wrestling-Fans über drei Jahrzehnte als „The Big Show“ oder „The Giant“ kennen, erzählte im High Performance Podcast, dass er in jüngeren Jahren oft emotional auf Beleidigungen reagiert habe und genau dafür einen hohen Preis zahlte. Im Gespräch wagte Wight zudem den Blick zurück auf einen konkreten Vorfall, der ihn juristisch in arge Bedrängnis brachte.
Eine teure Lehre aus den 1990ern
Wight blickte im Gespräch auf Fehler aus seiner Jugend zurück und ließ erkennen, wie sehr ihn die juristischen Folgen jener Jahre geprägt hätten. Er könne nicht in die Vergangenheit zurückkehren und jene Momente korrigieren, in denen er sich emotional habe hinreißen lassen, sagte er. Beeinflussen könne er aber sein Verhalten heute und morgen. Wight deutete an, dass ihn ein bestimmter Vorfall in New York mehrere hunderttausend US-Dollar an Anwaltskosten gekostet und ihn endgültig gelehrt habe, in solchen Situationen ruhig zu bleiben. Genau diesen Vorfall schilderte er anschließend in groben Zügen.
Konfrontation in einer voll besetzten Hotellobby
Vor Jahren habe sich ein Fan in einer Hotellobby derart aufdringlich verhalten, dass die Stimmung schlagartig kippte, so Wight. Sicherheitspersonal sei nicht vor Ort gewesen, die Lobby aber voller Menschen. Er habe zunächst versucht, die Situation verbal zu deeskalieren und den Mann zur Ruhe aufgefordert. Die Lage eskalierte aus seiner Sicht erst, als der Fan eine plötzliche Bewegung in Richtung Hüfte ausgeführt habe.
Aufgrund seiner früheren Erfahrungen mit gefährlichen Situationen habe er in diesem Augenblick befürchtet, der Mann greife nach einer Waffe. Er habe nicht erkennen können, ob es ein Messer oder ein Stift gewesen sei. Aus dieser instinktiven Verteidigungshaltung heraus habe er zugeschlagen und dem Fan dabei den Kiefer gebrochen.
Der Fall hinter der Geschichte: Sommer 1998 in Uniondale
Was Wight im Podcast bewusst grob hält, lässt sich historisch ziemlich präzise einordnen. Der Vorfall ereignete sich im Sommer 1998 im Marriott Hotel in Uniondale (New York), direkt neben dem Nassau Coliseum, im Anschluss an eine WCW-Show. Wight war damals als „The Giant“ Teil der berühmten nWo-Gruppierung. Der Fan, ein 30-jähriger Robert Sawyer mit 1,98 Meter Körpergröße und rund 100 Kilogramm, war Wight und einigen anderen Wrestlern in das Hotel gefolgt.
Sawyer hatte nach Aussage von Zeugen vorher getrunken, beleidigte Wight an der Rezeption und machte vor rund 100 weiteren Fans in der Lobby obszöne Gesten. Erst danach erfolgte die körperliche Auseinandersetzung. Bemerkenswert: Wegen der hohen Wrestling-Frequenz im Haus filmte die Überwachungskamera den gesamten Ablauf mit, was später vor Gericht eine zentrale Rolle spielen sollte.
Anklage und Freispruch im März 1999
Sawyer reichte im Anschluss eine Anzeige wegen Körperverletzung ein, im März 1999 begann der Prozess vor einem Gericht in Long Island. Wenige Wochen zuvor hatte Wight bereits den Vertrag mit der heutigen WWE unterschrieben. Nach drei Verhandlungstagen sprach Richter Thomas Feinman ihn vom Vorwurf der Körperverletzung frei.
Die Verteidigung konnte glaubhaft darlegen, dass Wight in Notwehr gehandelt hatte. Die Aussagen mehrerer unabhängiger Zeugen sowie das CCTV-Material des Hotels spielten dabei eine zentrale Rolle. Auffällig in der zeitgenössischen Berichterstattung: Wights Mutter Dorothy war Polizistin, was als Kontextpunkt häufig auftauchte.
Heutige Strategie: Eis statt Eskalation
Heute, da er deutlich älter und gelassener sei, wisse er, dass sich die ganze Situation hätte vermeiden lassen, betonte Wight im Podcast. Was bringe es, sich von einem schreienden Fan provozieren zu lassen. Er müsse sich nicht einmischen, wenn jemand ihn beschimpfe.
Mit einem Augenzwinkern erzählte er, dass er lieber ein kostenloses Eis an der Hotelrezeption mitnehme, auf sein Zimmer gehe und sich dort eine kleine Auszeit gönne, als sich noch einmal in eine vergleichbare Eskalation zu begeben. Die Erkenntnis dahinter, so Wight, sei eine, die man oft erst spät im Leben mache: Mit der Weisheit komme auch die Fähigkeit, solche Begegnungen ohne Faust zu beenden.
