Im Bundesverfahren gegen Shawn Chan, den Mann, dem vorgeworfen wurde, WWE-Women’s Champion Liv Morgan gestalkt zu haben, ist nun ein Urteil gefallen. Das Gericht sprach Chan aufgrund von Unzurechnungsfähigkeit frei. Eine Gefängnisstrafe wird es deshalb nicht geben. Dennoch kommt der 42-Jährige nicht auf freien Fuß, da nun weitere behördliche Schritte folgen.
Shawn Chan wegen Unzurechnungsfähigkeit nicht schuldig gesprochen
Das US-Bezirksgericht für den mittleren Bezirk von Florida fällte das Urteil am 15. Juni 2026. Chan war wegen zwischenstaatlicher häuslicher Gewalt angeklagt worden. Im Falle einer Verurteilung hätte ihm eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren gedroht.
Chan verzichtete auf ein Verfahren vor einer Jury, sodass Richterin Mary S. Scriven allein über den Fall entschied. Die Verhandlung dauerte etwas mehr als eine halbe Stunde.
Grundlage der Entscheidung waren die Einschätzungen zweier unabhängiger Psychologen. Beide kamen zu dem Ergebnis, dass Chan zum Zeitpunkt der Tat aufgrund seiner psychischen Erkrankung nicht in der Lage gewesen sei, die Unrechtmäßigkeit seines Handelns zu erkennen.
Wichtig ist dabei eine rechtliche Einordnung: Das Urteil bedeutet nicht, dass die geschilderten Vorfälle nicht stattgefunden haben. Das Gericht stellte lediglich fest, dass Chan wegen seines psychischen Zustands nicht strafrechtlich verantwortlich gemacht werden kann. Die Ereignisse selbst wurden durch das Urteil nicht infrage gestellt.
Psychische Erkrankung spielte zentrale Rolle
Während seiner Haft wurde bei Chan eine Wahnstörung sowie eine Anpassungsstörung mit depressiven und ängstlichen Symptomen diagnostiziert. Die psychiatrische Untersuchung fand im August 2025 statt.
Nach Angaben der Gutachter litt Chan unter verschiedenen Formen von Wahnvorstellungen. Dazu gehörten Besessenheit, Größenwahn, Paranoia sowie Erotomanie. Dabei handelt es sich um eine psychische Störung, bei der Betroffene glauben, eine andere Person sei heimlich in sie verliebt.
Die Ärzte stellten außerdem fest, dass Chan mehr als 20 Jahre lang keine psychiatrische Behandlung erhalten hatte. Gleichzeitig beschrieben sie ihn als intelligent. Vor den Vorfällen hatte er rund zehn Jahre lang als Computertechniker gearbeitet, zum Zeitpunkt seiner Festnahme war er jedoch arbeitslos.
Laut Gerichtsunterlagen war Chan überzeugt, Liv Morgan bereits aus seiner Schulzeit zu kennen und mit ihr in einer Beziehung zu sein. Zudem glaubte er, persönliche Verbindungen zu verschiedenen Wrestling-Persönlichkeiten zu haben, die angeblich Ideen von ihm für Storylines übernommen hätten.
Vorfälle bei Liv Morgan und im WWE Performance Center
Die Ereignisse, die zu dem Verfahren führten, begannen am 31. Mai 2025. An diesem Tag reiste Chan von Scarborough in der kanadischen Provinz Ontario nach Florida. Er hatte seinen Reisepass erst kurz zuvor erhalten.
Gegenüber den US-Grenzbeamten erklärte er, dass er im WWE Performance Center wohnen wolle, obwohl die Einrichtung keine Unterkünfte anbietet. Anschließend begab er sich zu Liv Morgans Wohnhaus. Dort suchte er nach einem Schlüssel, versuchte sich Zugang zum Haus zu verschaffen, und hielt sich mehr als zwei Stunden auf dem Grundstück auf.
Aufnahmen einer Überwachungskamera zeigten laut den Ermittlungsakten, wie Chan ein auf der Veranda liegendes Luftgewehr aufhob und damit versuchte, die Haustür zu öffnen. Bevor er das Grundstück verließ, hinterließ er eine handschriftliche Nachricht. Darin bezeichnete er seinen Besuch als freundschaftlich und hinterließ seine Kontaktdaten.
Wenige Tage später tauchte Chan erneut auf, diesmal im WWE Performance Center, während Liv Morgan dort für eine NXT-Aufzeichnung anwesend war. Sicherheitsmitarbeiter erkannten ihn und verständigten die Behörden. Kurz darauf wurde er festgenommen.
Abschiebungsverfahren als nächster Schritt
Mit dem Urteil ist das Strafverfahren nach mehr als einem Jahr Haft nun abgeschlossen. Frei kommt Chan dennoch nicht. Richterin Scriven ordnete an, dass der US Marshals Service ihn an die US-Einwanderungsbehörde ICE übergeben soll. Da Chan kanadischer Staatsbürger ist, wird erwartet, dass er bis zum Abschluss eines Abschiebungsverfahrens in Gewahrsam bleibt.
Weder WWE noch Liv Morgan haben sich bislang öffentlich zu dem Urteil geäußert.

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