Neue Detailinformationen aus den Gerichtsakten in Orange County werfen ein präziseres Licht auf den mutmaßlichen Vorfall, der zur Festnahme von Ludwig Kaiser am 20. Mai 2026 in Florida geführt hat. Eine eidesstattliche Erklärung zum Haftbefehl, die von amerikanischen Wrestling-Medien veröffentlicht wurde, schildert den Tathergang aus Sicht des mutmaßlich Geschädigten in einer Detailtiefe, die in den ersten Verhaftungsberichten noch fehlte. Sämtliche Angaben gelten weiterhin als Vorwürfe, solange sie nicht gerichtlich überprüft sind.
Die eidesstattliche Erklärung als zentrale Quelle
Die zentrale Quelle der neuen Detail-Lage ist eine eidesstattliche Erklärung zum Haftbefehl, die inzwischen vorliegt. Aus dem Dokument geht hervor, wie die Ermittlungen zur Festnahme von Marcel Barthel am 20. Mai 2026 begründet wurden. Demzufolge ereignete sich der zugrunde liegende Vorfall bereits am 23. April 2026 in den „Paramount on Lake Eola Apartments” in Orlando, also rund vier Wochen vor der Festnahme.
Der mutmaßlich Geschädigte wird in den Gerichtsakten mit vollem Namen genannt, wir verzichten an dieser Stelle aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes auf eine Namensnennung. Bei den Vorwürfen handelt es sich um leichte Körperverletzung nach Florida Statute 784.03(1)(A), die in den USA als misdemeanor klassifiziert wird, vergleichbar mit einem Vergehen im deutschen Strafrecht.
Der Ersteinsatz und die Schilderung im Aufzug
Den ersten Einsatz übernahm laut der eidesstattlichen Erklärung Officer Victor Cortes vom Orlando Police Department. Er rückte gegen 18:37 Uhr Ortszeit zum Apartmentkomplex aus, nachdem der mutmaßlich Geschädigte einen Vorfall vor einem Aufzug im 12. Stock gemeldet hatte. In seiner Schilderung gegenüber der Polizei gab der Mann an, gegen 18:30 Uhr Ortszeit in den Aufzug gestiegen zu sein. Kurz darauf seien ein unbekannter weißer Mann und eine unbekannte Frau hinzugekommen.
Während der Aufzug nach oben fuhr, hätten sich die beiden in einer Weise verhalten, die der mutmaßlich Geschädigte als ausgesprochen distanzlos und körperlich auffallend nah beschrieb. Das Paar habe sich dabei stürmisch geküsst und jede Zurückhaltung vermissen lassen. Diese Verhaltensbeschreibung ist insofern relevant, als sie laut der eidesstattlichen Erklärung den unmittelbaren Kontext für die folgende Eskalation darstellt, denn der mutmaßliche Angriff soll sich erst im direkten Anschluss an diese Aufzug-Szene ereignet haben.
Die Anstands-Bemerkung als angeblicher Auslöser
Beim Erreichen des 12. Stocks stieg der mutmaßlich Geschädigte laut der eidesstattlichen Erklärung aus dem Aufzug und sprach eine Bemerkung in Richtung des Paares aus: „Bitte benimm dich anständig.“ Auf diese Aufforderung soll der mutmaßlich beteiligte Mann mit einer Eskalation reagiert haben.
Laut der Schilderung im Ermittlungsbericht habe der Mann den Geschädigten unmittelbar nach dessen Bemerkung mehrfach geschlagen, zu Boden gestoßen und mit weiterer Gewalt bedroht. Diese Schilderung bildet den zentralen Vorwurf der polizeilichen Ermittlungen. Da sämtliche Angaben aus der einseitigen Schilderung des mutmaßlich Geschädigten stammen, bedürfen sie einer gerichtlichen Überprüfung, bevor sie als Tatsachen gelten könnten. Genau auf diese Schilderung stützt sich die spätere Foto-Identifizierungsprozedur, die zur Festnahme führte.
Die sichtbare Verletzung und die Überwachungs-Aufnahmen
Officer Cortes stellte laut der eidesstattlichen Erklärung beim Eintreffen am Vorfallsort eine sichtbare Verletzung am Hinterkopf des mutmaßlich Geschädigten fest, namentlich einen großen frischen Kratzer und eine deutliche Rötung. Diese Verletzung beschrieb der Beamte als typisch für eine kürzlich erfolgte körperliche Auseinandersetzung.
Parallel traf Officer Benavides am Vorfallsort ein und wertete das Überwachungs-Video der 12. Etage des Apartment-Komplexes aus. Laut der eidesstattlichen Erklärung zeigen die Aufnahmen einen weißen Mann, der den Geschädigten vor dem Aufzug schlägt und schubst, etwa zu dem Zeitpunkt, den der Geschädigte angegeben hatte. Die parallel laufende Ermittlungsarbeit lieferte damit eine erste Bestätigungs-Ebene zu der Schilderung des mutmaßlich Geschädigten.
Die Foto-Identifizierung durch Corporal Shaylor
Im weiteren Verlauf der Ermittlungen identifizierte das Orlando Police Department Marcel Barthel als möglichen Verdächtigen. Laut der eidesstattlichen Erklärung entsprach Barthel der Beschreibung der Person aus dem Überwachungs-Video und war zum Tat-Zeitpunkt zudem Bewohner des Apartment-Komplexes in der 415 E. Pine St. in Orlando.
Am Abend des Vorfalls kehrten die Polizeibeamten zum Gebäude zurück, um eine Foto-Identifizierung mit dem mutmaßlich Geschädigten durchzuführen. Diese Identifizierung leitete laut Gerichtsakten Corporal Shaylor, der zuvor nicht an den Ermittlungen beteiligt gewesen war, was nach US-Standards die Neutralität der Identifizierungs-Prozedur sicherstellen soll.
Shaylor las die Anweisungen laut vor, bevor der Geschädigte sechs Schwarz-Weiß-Fotos durchging. Auf dem fünften Foto, das der mutmaßlich Geschädigte dem Ermittlungsbericht zufolge sofort als die Person identifizierte, die ihn geschlagen habe, war Marcel Barthel abgebildet.
Die Selbststellung am 20. Mai und die Freilassung gegen Kaution
Aus den Gerichtsakten geht hervor, dass Marcel Barthels Festnahme am 20. Mai 2026 keine zufällige Polizei-Begegnung war. Vielmehr hatte sich der WWE-Wrestler aktiv selbst gestellt, nachdem die Orange County Sheriff’s Office Warrants Unit einen aktiven Haftbefehl gegen ihn erlassen hatte. Am 20. Mai 2026 stellte sich Barthel um 14:37 Uhr Ortszeit im Booking and Release Center des Orange County Jail.
Der Haftbefehl wurde von der Warrants Unit bestätigt und per Fax an das Booking and Release Center übermittelt, anschließend wurde die Aufnahme-Prozedur eingeleitet. Diese kooperative Stellungs-Handlung wird von seinem Anwalt als Beleg für die Bereitschaft zur uneingeschränkten Zusammenarbeit mit den US-Behörden gewertet. Die Freilassung gegen 1.000-Dollar-Kaution erfolgte am selben Abend um 23:20 Uhr.
Die Rückkehr aus Mexiko nach Bekanntwerden des Haftbefehls
Eine besonders interessante Detail-Schicht der Vorgeschichte liefert die Information, dass Barthel zum Zeitpunkt der Bekanntgabe des Haftbefehls in Florida überhaupt nicht in den Vereinigten Staaten war. Laut einem von Sommerville eingereichten Antrag hielt sich der WWE-Wrestler aus beruflichen Gründen in Mexiko auf, vermutlich im Zusammenhang mit seinen El-Grande-Americano-Auftritten für AAA.
In dem Antrag heißt es ausdrücklich, dass Barthel sofort nach Bekanntwerden des Haftbefehls Vorkehrungen für die Rückkehr nach Orlando traf, um sich um die Angelegenheit zu kümmern. Diese unmittelbare Rückkehr-Initiative ist ein zentrales Argument der Verteidigung, weil sie Barthels Kooperationsbereitschaft mit den US-Behörden belegen soll. Hätte er sich gegen die Rückkehr entschieden und seinen Aufenthalt in Mexiko verlängert, wäre eine Vollstreckung des Haftbefehls über die internationale Justiz-Zusammenarbeit deutlich komplizierter geworden. Stattdessen flog Barthel umgehend nach Orlando zurück und stellte sich am 20. Mai 2026 freiwillig.
Die Begründung des hinreichenden Verdachts
Aus der Kombination aus der Schilderung des mutmaßlich Geschädigten, der sichtbaren Verletzung am Hinterkopf, dem ausgewerteten Überwachungs-Video und der Foto-Identifizierung leitete die Polizei laut der eidesstattlichen Erklärung einen hinreichenden Verdacht für eine simple-battery-Anklage ab.
Auf dieser Grundlage wurde der Haftbefehl erlassen, dem sich Barthel am 20. Mai 2026 stellte. Im Sinne journalistischer Sorgfalt ist wichtig zu wissen, dass der Ermittlungsbericht den Vorwurfs-Komplex aus Sicht der Anklage-Seite darstellt. Bis zum Abschluss eines möglichen rechtlichen Verfahrens gilt für Barthel die Unschuldsvermutung. Die Verteidigung hat inzwischen ein Plädoyer „nicht schuldig” eingereicht und Einsicht in sämtliche Beweismittel beantragt.

„Bitte benimm Dich anständig“ und dann ein Ausraster mit körperlichen Angriff? Habe da so meine Zweifel. 1000 Dollar Kaution sind da gar nichts in den USA, also bestehen auch da offenbar Zweifel im Raum.