Im Körperverletzungsverfahren gegen WWE-Star Ludwig Kaiser gibt es eine wichtige neue Entwicklung. Einen Tag vor der für den 16. Juli angesetzten Vorverhandlung hat die Verteidigung einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens eingereicht.
Gleichzeitig legen Kaisers Anwälte erstmals ausführlich seine eigene Darstellung des Vorfalls vor. Sie berufen sich dabei auf das in Florida geltende und kontrovers diskutierte „Stand Your Ground“-Gesetz und beantragen, ihren Mandanten vollständig von der Strafverfolgung zu befreien.
Worum geht es in dem Verfahren?
Ausgangspunkt des Verfahrens ist ein Vorfall vom 23. April 2026 in einem Apartmentkomplex in Orlando, Florida, in dem sowohl Ludwig Kaiser als auch der mutmaßlich Geschädigte Richard Reap wohnten. Nach Reaps Angaben hätten sich Kaiser und eine Frau im Aufzug intensiv geküsst. Als er die beiden aufgefordert habe, mehr Anstand zu zeigen, habe Kaiser ihn angegriffen, zu Boden gebracht und weitere Gewalt angedroht.
Laut dem ursprünglichen Verhaftungsbericht sichteten die Polizeibeamten Überwachungsaufnahmen, auf denen zu erkennen sein soll, wie Reap geschlagen und weggestoßen wurde. Darüber hinaus stellten sie bei ihm eine frische, größere Schürfwunde am Kopf fest.
Kaiser, dessen bürgerlicher Name Marcel Barthel lautet, bekannte sich nach seiner freiwilligen Selbststellung für nicht schuldig. Nachdem ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden war, reiste er eigens aus Mexiko nach Florida, um sich den Behörden zu stellen.
Richter Andrew Cameron erlaubte ihm anschließend, weiterhin international zu reisen und seine Verpflichtungen für WWE und AAA wahrzunehmen. Voraussetzung bleibt jedoch, dass Kaiser zu sämtlichen Gerichtsterminen erscheint.
Kaisers Darstellung: Umarmung statt Kuss und eine ICE-Drohung als Auslöser
Im nun eingereichten Schriftsatz schildert die Verteidigung einen deutlich anderen Ablauf der Ereignisse. Demnach hätten sich Kaiser und seine Freundin, die WWE- und AAA-Kommentatorin Andrea Bazarte, lediglich umarmt, als Richard Reap sie lautstark und unter Verwendung von Kraftausdrücken aufgefordert habe, mehr Respekt zu zeigen.
Als Kaiser nachgefragt habe, was genau gemeint sei, habe Reap erklärt, sie sollten Respekt zeigen, andernfalls werde er die US-Einwanderungsbehörde ICE auf Bazarte aufmerksam machen. Andrea Bazarte stammt aus Mexiko.
Laut der Darstellung der Verteidigung verließ Kaiser daraufhin den Aufzug, um Reap ausschließlich verbal mitzuteilen, dass dessen Äußerungen beleidigend und unangebracht gewesen seien. Zu diesem Zeitpunkt hat Kaiser ihn weder bedroht noch körperlich berührt.
Erst als Reap aggressiv auf ihn zuging, die Hände erhob und den Abstand zwischen ihnen deutlich verkürzte, reagierte Kaiser aus Angst vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff und stieß ihn weg.
Dem Schriftsatz zufolge kehrte Kaiser anschließend zu Andrea Bazarte in den Aufzug zurück. Reap soll sich jedoch erneut bedrohlich auf den Aufzug zubewegt haben, woraufhin Kaiser ihn ein zweites Mal weggestoßen habe. Außerdem habe Reap später noch eine Softdrink-Flasche nach Kaiser geworfen. Dieser habe darauf nicht reagiert und stattdessen den Aufzug genutzt, um die Situation zu verlassen.
Verteidigung beruft sich auf Floridas „Stand Your Ground“-Gesetz
Auf Grundlage dieser Darstellung argumentieren Kaisers Anwälte, ihr Mandant habe ausschließlich nicht tödliche Gewalt eingesetzt, um sich selbst und seine Freundin vor einer unmittelbar bevorstehenden rechtswidrigen Gewaltanwendung zu schützen. Genau für solche Situationen sehe das in Florida geltende „Stand Your Ground“-Gesetz den Einsatz nicht tödlicher Gewalt vor.
Es erlaubt eine solche Verteidigung, wenn eine Person berechtigterweise davon ausgehen darf, sich selbst oder andere vor einer unmittelbaren Bedrohung schützen zu müssen. Angesichts dessen beantragt die Verteidigung, Kaiser vollständige Immunität zu gewähren und sämtliche Anklagepunkte fallen zu lassen.
Bereits Ende Juni hatte Richter Andrew Cameron einem Antrag der Verteidigung stattgegeben, sämtliche Überwachungsaufnahmen aus dem 12. Stockwerk des Apartmentkomplexes für den Tatabend zwischen 18:00 und 18:45 Uhr Ortszeit sicherzustellen. Dieses Videomaterial dürfte für den weiteren Verlauf des Verfahrens von zentraler Bedeutung sein.
Prozess möglicherweise im August
Nach den Gerichtsunterlagen ist ein möglicher Prozess derzeit für den Zeitraum vom 10. bis 28. August 2026 vorgesehen. Dieser Terminplan kann sich jedoch noch ändern. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass das Verfahren durch eine außergerichtliche Einigung beendet wird und es gar nicht zu einem Prozess kommt.
Unabhängig vom Ausgang des Strafverfahrens droht Kaiser außerdem eine Zivilklage. Den Unterlagen zufolge hat Richard Reap bereits einen auf Personenschäden und Zivilverfahren spezialisierten Anwalt beauftragt.
Aktuelle AAA-Rolle verleiht dem Fall zusätzliche Brisanz
Der Fall erhält auch durch Kaisers aktuelle Rolle in AAA zusätzliche Aufmerksamkeit. Dort verkörpert Marcel Barthel seit einigen Monaten die Figur „El Grande Americano“, einen deutschen Wrestler, der als ungewöhnlicher mexikanischer Volksheld auftritt.
Andrea Bazarte begleitet ihn regelmäßig als Teil dieser Storyline. Dass Kaiser nun angibt, seine mexikanische Freundin gegen eine mutmaßlich rassistisch motivierte ICE-Drohung verteidigt zu haben, verleiht dem Fall eine zusätzliche gesellschaftliche Dimension.

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