Nur wenige Tage nach ihrem überraschenden AEW-Debüt haben Kofi Kingston und Austin Creed weitere Einblicke in die turbulenten Monate vor ihrem Wechsel gegeben. Im Gespräch mit Ariel Helwani schilderten die beiden Mitglieder von The New Level nun ausführlicher, wie ihre Zeit bei WWE tatsächlich endete und wie knapp einige Entscheidungen vor ihrem Auftritt im Wembley-Stadion gefallen sind.
WWE wollte offenbar mehr als die Hälfte des bisherigen Gehalts streichen
Ein zentraler Punkt der Gespräche mit WWE war die finanzielle Seite. Bereits zuvor war berichtet worden, dass das Unternehmen Kingston und Creed neue Vertragsbedingungen mit einer erheblichen Gehaltsreduzierung angeboten habe. Kingston bestätigte jetzt erstmals, dass die damals kursierende Größenordnung von 50 Prozent sogar noch zu niedrig angesetzt gewesen sei. WWE habe von beiden verlangt, auf mehr als die Hälfte ihres bisherigen Gehalts zu verzichten. Eine genaue Zahl nannte er nicht.
Kingston machte allerdings deutlich, dass die Entscheidung gegen das WWE-Angebot nicht allein wegen des Geldes gefallen sei. Er und Creed seien überzeugt gewesen, aufgrund ihrer Erfahrung, ihrer Vielseitigkeit und ihrer Fähigkeit, jüngere Talente zu unterstützen, weiterhin einen hohen Wert für das Unternehmen zu besitzen. Beide hätten über Jahre bewiesen, dass sie sowohl als Publikumslieblinge als auch als Heels funktionieren und in unterschiedlichsten Situationen eingesetzt werden könnten. Die angebotenen Bedingungen hätten aus ihrer Sicht nicht widergespiegelt, was sie weiterhin zum Produkt beitragen konnten.
Noch wichtiger sei für beide der Wunsch gewesen, wieder häufiger im Ring zu stehen. Kingston erklärte, dass sie weiterhin große Leidenschaft für Wrestling hätten und Matches bestreiten wollten, auf die sie selbst stolz sein könnten. Gerade im Tag Team Wrestling hätten sie bei WWE jedoch zunehmend das Gefühl gehabt, dass diese Sparte nicht die notwendige Priorität genieße.
AEWs Tag Team Division verstärkte den Wunsch nach Veränderung
Kingston verwies in diesem Zusammenhang auf Teams wie die Young Bucks, FTR, Private Party sowie Adam Copeland und Christian Cage. Beim Blick auf AEW hätten er und Creed regelmäßig Matches gesehen, bei denen sie sich gefragt hätten, wie es wäre, selbst Teil dieser Division zu sein. Die Aussicht, wieder häufiger hochklassige Tag Team Matches bestreiten und ihre eigenen Ideen umsetzen zu können, entwickelte sich dadurch zu einem entscheidenden Faktor.
Der frühere WWE Champion betonte zugleich, dass niemand dauerhaft mit Frust zur Arbeit gehen wolle. Er und Creed hätten einen Punkt erreicht, an dem sie ihre verbleibenden Jahre als aktive Wrestler so nutzen wollten, dass sie weiterhin Leidenschaft für ihren Beruf empfinden. Nach ihren langen WWE-Karrieren seien sie zwar eigentlich nicht mehr in einer Situation gewesen, in der sie sich noch einmal beweisen müssten, hätten sich aber bewusst dafür entschieden, erneut auf sich selbst zu setzen.
Die entscheidenden WWE-Anrufe kamen völlig unerwartet
Auch über den Moment, in dem WWE ihnen die neuen Bedingungen mitteilte, sprachen beide ausführlicher. Creed befand sich bei einem Footballspiel seines Kindes, als ihn eine unbekannte Telefonnummer aus dem Raum Los Angeles erreichte. Da die Wochen nach WrestleMania traditionell mit personellen Veränderungen bei WWE verbunden sind, sei ihm zwar kurz ein ungutes Gefühl gekommen, wirklich mit einer solchen Entwicklung gerechnet habe er aber nicht.
Kingston erhielt seinen Anruf ausgerechnet am Geburtstag seines Sohnes. Er beschrieb die Situation als surreal und habe nach dem Gespräch zunächst versucht, seine eigenen Emotionen zurückzustellen, damit der besondere Tag seines Kindes nicht überschattet werde. Als Kingston und Creed anschließend miteinander sprachen, stellten sie schnell fest, dass sie unabhängig voneinander zu derselben Einschätzung gekommen waren: Unter den angebotenen Bedingungen wollten sie ihre WWE-Karrieren nicht fortsetzen. Bevor die Entscheidung endgültig fiel, prüften sie dennoch ihre finanzielle Situation und berieten sich unter anderem mit einem Finanzexperten.
Nach ihrer Absage habe es laut Creed keinen persönlichen Kontakt mehr von höheren WWE-Verantwortlichen gegeben. Weder ein Anruf noch eine Nachricht oder ein ausdrückliches Dankeschön seien erfolgt. Kingston wollte diese Erfahrung allerdings nicht als Abrechnung verstanden wissen. Er sei WWE weiterhin dankbar dafür, dass er dort seinen Kindheitstraum verwirklichen und über viele Jahre eine außergewöhnliche Karriere erleben konnte.
AEW-Verträge erst weniger als 24 Stunden vor All In unterschrieben
Noch überraschender verlief der endgültige Wechsel zu AEW. Kingston verriet, dass die Verträge von The New Level tatsächlich erst weniger als 24 Stunden vor ihrem Auftritt bei All In unterschrieben wurden. Bis dahin seien zwar bereits Gespräche geführt worden, offiziell abgeschlossen gewesen sei die Verpflichtung jedoch noch nicht.
Creed bezeichnete die Verhandlungen als unkompliziert. Beide Seiten hätten lediglich sicherstellen wollen, dass sämtliche Punkte für alle Beteiligten passen. Erst die Reise nach London habe es ermöglicht, sich persönlich zusammenzusetzen und die letzten Details direkt zu klären. Ein erstes persönliches Gespräch mit Tony Khan soll sogar erst ungefähr eine Woche vor All In stattgefunden haben.
Damit war ihr spektakulärer Einstand im Wembley Stadium deutlich kurzfristiger vorbereitet, als es angesichts der Präsentation vermuten ließ. Kingston und Creed erschienen als Überraschungspartner von Swerve Strickland, bestritten ihr erstes AEW-Match und verließen die Show unmittelbar als neue AEW World Trios Champions.
Big E unterstützte seine langjährigen Partner bei ihrem neuen Weg
Auch Big E spielte während der Veränderungen weiterhin eine wichtige Rolle. Sein WWE-Vertrag war von der Situation seiner langjährigen New-Day-Partner nicht betroffen, da er aufgrund seiner schweren Nackenverletzung und seiner heutigen Non-Wrestling-Rolle eine andere Vereinbarung besitzt. Kingston und Creed machten deutlich, dass dies nichts an ihrer persönlichen Beziehung geändert habe. Die drei stünden weiterhin täglich miteinander in Kontakt und betrachteten sich nach wie vor als Brüder.
Big E unterstützte ihre Entscheidung nicht nur persönlich, sondern half sogar bei der kurzfristigen Umsetzung ihres neuen AEW‑Auftritts. Kingston erklärte, dass Creed den Song „New Level“ von A$AP Ferg feat. Future als Entrance-Musik vorgeschlagen habe. Als die notwendigen Kontakte zunächst schwierig herzustellen waren, half Big E dabei, über gemeinsame Bekannte eine Verbindung zum Umfeld des Künstlers aufzubauen. Auch diese Vereinbarung wurde offenbar erst in den letzten Stunden vor dem All-In-Debüt abgeschlossen.
Nach dem Auftritt seiner Freunde bezeichnete Big E Kingston und Creed öffentlich als zwei lebende Legenden, die seiner Meinung nach unterschätzt worden seien. Für ihn sei ihr Erfolg bei AEW kein bittersüßer Moment gewesen. Vielmehr freue er sich darüber, dass seine langjährigen Weggefährten nach ihren WWE-Karrieren ein neues Kapitel begonnen haben.

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