Kevin Nash hat in der jüngsten Folge seines Kliq-This-Podcasts mit ungewöhnlicher Schärfe gegen die Konzernführung TKO ausgeholt und sich offen hinter Paul „Triple H“ Levesque gestellt. Der WWE Hall of Famer warf der Mutterfirma vor, sich in die WWE-Kreativplanung einzumischen, deren Erfolge auf Triple Hs Konto abzuladen und im Hintergrund eine ganz andere Rechnung zu begleichen. Im Mittelpunkt steht der Vorwurf, dass Triple H für Probleme verantwortlich gemacht werde, die er gar nicht selbst zu verantworten habe.
Der „50%“-Podcast und Nashs Sonderstellung
Den Anlass für Nashs Wutredelieferte die jüngste Welle aus Massenentlassungen, geforderten Gehaltskürzungen von rund 50 Prozent und dem freiwilligen Abgang von The New Day. Nash selbst betonte, persönlich nicht von einer Kürzung betroffen zu sein. Er hält weiterhin einen WWE-Legends-Vertrag, der heute keine Wrestling-Aktivitäten mehr vorsieht, sondern eine Art Botschafterrolle umfasst, mit der WWE sein Bild auf Fanartikeln und in Videospielen verwenden darf.
Bemerkenswert ist zudem ein in mehreren US-Quellen, allen voran Cageside Seats, ausdrücklich erwähntes Detail. Nash ist als Aktionär bei TKO direkt beteiligt und kritisiert die Konzernführung damit nicht nur aus Sicht eines ehemaligen Wrestlers, sondern auch aus Sicht eines Anteilseigners.
TKO-Einmischung, NASCAR-Vergleich und der „500-Millionen-Deal“
Die schärfste Spitze richtete Nash gegen die TKO-Führungsebene oberhalb von Triple H. Diese Manager hätten keine Ahnung vom Wrestling-Geschäft und gehe es nur darum, im Konzern selbst weiter aufzusteigen. In deutscher Übersetzung wörtlich erklärte er: „Levesque übernimmt das Ruder, und alle lieben die Richtung, in die er das neue WWE-Flaggschiff in die Netflix-Ära führt. Und dann beschließen die Typen über ihm, die keine Ahnung haben, ihre Nasen in Dinge zu stecken, die sie nichts angehen.“
Um diesen Vorwurf zu unterstreichen, ahmte Nash im Podcast die typische Denkweise der TKO-Verantwortlichen nach. In seiner überzogenen Darstellung würden Top-Stars willkürlich in Main-Event-Pläne gedrückt, mit dem Argument, ein bestimmter Wrestler sei ohnehin „mit einem 500-Millionen-Dollar-Deal“ an WWE gebunden. Diese Zahl ist deutlich überzeichnet und nicht durch öffentliche Vertragsdaten gedeckt, gilt in der US-Wrestling-Welt aber als klare Anspielung auf Roman Reigns, der als WWE-Topstar den größten Langfristvertrag des Unternehmens hält.
Ergänzend warf Nash der TKO-Führung vor, das Bild der Halle bei WrestleMania 42 in Las Vegas durch überbordende Werbung „wie eine NASCAR-Strecke“ wirken zu lassen. Bereits in den Wochen davor hatte er mehrfach kritisiert, dass es bei der Hall of Fame Zeremonie kein Catering und am Wrestler-Hotel keine Security gegeben habe – wir berichteten.
UFC-Querfinanzierung als zentraler Vorwurf
Den härtesten Vorwurf richtete Nash auf die Geschäftsverflechtung zwischen WWE und der Schwester-Promotion UFC. In deutlichen Worten forderte er TKO auf, endlich offen zu erklären, dass UFC „durch jede Aderpresse blute“ und WWE deshalb Talente abbauen müsse, um die Verluste der anderen Konzern-Tochter aufzufangen. UFC verliere Geld in großem Stil, WWE hingegen nicht, betonte Nash. Diese These geht weit über die übliche Gehaltsdebatte hinaus und unterstellt der Konzernführung indirekt, eine gesunde Promotion zur Quersubvention einer kriselnden Schwester-Promotion zu benutzen.
Ebenso kritisierte Nash, Triple H sei intern unter Druck gesetzt worden, binnen weniger Tage einen sechsjährigen Kreativplan abzuliefern, andernfalls würde das Budget um 50 Prozent gekürzt werden.
Solidarität mit Triple H und The New Day
Trotz aller Schärfe gegen TKO ließ Nash keinen Zweifel an seinem persönlichen Bekenntnis zu Triple H. Sollte die Konzernführung Triple H aus seiner Rolle drängen oder versuchen, ihn zu sabotieren, wolle Nash für den Rest seines Lebens nichts mehr mit dem WWE-Produkt zu tun haben. Diese Drohung formulierte er in der Episode mehrfach und in deutlichen Worten.
Auch zum Abgang von Kofi Kingston und Xavier Woods nahm Nash eindeutig Stellung. Beide hätten 16 bis 17 Jahre für WWE gegeben und seien für ihn persönliche Freunde. Eine Vertragsumstrukturierung mit Gehaltskürzung sei in dieser Situation ein Schlag ins Gesicht gewesen. Dass sich The New Day stattdessen für die Freigabe entschieden habe, sei deshalb absolut richtig gewesen.
Was Triple H absichert und was Nash trotzdem fordert
Aktuell wirkt Triple H im Konzerngefüge gut abgesichert. WWE-Präsident Nick Khan hatte ihn bereits in einem internen Town-Hall-Meeting öffentlich verteidigt, und Triple H selbst hat nach WrestleMania 42 einen neuen Mehrjahresvertrag als Chief Content Officer unterzeichnet. Damit ist die akute Sorge, dass TKO ihn kurzfristig austauscht, weniger dringend als Nashs Wortwahl vermuten lässt.
Bemerkenswert ist allerdings, dass Nash in der Episode noch einen Schritt weitergeht. Er fordert für die Wrestling-Branche eine ernsthafte Diskussion über eine Wrestler-Gewerkschaft, die Talente vor genau jenen Vertrags- und Gehaltsspielen schützen würde, die TKO laut seiner Schilderung gerade massiv durchsetzt. Damit kommt aus dem Kliq-This-Lager nicht nur eine Solidaritätsadresse an Triple H, sondern ein deutlich breiterer Branchen-Appell.

Über den Bruch würde sich TKO aber freuen, einen Legendenvertrag weniger finanzieren. Damit würde er denen nur in die Hände spielen.
Einen 6-jährigen Kreativplan… in einem Geschäft, wo sich Wrestler jederzeit verletzen können und Hypes regelmäßig spontan entstehen… ist klar. Boah, lasst uns die WWE da raus crowdfunden, das ist doch nicht mehr zu ertragen.