Natalya zeigt derzeit eine deutlich andere Seite von sich und spricht ungewöhnlich offen darüber, was hinter dieser Veränderung steckt. Dabei geht es für sie um weit mehr als nur eine neue Rolle im WWE-TV.
„Natty“ soll keine neue Ronda Rousey sein
Im Format „No Holds Barred“ der Toronto Sun sprach Natalya über Vergleiche zwischen ihrer aggressiveren Darstellung und Ronda Rouseys von MMA geprägter WWE-Rolle. Sie respektiere Rousey und deren Arbeit, sehe ihre eigene Figur aber in einer anderen Tradition. Die äußere Härte könne ähnlich wirken, der Ursprung von „Natty“ liege jedoch in ihrer persönlichen Ausbildung und der Geschichte der Familie Hart.
Natalya hofft demnach auf mehr Zeit im WWE-TV, um die Entwicklung ihrer Rolle ausführlicher erklären zu können. Die Figur sei noch nicht abgeschlossen, sondern wachse weiter. Nach fast zwei Jahrzehnten bei WWE gehe es ihr dabei auch um eine selbstbewusstere Haltung. Sie wolle ihre Leistungen nicht ständig aufzählen oder sich selbst als Legende bezeichnen müssen. Ob die Fans sie so wahrnähmen, sollten diese selbst entscheiden.
Der Hart Dungeon sei schon lange vor Bloodsport ein Ort echter Härte gewesen
Die Grundlage ihrer aktuellen Darstellung führt Natalya auf den ursprünglichen Hart Dungeon zurück. Als sie mit Josh Barnett erstmals über einen Auftritt bei Bloodsport gesprochen habe, habe sie ihm erklärt, der Dungeon sei bereits Bloodsport gewesen, bevor die heutige Veranstaltungsreihe diesen Namen getragen habe. Ihr Großvater Stu Hart habe dort einen direkten, körperlichen Stil vermittelt, der auf Ringen und Aufgabegriffen beruhte.
In dem Trainingsraum habe es keine Ringseile und keine aufwendige Inszenierung gegeben. Die Beteiligten hätten sich auf einer Matte miteinander gemessen. Neben ihrem Vater und ihren Onkeln hätten dort zahlreiche bekannte Wrestler trainiert. Natalya selbst habe auf diese Weise gelernt, auch mit Männern zu ringen. „Natty“ sei deshalb für sie eine moderne Fortsetzung dieser Ausbildung und keine geliehene MMA-Identität.
Warum Natalya Jacob Fatus Dungeon-Promos zensieren muss
Ihre Aussagen über Jacob Fatu stammen allerdings nicht aus demselben Gespräch mit der Toronto Sun. In einem separaten Interview mit Adrian Hernandez bezeichnete Natalya ihn als ihren liebsten Schüler im Dungeon. Fatu sei ursprünglich gekommen, um sich zu verbessern und sich seinen Platz bei WWE zu verdienen. Mit der Zeit habe er jedoch begonnen, auch anderen Wrestlern bei Promos, beim Verkaufen von Aktionen und bei verschiedenen Abläufen im Ring zu helfen.
Gerade seine eigenen Promos seien so emotional, dass Natalya Aufnahmen vor einer Veröffentlichung regelmäßig bearbeiten müsse. Fatu spreche aus dem Herzen und benutze dabei häufig Kraftausdrücke. Wenn sie entsprechendes Material online stelle, lege sie deshalb Musik darüber und zensiere seine Sprache. Dies sei keineswegs als Kritik an seiner Arbeit gemeint. Für Natalya macht gerade die ungefilterte Intensität einen großen Teil seiner Wirkung aus, weil seine Worte nicht einstudiert wirkten.
Fatu verkörpere damit vieles von dem, was sie am Pro Wrestling liebe und ihren Schülern vermitteln wolle. Aus einem Besucher, der an sich selbst arbeiten wollte, sei ein Helfer für die gesamte Gruppe geworden. Natalya bezeichnete ihn deshalb inzwischen als eine Art Bruder. Die Passage ergänzt ihre Aussagen über „Natty“ um ein praktisches Beispiel: Im heutigen Dungeon geht es ihr nicht nur um Technik, sondern auch um glaubwürdige Emotion und die Bereitschaft, andere besser zu machen.
Andy Williams’ Tod erinnerte Natalya sofort an Owen Hart
Im Toronto-Sun-Interview wandte sich Natalya zudem einem wesentlich ernsteren Thema zu. Der Tod von Andy Williams, der als Musiker und unter dem Namen The Butcher auch als Wrestler bekannt war, habe sie unmittelbar an den Verlust ihres Onkels Owen Hart erinnert. Williams starb im Alter von 48 Jahren nach einem Sturz bei einer Wrestling-Veranstaltung.
Natalya erklärte, dass bei einem solchen Todesfall die Grenzen zwischen Promotions und Arbeitgebern in den Hintergrund träten. Die zahlreichen öffentlichen Erinnerungen, Fotos und privaten Nachrichten, die in den sozialen Medien geteilt wurden, hätten gezeigt, wie sehr Williams innerhalb der Wrestling-Welt geschätzt worden sei. Ihre ersten Gedanken galten dennoch seiner Familie und der Frage, wie seine Angehörigen die Nachricht aufgenommen hätten.
Owen Hart starb 1999 nach einem Unfall während des WWE-Pay-per-Views „Over the Edge“. Für die Familie Hart war dies laut Natalya der schwerste Moment ihres Lebens. Ein plötzlicher Verlust hinterlässt tiefe und dauerhafte Narben. Auch wenn sich viele Menschen versammeln, um einen Verstorbenen zu würdigen, verschwindet der Schmerz der Angehörigen dadurch nicht.
Zwei Gespräche, aber ein gemeinsamer Gedanke
Aus der Erinnerung an Owen leitete Natalya einen Appell an die gesamte Wrestling-Welt ab. Menschen sollten einander unabhängig von Arbeitgebern, früheren Konflikten oder persönlichen Differenzen mit Respekt, Freundlichkeit und Nachsicht begegnen. Niemand könne sicher sein, den nächsten Tag zu erleben.

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