Geplatzter WWE-Deal: Vince McMahon wäre wohl bei Saudi-Übernahme im Amt geblieben

Vince McMahon in Saudi-Arabien
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Eine mögliche Übernahme von World Wrestling Entertainment durch den Saudi Public Investment Fund (PIF) hätte die jüngere Geschichte der Promotion komplett verändern können. Wie nun bekannt wurde, stand ein entsprechender Deal zeitweise im Raum, kam letztlich jedoch nicht zustande. Wrestling Observer Dave Meltzer reagierte auf wiederkehrende Spekulationen mit einer ungewöhnlich klaren Aussage.

Damit liefert Meltzer einen historischen Einblick in eine Phase, die viele Fans und Branchen-Beobachter so nicht im Detail kannten. Der saudi-arabische Staatsfonds hätte die WWE als private Promotion erworben und Vince McMahon offenbar weiterhin als operativen Kopf belassen, was die heutige TKO-Konstellation komplett verhindert hätte.

Vince McMahon-Rückzug als Wendepunkt

Über Jahrzehnte hinweg blieb die WWE unter der Kontrolle der McMahon-Familie. Erst die Vorwürfe gegen Vince McMahon – allen voran die Klage von Jane Grant aus dem Januar 2024, in der sie sexuellen Missbrauch vorwarf, führten zu seinem Rückzug aus der WWE und einem tiefgreifenden Umbruch in der Unternehmensführung.

In der Folge übernahm Paul Levesque die kreative Leitung als Chief Content Officer, während Nick Khan als CEO eine zentrale Rolle in der neuen Unternehmensstruktur einnahm. Damit setzte sich eine Führungs-Linie durch, die ohne Vince McMahon auskommen konnte und die kreative Ausrichtung der Promotion neu justierte.

Diese Veränderungen ebneten schließlich den Weg für den Zusammenschluss unter TKO Group Holdings im Jahr 2023. TKO entstand aus der Fusion von WWE und der UFC unter dem Endeavor-Dach. Endeavor hatte 2016 eine Mehrheitsbeteiligung an der UFC erworben und 2021 die restlichen Anteile übernommen, was die Plattform für den TKO-Zusammenschluss legte.

Saudi-Option im Hintergrund

Doch im Hintergrund gab es laut Meltzer eine weitere ernsthafte Option. Der Saudi Public Investment Fund hatte die Möglichkeit, die WWE zu kaufen, und hätte Vince McMahon in diesem Fall weiterhin an der Spitze der Promotion belassen. Der PIF ist der Staatsfonds des Königreichs Saudi-Arabien und einer der größten Investitions-Fonds der Welt. Er hat in den vergangenen Jahren massiv in Sport- und Entertainment-Engagements investiert, unter anderem bei LIV Golf und in mehreren Fußball-Clubs.

Die Verantwortlichen entschieden sich jedoch letztlich dagegen, ein konkretes Angebot abzugeben. Stattdessen kam es zum Deal mit TKO, der die Ausrichtung der WWE bis heute maßgeblich prägt. Meltzer hob in seinem Beitrag hervor, dass Ari Emanuel als CEO von TKO sein Angebot nicht mit dem Ziel abgegeben habe, die WWE später weiterzuverkaufen, sondern er habe die WWE als langfristige strategische Investition gesehen.

Vince McMahon zunächst noch Anteilseigner

Ein historisches Detail ist ebenfalls bemerkenswert. Vince McMahon war zunächst nach der Übernahme durch TKO noch Anteilseigner und hätte Teil der TKO-Struktur sein können, wenn nicht juristische Probleme aufgetreten wären. Erst während der Lawsuit-Phase musste er seinen Einfluss vollständig aufgeben.

Damit zeigt sich die enge zeitliche Verschachtelung. Während die TKO-Fusion vorbereitet wurde, lief parallel die Janel-Grant-Klage. Hätte sich die Saudi-Variante durchgesetzt, wäre McMahon vermutlich nicht in den Zwang geraten, seine Position aufzugeben. Genau dieser Punkt macht die Aussage von Meltzer so aufschlussreich.

Buy-Back-Spekulation als Auslöser

Der Anlass für Meltzers jetzige Klarstellung ist eine wiederkehrende Spekulation aus der Wrestling-Branche. Im Februar 2026 hatte Jonathan Coachman in seinem Podcast die These verbreitet, dass Vince McMahon mit saudi-arabischen Investoren versuche, die WWE zurückzukaufen. Diese Spekulation hat seitdem in der Branche immer wieder für Diskussionen gesorgt.

Mit seiner aktuellen Aussage dämpft Meltzer diese Spekulationen deutlich. Wenn die Saudis damals nicht zugegriffen haben, als die Konstellation für sie deutlich günstiger war, ist eine spätere Buy-Back-Konstellation weniger plausibel. Damit liefert Meltzer einen wichtigen Kontext für die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Übernahme-Szenarien.

Saudi-WWE-Partnerschaft seit 2018

Trotz der nicht zustande gekommenen Übernahme pflegt die WWE seit 2018 eine enge Partnerschaft mit Saudi-Arabien. Sie begann mit dem Greatest Royal Rumble im April 2018 in Jeddah und wurde 2019 auf zwei Premium Live Events pro Jahr bis 2027 erweitert. Aus dieser Partnerschaft hat die WWE laut Wrestlenomics-Daten rund 400 Millionen US-Dollar generiert, mehr als die gesamten Ticket-Erlöse aller 38 WrestleManias zusammen.

Die jüngsten Saudi-Events umfassen den Royal Rumble 2026 in Riad. Mit der jetzigen Planung für Night of Champions am 27. Juni 2026 in der Kingdom Arena in Riad setzt sich die Veranstaltungs-Linie fort. Auch WrestleMania 43 ist nach jetzigem Stand für eine Austragung in Saudi-Arabien vorgesehen, was die langfristige Bindung der WWE an die Region zusätzlich festigt.

Sportswashing-Diskussion als Begleitkontext

Begleitet wird die Saudi-WWE-Partnerschaft seit Jahren von einer kritischen Diskussion über die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien. Mehrere Menschenrechtsorganisationen haben die saudi-arabischen Sport-Engagements als „Sportswashing“ eingeordnet. Damit wird die Strategie beschrieben, das öffentliche Image eines Landes über prominente Sportveranstaltungen aufzuwerten, um Aufmerksamkeit von politischen oder gesellschaftlichen Kontroversen abzulenken.

Diese Debatte begleitet die WWE seit Beginn der Saudi-Partnerschaft 2018. Sie liefert auch einen Hintergrund für die strategische Entscheidung der Saudis, sich auf eine Veranstaltungs-Partnerschaft zu beschränken, statt eine vollständige Übernahme der WWE anzustreben. Eine Übernahme hätte den Sportswashing-Vorwurf zwangsläufig verstärkt, eine reine Event-Kooperation lässt sich politisch leichter verteidigen.

Siehe auch: Todd Grisham über seine WWE-Zeit: Vince McMahons Wutausbruch wegen eines Kommentars im Live-TV

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