Der frühere WWE-Kommentator Todd Grisham hat rückblickend eine der drastischsten Situationen seiner Karriere geschildert. Im Gespräch mit Chris Van Vliet berichtete Grisham von einem Vorfall während einer Live-Übertragung, bei dem Vince McMahon ihn im Headset lautstark anschrie. Auslöser war eine harmlose Bemerkung über John Morrison, die direkt aus einem offiziellen WWE-Magazin stammte.
Grisham erklärte, dass er von den Produzenten ausdrücklich dazu ermutigt worden sei, Inhalte aus dem WWE Magazine in seine Kommentare einzubauen. Die Publikation war zu diesem Zeitpunkt bewusst stärker auf Charaktertiefe und Lifestyle ausgerichtet. Als Morrison seinen Finisher Starship Pain zeigte, griff Grisham diese Informationen auf und sagte sinngemäß: „John Morrison zeigt Starship Pain. Er ist ein großer Fan von Poesie und hat sogar ein Gedicht über seinen Finisher geschrieben.“
Unmittelbar danach eskalierte die Situation. Vince McMahon reagierte laut Grisham während der laufenden Sendung mit einem massiven Wutausbruch im Headset: „Hast du gerade gesagt, dass unser größter Heel ein verdammter Dichter ist? Du verdammtes A*schl*ch. Was zum Teufel soll das? Halt die Klappe. Halt einfach die Klappe. Sag nichts mehr.“
McMahon entzog Grisham daraufhin für mehrere Minuten das Wort und übergab die Kommentierung vollständig an Jim Ross. Grisham schilderte, dass er während eines Großteils des Matches schweigend neben Ross saß, bis McMahon ihm später erlaubte, wieder zu sprechen.
Psychischer Druck als Teil des Arbeitsalltags
Für Grisham war dieser Vorfall kein Einzelfall, sondern symptomatisch für den Arbeitsalltag unter McMahon. Rückblickend beschrieb er den Umgangston als dauerhaft belastend. Gegenüber Van Vliet erklärte er offen: „Ich habe es meiner Frau immer so beschrieben. Ich gehe zur WWE, um mich einmal pro Woche etwa zwei Stunden lang psychisch misshandeln zu lassen. Danach komme ich nach Hause und werde dafür gut bezahlt.“
Trotz dieser Erfahrungen blieb Grisham insgesamt acht Jahre bei der WWE. Er erklärte, dass er gelernt habe, sich zurückzunehmen und möglichst keine kreativen Grenzen zu überschreiten. Der Vorfall mit dem Zitat aus dem WWE Magazine sei jedoch einer der surrealsten Momente seiner gesamten Laufbahn gewesen, gerade weil er lediglich interne Vorgaben umgesetzt habe.
Kevin Dunns ungewöhnlicher Rat zur Stimmlage
Neben den Erfahrungen mit McMahon berichtete Grisham im selben Interview auch von einer weiteren Begebenheit aus seiner Anfangszeit bei der WWE. Diese betraf den langjährigen Produktionsleiter Kevin Dunn, der das Unternehmen 2023 nach mehreren Jahrzehnten verließ.
Grisham erinnerte sich an ein Gespräch, in dem Dunn seine Stimme kritisierte und ihm einen Ratschlag gab, den Grisham zunächst für einen Scherz hielt. Dunn habe ihm erklärt, seine Stimme klinge zu hoch und müsse tiefer werden. Als Grisham nach einer Lösung fragte, habe Dunn geantwortet: „Vielleicht solltest du anfangen, Zigaretten zu rauchen.“
Grisham schilderte, dass er zunächst ungläubig reagierte und davon ausging, Dunn mache einen Witz. Doch dieser habe nachgelegt und erklärt, er meine das ernst. Zur Begründung habe Dunn auf Jim Ross verwiesen, der für seine markante Stimme bekannt war und stark rauchte. Grisham gab zu, kurz darüber nachgedacht zu haben, diesen Rat tatsächlich umzusetzen, entschied sich jedoch dagegen: „Ich habe wirklich kurz überlegt, ob ich anfangen soll zu rauchen. Aber zum Glück habe ich es nicht getan.“
Ein Blick hinter die Kulissen der WWE
Die beiden Schilderungen zeichnen ein deutliches Bild vom Arbeitsklima hinter den Kulissen der WWE in jener Zeit unter Vince McMahon. Grishams Aussagen verdeutlichen, wie stark Charakterdarstellung, Kommentierung und sogar persönliche Eigenschaften wie die Stimme kontrolliert wurden. Gleichzeitig zeigen sie, unter welchem psychischen Druck Mitarbeiter standen, selbst wenn sie offizielle Vorgaben umsetzten.
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