Chris Jericho denkt bei AEW um: Seine Rolle hat sich grundlegend verändert

Chris Jericho steht lachend auf der Bühne
wrestling-point.de Newsquelle festlegen

Chris Jericho gehört seit der Gründung von AEW zu den prägendsten Persönlichkeiten des Unternehmens. Sieben Jahre später befindet sich der ehemalige AEW World Champion allerdings in einer völlig anderen Phase seiner Karriere. Statt einer weiteren großen Neuerfindung beschäftigt ihn inzwischen vor allem die Frage, welchen Platz er innerhalb eines Rosters einnehmen möchte, das sich seit 2019 erheblich verändert hat.

Im Gespräch mit „The Wrestling Classic“ gab Jericho ungewöhnlich ausführliche Einblicke in seine aktuelle Rolle, seinen Umgang mit jüngeren Talenten und die Reaktionen verschiedener Fan-Generationen.

Jericho möchte keine weitere große Neuerfindung erzwingen

Chris Jericho hat während seiner Karriere immer wieder neue Figuren, Spitznamen und Präsentationen entwickelt. Bei seiner jüngsten Rückkehr zu AEW entschied er sich jedoch bewusst für einen wesentlich reduzierteren Ansatz. Statt einer weiteren ausgearbeiteten Identität tritt er inzwischen schlicht als „Jericho“ auf. Die Idee dahinter verglich er mit bekannten Musikalben, die allein durch den Namen des Künstlers oder ihre charakteristische Präsentation auskommen. Als Beispiele führte er Metallicas „Black Album“ und das als „White Album“ bekannte Beatles-Werk an.

Jericho ist überzeugt, dass sein Name inzwischen genügend Erinnerungen an die unterschiedlichen Phasen seiner fast 36-jährigen Karriere hervorruft. Fans verbinden damit je nach Generation seine Zeit bei WCW, seine zahlreichen WWE-Charaktere, seine Jahre in Japan oder seine unterschiedlichen AEW‑Rollen. Einen zusätzlichen Spitznamen benötige er deshalb nicht mehr.

Tony Khan kann Jericho flexibel einsetzen

Auch seine Position innerhalb von AEW betrachtet Jericho inzwischen wesentlich entspannter. Er wolle nicht vorgeben, welche Storyline oder welcher Gegner als Nächstes auf ihn warten müsse. Stattdessen sei er bereit, dort eingesetzt zu werden, wo Tony Khan einen Nutzen für ihn sehe.

Siehe auch  Jim Ross erfolgreich am Gehirn operiert: Neue Einzelheiten zum Eingriff und seiner weiteren Genesung

Diese Herangehensweise zeigte sich bereits in den vergangenen Monaten. Jericho arbeitete unter anderem mit Ricochet und Tommaso Ciampa, gehörte bei einer Veranstaltung in der Arena México zu einem prominent besetzten Team und trat zuletzt gegen Kevin Knight an. Gerade die Möglichkeit, mit Wrestlern zu arbeiten, denen er zuvor noch nie im Ring gegenübergestanden hatte, bereite ihm großen Spaß. Trotz seiner langen Zugehörigkeit zu AEW sieht Jericho weiterhin zahlreiche unverbrauchte Paarungen.

Als einen Grund dafür nennt er die Art und Weise, wie AEW Matches ansetzt. Viele Begegnungen würden nicht ständig wiederholt. Selbst gegen Stars wie Will Ospreay oder Kenny Omega habe er innerhalb von AEW nur wenige Singles Matches bestritten. Dadurch blieben auch nach sieben Jahren zahlreiche Kombinationen möglich.

AEW sollte laut Jericho nicht mehr um ihn aufgebaut werden

Besonders deutlich wurde Jericho bei der Frage, welche Bedeutung er heute für das Unternehmen haben sollte. Als AEW 2019 gegründet wurde, gehörte er zu den wichtigsten Verpflichtungen überhaupt. Sein Bekanntheitsgrad aus WWE und New Japan sollte dem neuen Unternehmen sofort Glaubwürdigkeit verleihen. Wenige Monate später wurde er zum ersten AEW World Champion der Geschichte. Diese Rolle beansprucht Jericho heute ausdrücklich nicht mehr für sich.

Aus seiner Sicht sollte AEW in dieser Phase nicht mehr um Chris Jericho aufgebaut werden. Vielmehr gehöre es zum natürlichen Verlauf des Wrestling-Geschäfts, neue Stars zu entwickeln, die ein Unternehmen in die nächste Generation führen können. Jericho verwies dabei unter anderem auf Kevin Knight und Will Ospreay als Beispiele für Wrestler, die innerhalb von AEW eine immer größere Bedeutung erlangt haben. Seine eigene Aufgabe sieht er darin, weiterhin etwas zum Produkt beizutragen, ohne dauerhaft im Mittelpunkt stehen zu müssen.

Gleichzeitig glaubt Jericho, dass seine Auftritte weiterhin einen besonderen Stellenwert besitzen. Auch weil niemand genau wisse, wie lange seine aktive Karriere noch dauern werde, würden manche Zuschauer seine derzeitigen Auftritte möglicherweise anders wahrnehmen als noch vor einigen Jahren.

Siehe auch  Aleister Black meldet sich mit rätselhaftem Video zurück – WWE legt bei SmackDown kurzfristig nach

Jericho akzeptiert auch Fans, die sich von ihm abgewandt haben

Im weiteren Verlauf des Gesprächs setzte sich Jericho ungewöhnlich offen mit den unterschiedlichen Reaktionen auf seine lange Karriere auseinander. Dabei verwendete er einen Fahrstuhl als Vergleich. Fans seien während seiner fast 36 Jahre im Wrestling gewissermaßen auf unterschiedlichen Etagen eingestiegen. Einige verfolgen ihn bereits seit den 1990er-Jahren, andere lernten ihn während seiner großen WWE-Zeit kennen. Wieder andere haben Jericho möglicherweise erst durch AEW entdeckt.

Ebenso akzeptiert er jedoch, dass manche Zuschauer diesen „Fahrstuhl“ zu einem anderen Zeitpunkt verlassen haben und nicht wieder zurückkehren werden. Für Jericho gehört auch das zu einer außergewöhnlich langen Karriere. Seine Laufbahn umfasst inzwischen mehrere Generationen von Wrestling-Fans. Während einige Zuschauer den ersten Elimination Chamber aus dem Jahr 2002 noch als eines ihrer frühen Wrestling-Erlebnisse betrachten, könnten andere am kommenden Sonntag im Wembley-Stadion zum ersten Mal überhaupt eine Wrestling-Show besuchen.

Jericho empfindet diese enorme zeitliche Spannweite als besondere Position. Dass ihn nicht jede Generation auf dieselbe Weise wahrnimmt und manche frühere Anhänger sein heutiges Wrestling nicht mehr verfolgen, scheint ihn dabei nicht zu stören.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*