Booker T hat im aktuellen Hall of Fame-Podcast eine ungewöhnlich offene Analyse der WWE-Personalpolitik geliefert. In gleich zwei zusammenhängenden Aussagereihen ordnet der Hall of Famer die jüngste Entlassungswelle ein, die seit dem 24. April über 30 Talente aus dem WWE-Roster genommen hat.
Roster-Überfüllung als zentrales Argument
Den Ausgangspunkt seiner Argumentation setzte Booker T bei der schieren Größe des aktuellen WWE-Rosters. Mit immer mehr nachrückenden Akteuren aus dem Performance Center und NXT entsteht ein Verdrängungswettbewerb, in dem auch erfahrene Veteranen unter Druck geraten. Aleister Black nannte er dabei als Beispiel, ohne dessen Talent infrage zu stellen: „Es ist nicht so, dass ich an Aleister Black nichts richtig finde. Es ist einfach so, dass wir so viele Leute haben, mit denen wir arbeiten können, gerade jetzt. Es kommen so viele neue Talente nach. Und das müssen die Jungs verstehen. Wenn du kein Megastar bist, nicht in den Top 5 stehst, könntest du ein Problem haben.“
Mit dieser Top-5-Logik liefert Booker einen klaren Maßstab. Wer nicht zur sichtbaren Spitzengruppe der Promotion gehört, ist im aktuellen Marktumfeld stärker gefährdet als in den vergangenen Jahren.
Zehn-Jahres-Marke als kritische Phase
Besonders bemerkenswert ist Bookers Einordnung der Talente, die bereits seit zehn Jahren oder länger im Unternehmen aktiv sind, ohne den Sprung in die Top-Riege geschafft zu haben. Genau diese Konstellation sei für die WWE-Führung der naheliegende Anker für Trennungsentscheidungen: „Wenn Leute schon seit zehn Jahren oder länger dabei sind, aber nicht in den Top 5 stehen, während junge Leute nachkommen, wen glaubst du, werden sie rauswerfen?“
Ticket-Sales als wahrer Maßstab
Aus eigener Karriereerfahrung ergänzte Booker einen wirtschaftlichen Maßstab. Wer dem Unternehmen messbaren Wert bringt, sei es durch Ticketverkäufe, Merchandise oder Storyline-Zugkraft, kann sich auch in schwierigen Phasen halten. Wer keine wirtschaftliche Wirkung erzielt, gerät dagegen in eine deutlich verletzlichere Position. Booker selbst sah sich in seiner aktiven Phase stets als Talent, das Ticketverkäufe direkt mitbeeinflusst hat. Aus seiner Sicht müsse ein Wrestler nicht zwingend riesige Zahlen bewegen. Schon eine kleine, aber spürbare Wirkung reicht oft aus, damit die Unternehmensführung erkennt, dass mit diesem Akteur tatsächlich Geld verdient wird.
Vom Wert zum Auftreten
So nachvollziehbar Bookers wirtschaftliche Argumentation auch ist, sie beantwortet noch nicht die Frage, wie ein Talent diesen Wert überhaupt aufbaut. Genau an diesem Punkt setzt der zweite Strang seiner Analyse an. Aus seiner Sicht braucht es deutlich mehr als reine Ringfähigkeiten, um sich in einem überfüllten Roster zu behaupten. Genauso wichtig seien das visuelle Auftreten und die Frage, ob ein Talent überhaupt wie ein Star wahrgenommen werde. Sein Beispiel dazu lieferte er anhand des kürzlich entlassenen NXT-Akteurs Luca Crucifino.
Der Flughafen-Test als Maßstab
Crucifino, der im Rahmen der NXT-Entlassungswelle vom 24. April aus dem Roster genommen wurde, verfügte laut Booker über die nötige physische Präsenz und das, was im Wrestling-Jargon der Flughafen-Test genannt wird. Der Begriff bezeichnet die Frage, ob eine Person in einer beliebigen öffentlichen Umgebung sofort als bemerkenswert auffällt. Wer diesen Test besteht, hat einen entscheidenden Vorteil im Aufmerksamkeits-Wettbewerb der Branche.
Booker betonte, dass er Crucifino genau dieses Potenzial zugetraut habe. Er habe den passenden Look mitgebracht und auch den Flughafen-Test bestanden. Schon allein, wenn man ihm zufällig in einer Halle begegnet wäre, hätte man sich gefragt, um wen es sich handelt. Mit dieser Anekdote macht Booker deutlich, dass Crucifino auf der visuellen Ebene überzeugt habe.
Outfit-Variation als persönliche Star-Strategie
Trotz dieses Pluspunktes gelang Crucifino aus Bookers Sicht der Sprung nicht. Der Hall of Famer ordnete dies einer fehlenden Möglichkeit zur individuellen Hervorhebung zu. In einer Stable-Konstellation, in der mehrere Akteure gemeinsam auftreten, braucht jedes Mitglied einen klaren visuellen oder erzählerischen Anker, der ihn aus der Gruppe heraushebt. Booker bezweifelte, dass Crucifino in einer Gruppen-Konstellation überhaupt eine echte Chance gehabt habe, sich abzuheben. Genau deshalb müsse jedes Talent etwas tun, um aus der Masse herauszustechen, und das könne durchaus bei der Garderobe beginnen.
Diese Beobachtung passt direkt zu Crucifinos Storyline-Phase, in der er als Mafia-/Anwalts-Charakter Teil einer Gruppierung war, ohne in der Story-Architektur einen eigenen klar definierten Bogen zu erhalten. Mit dem jetzt vollzogenen WWE-Aus stellt sich die Frage, wie er in seiner nächsten Karriere-Phase die individuelle Differenzierung herstellt, die ihm im NXT-Programm gefehlt hat.
Booker erweiterte seine Crucifino-Beobachtung um eine sehr konkrete Empfehlung. Er habe der Gruppierung damals den Hinweis gegeben, ihre Outfits regelmäßig zu wechseln, statt Woche für Woche im gleichen Look aufzutreten. Aus seiner Sicht habe dem Stable nichts grundsätzlich gefehlt, aber genau bei der Garderobe liege ein einfaches Mittel, das den Unterschied zwischen einem austauschbaren Mid-Card-Akteur und einer wahrnehmbaren Star-Persönlichkeit ausmachen kann. Sich visuell aufzuwerten, sei in einem überfüllten Roster ein klarer Vorteil.
Dass Booker selbst in seiner aktiven Karriere genau diesen Ansatz verfolgt habe, untermauerte er mit einer persönlichen Reflexion. Er habe sich in seiner aktiven Phase nie zwei Wochen hintereinander gleich angezogen und sogar seine Stiefel regelmäßig ausgetauscht. Für ihn war das ein wichtiger Teil seiner Star-Inszenierung, denn er musste sich erst selbst wie ein Star fühlen, damit das Publikum ihn auch als solchen wahrnahm.

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