Becky Lynch hat auf mehrere Schlüsselmomente ihrer WWE-Karriere zurückgeblickt und offen über Situationen gesprochen, die ihren späteren Aufstieg geprägt haben. Im „No-Contest Wrestling Podcast“ schilderte sie, welche Erfahrungen ihren Weg an die Spitze beeinflussten.
Becky Lynch erinnert sich kaum an den berühmten Moment mit blutigem Gesicht
Einer der bekanntesten Momente ihrer Karriere ereignete sich am 12. November 2018 bei WWE Raw. Während einer Invasion des damaligen SmackDown-Rosters traf Nia Jax Lynch mit einem Schlag im Gesicht. Lynch erlitt eine schwere Gehirnerschütterung sowie eine Gesichtsverletzung und musste ihr für die Survivor Series geplantes Champion vs. Champion Match gegen Ronda Rousey absagen. Charlotte Flair sprang für sie ein.
Das Bild der blutüberströmten Becky Lynch, die wenig später inmitten der Zuschauer stand und die Arme ausbreitete, entwickelte sich zu einer der prägendsten Aufnahmen ihrer WWE‑Laufbahn. Lynch selbst besitzt von diesem Teil des Abends kaum Erinnerungen. Im Podcast erklärte sie, nur noch einzelne Bruchstücke zu wissen. Das berühmte Auftreten nach dem Treffer sei nicht bewusst geplant gewesen.
Lynch betonte, dass sie keineswegs sarkastisch auf den Unfall zurückblicke. Jax habe sich nach dem Vorfall sehr schlecht gefühlt, doch aus heutiger Sicht hält Lynch den Schlag für eines der besten Dinge, die ihr zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere hätten passieren können. Sie glaubt sogar, dass sie ohne diesen Zwischenfall möglicherweise nicht im Main Event von WrestleMania 35 gelandet wäre.
Wie ernst ihr Zustand damals war, wurde erst später deutlich. Lynch erinnerte sich daran, dass sie während des Segments lediglich wusste, dass sie an ihrer Position bleiben musste, bis ein Produktionslicht erlosch. Danach ging sie backstage und fragte einen WWE-Sicherheitsmitarbeiter, wo sie sei und was vorgefallen sei. Weil ihr Nacken schmerzte und sie den Treffer nicht bewusst wahrgenommen hatte, befürchtete sie sogar eine schwere Nackenverletzung. Später traf sie auf Stephanie McMahon und gab offen zu, dass sie Angst hatte.
Das geplatzte Rousey Match wurde zum Wendepunkt
Sportlich nahm der Abend zunächst eine denkbar schlechte Wendung. Das lange erwartete Match gegen Rousey fiel aus, obwohl Lynch bereits enormen Rückenwind beim Publikum hatte. Genau daraus entwickelte sich jedoch eine Geschichte, die ihre Popularität weiter steigerte. Anfang 2019 gewann sie das Women’s Royal Rumble Match und zog schließlich in den historischen Main Event von WrestleMania 35 ein, in dem erstmals Frauen eine WrestleMania abschlossen.
Dort traf Lynch auf Rousey und Charlotte Flair und gewann sowohl die Raw Women’s Championship als auch die SmackDown Women’s Championship. Für Lynch besteht deshalb rückblickend ein direkter Zusammenhang zwischen dem ungeplanten Zwischenfall mit Jax und dem weiteren Verlauf ihrer Karriere. Der Unfall nahm ihr zunächst ein großes Match, verstärkte jedoch gleichzeitig ihre Rolle als kompromisslose „The Man“.
Nikki Bella sollte laut Lynch ursprünglich Geschichte schreiben
Im selben Interview sprach Lynch auch über einen früheren Moment, bei dem sie sich ebenfalls nicht als erste Wahl von WWE wahrgenommen habe. Bei Backlash 2016 gewann sie die neu eingeführte SmackDown Women’s Championship und wurde damit die erste Titelträgerin in der Geschichte dieser Championship. Nach ihrer heutigen Erinnerung war dieser Ausgang ursprünglich gar nicht vorgesehen.
Lynch erklärte, sie glaube, dass Nikki Bella zunächst für den Titelgewinn eingeplant gewesen sei. Bella war kurz zuvor nach einer schweren Nackenverletzung in den Ring zurückgekehrt. Als WWE die neue Championship präsentierte, habe das Publikum jedoch sehr deutlich auf Lynch reagiert und ihren Namen gerufen. Ihrer Einschätzung nach habe diese Resonanz dazu geführt, dass die Verantwortlichen ihre Richtung noch einmal überdachten und schließlich auf sie setzten.
Wichtig ist, dass Lynch diesen früheren Plan selbst als Erinnerung und Einschätzung schildert. Eine unabhängige Bestätigung liegt bislang nicht vor. Für Lynch passt die Geschichte jedoch zu dem Gefühl, das sie über Jahre begleitet habe: Sie sei regelmäßig nah an einer großen Gelegenheit gewesen, ohne als jene Wrestlerin wahrgenommen zu werden, der WWE dauerhaft die zentrale Rolle anvertrauen wollte.
Die echte Frustration hinter „The Man“
Genau diese Erfahrungen seien später ein entscheidender Treibstoff für ihre Transformation zu „The Man“ gewesen. Lynch erklärte, sie habe es eines Tages sattgehabt, ständig zurückzustecken und darauf zu warten, ausgewählt zu werden. Die Frustration, die Zuschauer 2018 in ihrem Charakter wahrnahmen, sei deshalb keineswegs vollständig gespielt gewesen.
Als sich ihre Gelegenheit schließlich bot, wollte Lynch nicht länger darauf hoffen, dass WWE sie von selbst an die Spitze stellen würde. Sie habe beschlossen, jede Möglichkeit so interessant wie möglich zu gestalten und ihren Anspruch selbst einzufordern. Dieser Ansatz führte zu einem der erfolgreichsten Charakterwechsel der jüngeren WWE-Geschichte, doch Lynch betrachtet heute nicht mehr jede Facette dieser Zeit positiv.
Sie räumte ein, während ihres Aufstiegs Dinge getan und vor allem Aussagen gemacht zu haben, die sie inzwischen bereut. Damals habe sie sich damit gerechtfertigt, dass harte Worte notwendig seien, um Konflikte glaubwürdig zu verkaufen. Heute könne sie anerkennen, dass sie dabei teilweise zu weit gegangen sei. An der grundlegenden Haltung hinter „The Man“ hält sie dennoch fest: Sie wollte nicht mehr darauf warten, dass andere ihren Wert anerkannten, sondern ihren Platz selbst beanspruchen.

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