AJ Lee hat nach ihrer überraschenden Rückkehr zu WWE innerhalb weniger Monate mehr erreicht, als viele nach zehn Jahren Pause für möglich gehalten hätten. Doch hinter dem zweiten Kapitel ihrer Karriere steckt offenbar weit mehr als nur die Freude daran, noch einmal vor großem Publikum im Ring zu stehen.
AJ Lee hält sich weitere WWE-Auftritte offen
Im Podcast „Mind Over Mountain“ mit Cheryl Strayed sprach AJ Lee darüber, wie sie ihre Zukunft im Wrestling inzwischen einschätzt. Nach ihrer Rückkehr hatte die frühere Divas Championesse zunächst angenommen, womöglich nur noch für eine begrenzte Zeit im Ring stehen zu können. Die ersten Matches änderten diese Sicht jedoch deutlich.
AJ erklärte, dass sie schnell gemerkt habe, körperlich noch immer auf hohem Niveau mithalten zu können. Trotzdem wolle sie nicht einfach weitere Matches bestreiten, um ihre Karriere fortzusetzen. Entscheidend sei vielmehr, ob WWE eine Storyline anbietet, die sie wirklich interessiert und ihr etwas ermöglicht, das sie bislang noch nicht gemacht hat. Besonders reizvoll wären für sie Storys, die sich frisch anfühlen oder neues Terrain betreten. Einen konkreten nächsten Auftritt gibt es derzeit nicht. AJ will deshalb weiter schreiben, trainieren und sich bereithalten, falls sich eine passende Gelegenheit ergibt.
Auch hinter den Kulissen scheint eine Rückkehr keineswegs ausgeschlossen zu sein. Wie Fightful Select zuletzt berichtete, gehen Personen aus dem WWE-Umfeld nicht davon aus, dass AJ ihr letztes Match bereits bestritten hat. Spekulationen über eine Beteiligung an der Storyline rund um Paige und die Bella Twins bei SummerSlam wurden hingegen nicht bestätigt.
Warum AJ Lee einer WWE-Rückkehr zunächst skeptisch gegenüberstand
AJ blickte im Interview auch auf die Monate vor ihrem Comeback zurück. Nach ihrem Abschied im Jahr 2015 hatte sie ihre aktive Wrestling-Karriere für abgeschlossen gehalten. Als WWE nach rund zehn Jahren wieder Kontakt aufnahm, war ihre erste Reaktion deshalb keineswegs uneingeschränkte Begeisterung. Sie hatte das Gefühl, eine sehr gute Karriere hinter sich zu haben, und fragte sich, warum sie dieses Kapitel überhaupt noch einmal öffnen sollte. Hinzu kam die Sorge, etwas zu gefährden, das sie sich über Jahre hinweg aufgebaut hatte. AJ erklärte, sie habe lange an sich gearbeitet und schließlich einen Punkt erreicht, an dem sie sich gesund, glücklich und vollständig gefühlt habe.
Gerade deshalb beschäftigte sie die Frage, ob eine erneute WWE-Karriere sie wieder in frühere Muster zurückführen könnte. Die entscheidende Zusicherung sei schließlich gewesen, dass ihre mentale Gesundheit bei einer möglichen Rückkehr höchste Priorität haben werde. Erst dadurch habe sie sich sicher genug gefühlt, den Schritt tatsächlich zu wagen.
AJ Lee nennt auch geschäftliche Gründe für ihr Comeback
Neben den persönlichen Motiven sprach AJ ungewöhnlich offen über die wirtschaftlichen Aspekte ihrer Rückkehr. Aus ihrer Sicht spielte dabei auch die neue Zusammenarbeit zwischen WWE und ESPN eine Rolle. Für den Start dieser Partnerschaft benötigte WWE zusätzliche Reichweite und AJ glaubt, dass das Unternehmen in ihr jemanden sah, der neue Zuschauer mobilisieren konnte. Sie verwies darauf, dass ihre Figur schon während ihres ersten WWE-Engagements starke Zuschauerwerte und hohe Merchandise-Verkäufe erzielt hatte. Noch wichtiger sei die Loyalität ihrer Fanbasis gewesen. Viele Fans hätten sie auch während ihrer Jahre außerhalb des Wrestlings begleitet und ihre anderen Projekte unterstützt.
AJ glaubt deshalb, dass die WWE darauf vertraut hat, dass diese Anhängerschaft auch bei ihrer Rückkehr einschalten würde. Gleichzeitig sei die passende Geschichte vorhanden gewesen. Im September 2025 kehrte sie bei SmackDown in Chicago zurück und stellte sich gemeinsam mit CM Punk gegen Seth Rollins und Becky Lynch. Ihr erstes Match seit mehr als zehn Jahren bestritt sie wenig später bei „Wrestlepalooza”.
Der größte Erfolg ihres ersten WWE-Runs war zugleich ihr Tiefpunkt
Besonders persönlich wurde AJ, als sie über das Ende ihrer ersten WWE-Karriere sprach. Nach außen wirkte diese Phase wie der Höhepunkt ihres bisherigen Weges. Sie war Champion und gehörte zu den bekanntesten Frauen im Unternehmen. Hinter den Kulissen sah die Situation jedoch völlig anders aus. AJ erklärte, dass sich in ihrem letzten Jahr bei WWE körperliche Probleme immer stärker bemerkbar machten. Gleichzeitig habe sie viele emotionale Belastungen nie wirklich verarbeitet. Rückblickend beschrieb sie sich als jungen Menschen, der aus schwierigen Verhältnissen praktisch direkt ins Fernsehen gekommen sei und dabei kaum gelernt habe, auf den eigenen Körper oder die eigene mentale Verfassung zu achten.
Als die Verletzungen zunahmen, konnte sie die Probleme schließlich nicht länger verdrängen. Sobald ihr Körper nicht mehr mitspielte, sei sie gezwungen gewesen, auch auf das zu achten, was innerlich bereits lange nicht mehr in Ordnung gewesen sei. Mehrere Belastungen seien in dieser Zeit gleichzeitig zusammengekommen.
Besonders eindringlich beschrieb AJ den Gegensatz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und ihrer tatsächlichen Verfassung. Von außen habe es so ausgesehen, als hätte sie alles erreicht. Sie war Champion und stand an der Spitze der damaligen Womens Division. Innerlich sei sie jedoch völlig auseinandergefallen. Irgendwann sei es wichtiger geworden, überhaupt gesund genug zu bleiben, um das Erreichte auch genießen zu können.
Fünf Matches, ein Titelgewinn und weiterhin kein endgültiger Abschied
Seit ihrem Comeback bestritt AJ Lee fünf Matches für WWE. Dazu gehörten das Mixed Tag Team Match an der Seite von CM Punk bei Wrestlepalooza, das Women’s WarGames Match sowie ihre Fehde mit Becky Lynch. Im zweiten Kapitel ihrer Karriere gewann AJ außerdem die WWE Women’s Intercontinental Championship.
Ihr bislang letztes Match fand bei WrestleMania 42 statt, wo sie den Titel wieder an Becky Lynch verlor. Schon nach diesem Auftritt machte AJ deutlich, dass sie ihren Fans dieses Mal keinen endgültigen Abschied geben wolle. Bei ihrem ersten Rückzug 2015 hatte sie keine Gelegenheit dazu gehabt.

So schön Comebacks bzw. diese ganzen Teilzeit-Wrestler auch sind, irgendwann wird es nervig.
Kommt zurück, aber bitte nur ein oder höchstens zweimal. Aber irgendwie ist es vorhersehbar und der Moment ist nie mehr derselbe. Rollins macht alle drei Monate eine längere Pause, Roman kommt alle zwei Wochen vorbei.
AJ Lee hatte ihr Comeback, wobei niemand außer AJ gepusht wurde. Ich habe null Interesse, ihr nochmal zuzujubeln. Orton kommt mittlerweile auch alle vier bis fünf Monate einmal zurück.
Die Titelaspiranten sind alle Parttimer. Schöner wäre es, wenn die Veteranen nun dauerhaft durchziehen würden. Sie müssen ja nicht jede Woche in den Ring, aber sie sollten präsent sein und Story um Story erzählen, bis es dann irgendwann vorbei ist.
Ja, mal eine Pause ist okay, aber diese ständigen Returns sind nervig. Es braucht den Mix aus Jung und Alt, aber die Jungen werden nie World Champs.