AEW ist für seine vergleichsweise offene Präsentation und deutlich härtere Sprache bekannt als viele andere Wrestling-Shows im US-Fernsehen. Hinter den Kulissen scheint es dennoch klare Grenzen zu geben, und ein aktueller Moment bei Dynamite hat nun neue Einblicke in den Umgang des Unternehmens mit solchen Verstößen geliefert.
Francesco Akiras Aussage bringt AEWs Geldstrafen wieder ins Gespräch
Auslöser war ein Backstage-Segment bei AEW Dynamite am 16. September. Will Ospreay, Andrade und Francesco Akira sprachen darin über ihre bevorstehende Auseinandersetzung mit den Death Riders. Nachdem Ospreay Akira aufgefordert hatte, sich auf Englisch an ihre Gegner zu wenden, kündigte dieser an, man werde den Death Riders ordentlich „den Hintern versohlen“. Dabei verwendete er allerdings eine deutlich derbere Formulierung. Ospreay reagierte umgehend und erklärte scherzhaft, dass er die dafür fällige Geldstrafe bezahlen werde.
Was zunächst wie eine beiläufige Pointe wirkte, führte im „Wrestling Observer Radio” zu einer interessanten Diskussion. Bryan Alvarez fragte Dave Meltzer, ob AEW seine Talente für derartige Sprache tatsächlich finanziell belangen würde. Meltzer bestätigte daraufhin, dass es solche Strafen bei AEW gibt bzw. bereits in der Vergangenheit gab. Nach seinem Kenntnisstand läge die Höhe bei rund 500 US-Dollar. Bei dieser Summe formulierte Meltzer allerdings deutlich vorsichtiger als bei der grundsätzlichen Aussage, dass entsprechende Geldstrafen existieren.
Ob Francesco Akira für seine Äußerung tatsächlich zur Kasse gebeten wurde, ist bislang nicht bekannt. Auch Ospreays Reaktion könnte ein Insider-Witz gewesen sein, der auf eine reale interne Regelung anspielte.
500 Dollar offenbar kein pauschaler Preis für jedes Schimpfwort
Aus Meltzers Aussage lässt sich nicht ableiten, dass bei AEW jedes einzelne Schimpfwort automatisch mit einer Strafe von 500 US-Dollar belegt wird. AEW verwendet in seinen Shows regelmäßig Kraftausdrücke und präsentiert sich bewusst erwachsener als andere Wrestling-Produkte. Entscheidend dürfte vielmehr sein, welche Begriffe verwendet werden, ob sie zuvor abgesprochen wurden und in welchem Zusammenhang sie im Fernsehen fallen.
Dass die Grenzen nicht immer eindeutig sind, hat bereits ein früherer Fall gezeigt. Saraya hatte 2023 selbst bestätigt, dass sie von AEW mit einer Geldstrafe belegt worden war. Während einer Dynamite-Promo hatte sie die Zuschauer unter anderem als „neck-bea*ded tw*ts” bezeichnet. Später berichtete sie, dass sie nach der Show von Verantwortlichen und der Rechtsabteilung kontaktiert worden sei.
Sarayas frühere Strafe bestätigt, dass AEW tatsächlich durchgreift
Der damalige Vorfall wurde von Fightful als reale Disziplinarmaßnahme und nicht als Bestandteil einer Storyline bestätigt. Saraya erklärte später, dass die Talente zuvor eine Liste mit Ausdrücken erhalten hätten, die im Fernsehen nicht benutzt werden sollten. Ausgerechnet das von ihr verwendete Wort sei darauf jedoch nicht aufgeführt gewesen. Für die Britin sei der Begriff zudem deutlich alltäglicher gewesen, als er von AEW offenbar bewertet wurde.
Bei ihrer Strafe ging es allerdings nicht ausschließlich um das Schimpfwort. Zusätzlich sollen auch eine Mittelfingergeste gegenüber dem Publikum, beleidigende Kommentare über Zuschauer sowie die fehlende vorherige Absprache bestimmter Inhalte beanstandet worden sein.
Fightful berichtete damals außerdem, dass AEW nach dem Vorfall eine interne Nachricht an die Talente verschickte. Demnach sollten die Einnahmen aus Sarayas Strafe Projekten von AEW Together zugutekommen. Der Fall zeigt somit auch, dass die aktuell genannten 500 US-Dollar nicht als allgemeingültiger Tarif für jedes Schimpfwort verstanden werden sollten. Die Umstände eines Verstoßes können offenbar eine entscheidende Rolle spielen.
AEW versucht seit Jahren, bei der Sprache Grenzen zu ziehen
Die Diskussion über die Wortwahl in AEW-Shows reicht noch weiter zurück. Bereits 2022 kamen Berichte auf, wonach Warner Bros. Discovery eine zurückhaltendere Sprache im Fernsehen wünsche. Tony Khan stellte damals klar, dass AEW keine direkte Anweisung des TV-Partners erhalten habe, die Sprache generell zu entschärfen. Bei einem Talent-Meeting sei allerdings darauf hingewiesen worden, dass Wrestler nicht eigenmächtig Dinge sagen oder tun sollten, die Schwierigkeiten mit den Sendern verursachen könnten.
Auch Jim Ross äußerte damals die Erwartung, dass AEW bei besonders kontroverser Sprache künftig vorsichtiger agieren werde. Darüber hinaus sind Geldstrafen als Disziplinarmaßnahme bei AEW kein unbekanntes Instrument. In späteren Berichten über den Disziplinarausschuss des Unternehmens wurde bekannt, dass finanzielle Sanktionen auch bei anderen Verstößen, wie problematischem Verhalten in den sozialen Netzwerken, verhängt werden können.

Ist halt typisch WW… äh…