Neue Gerichtsunterlagen zur Entstehung der TKO Group Holdings bringen weitere Details über den Verkauf der WWE an die Öffentlichkeit. Während Endeavor-CEO Ari Emanuel Vince McMahon offenbar juristische Unterstützung zusicherte, versuchte Stephanie McMahon intern, ihren Vater von einem Verkauf der WWE abzubringen.
Stephanie McMahon wollte den Verkauf verhindern
Aus den Unterlagen der Aktionärsklage geht hervor, dass Stephanie McMahon beim entscheidenden Treffen im Dezember 2022 im New Yorker Luxushotel The Mark versucht haben soll, ihren Vater von einem Verkauf der WWE abzuhalten.
Nick Khan, der damals gemeinsam mit Stephanie McMahon als Co-CEO die WWE leitete, schilderte den Ablauf des Treffens in seiner Aussage unter Eid. Demnach riet Stephanie ihrem Vater zunächst davon ab, als CEO zurückzukehren. Zu diesem Zeitpunkt sei noch unklar gewesen, welche Rolle Vince McMahon künftig überhaupt übernehmen wollte.
Außerdem habe sie deutlich gemacht, dass ein Verkauf des Unternehmens aus ihrer Sicht keinen Sinn ergebe, wenn Vince McMahon ohnehin eine Rückkehr zur WWE plane. Mit ihrer Argumentation konnte sie ihn jedoch nicht umstimmen.
Vince McMahon hatte seine Entscheidung offenbar bereits getroffen
Nur wenige Stunden nach dem Treffen hinterließ Vince McMahon eine Sprachnachricht für Jeff Sine von der Investmentbank The Raine Group, die den Verkaufsprozess der WWE begleitete.
Darin erklärte McMahon, dass das Treffen mit Ari Emanuel und dessen Team sehr positiv verlaufen sei. Er habe den Eindruck, dass eine Zusammenarbeit mit Endeavor viele Probleme lösen und sich schneller sowie einfacher umsetzen lasse als andere Möglichkeiten.
Eine endgültige Zusage hatte McMahon zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht gegeben, seine bevorzugte Richtung schien jedoch bereits festzustehen.
Wenige Wochen später kehrte Vince McMahon in den WWE-Vorstand zurück. Kurz darauf trat Stephanie McMahon von ihrem Posten zurück.
Auch Liberty Media war im Rennen
Eine weitere veröffentlichte Sprachnachricht zeigt, wie eng Vince McMahon und Ari Emanuel während der Verkaufsverhandlungen bereits im Austausch standen.
Nachdem Liberty Media ein Angebot abgegeben hatte, das Medienberichten zufolge nahe an McMahons angestrebtem Verkaufspreis von rund neun Milliarden US-Dollar lag, kontaktierte McMahon umgehend Jeff Sine.
Er wollte sicherstellen, dass Ari Emanuel möglichst schnell von diesem Konkurrenzangebot erfährt und zwar direkt über ihn oder Sine. Nach Einschätzung der Kläger deutet dies darauf hin, dass McMahon das Angebot von Liberty Media eher als Druckmittel gegenüber Endeavor nutzte und nicht als gleichwertige Alternative betrachtete.
Ari Emanuel sicherte McMahon Unterstützung zu
Bereits im September 2022 hatte Ari Emanuel Vince McMahon zwei Sprachnachrichten hinterlassen, die inzwischen ebenfalls veröffentlicht wurden – siehe hier.
Darin sprach Emanuel über seine Kontakte zur Anwaltskanzlei Latham & Watkins sowie deren Verbindungen zum US-Justizministerium. Außerdem spielte er die damaligen Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC gegen McMahon herunter und stellte ihm finanzielle Unterstützung in Aussicht.
In einer weiteren Nachricht schlug Emanuel ein persönliches Treffen vor, um die offenen rechtlichen Fragen zu besprechen. Dabei erklärte er, dass es Möglichkeiten gebe, die Situation zu lösen.
Später bestritt Emanuel unter Eid, McMahon jemals tatsächlich eine finanzielle Absicherung zugesagt zu haben. Der zuständige Richter J. Travis Laster erklärte jedoch, dass er davon ausgehe, dass Emanuels Angebot McMahons Entscheidungen während der Verkaufsverhandlungen beeinflusst habe.
Vergleich verhinderte den Prozess
Der Prozess vor dem Delaware Court of Chancery, der ursprünglich am 8. Juni 2026 beginnen sollte, fand letztlich nicht statt. Beide Seiten einigten sich kurz vor Prozessbeginn auf einen Vergleich. Über dessen Inhalt ist bislang nichts bekannt.
Die Fusion von WWE und UFC wurde am 3. April 2023 offiziell bekannt gegeben und führte zur Gründung der TKO Group Holdings.
Vince McMahon übernahm zunächst den Posten des Executive Chairman, trat jedoch im Januar 2024 nach der Klage der ehemaligen WWE-Mitarbeiterin Janel Grant zurück. Sie wirft ihm unter anderem Menschenhandel und sexuellen Missbrauch vor. McMahon weist sämtliche Vorwürfe zurück.

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