Seit Monaten wird darüber spekuliert, ob WWE irgendwann TNA Wrestling übernehmen könnte. Obwohl beide Unternehmen inzwischen eng zusammenarbeiten, sprechen aktuelle Informationen dagegen, dass eine komplette Übernahme kurz bevorsteht.
Der Hauptgrund sollen die finanziellen Verpflichtungen von TNA-Mutterkonzern Anthem sein. Zudem gibt es weitere Faktoren, die einen Kauf aus Sicht der WWE derzeit wenig attraktiv erscheinen lassen.
Anthems Schulden schrecken potenzielle Käufer ab
Sportjournalist Blake Avignon berichtet unter Berufung auf mehrere WWE-nahe Quellen, dass vor allem die Schulden von Anthem ein zentrales Hindernis für eine mögliche Übernahme darstellen. Nach Angaben der Quellen würde WWE mit einem Kauf nicht nur TNA selbst übernehmen, sondern auch erhebliche finanzielle Verpflichtungen, die in den Büchern des Mutterkonzerns stehen.
Aus Sicht der WWE wäre ein solcher Schritt derzeit nur schwer zu rechtfertigen. Das Unternehmen verfügt bereits über eine internationale Reichweite, TV-Präsenz und einen umfangreichen Talentpool. Viele der Vorteile, die TNA theoretisch bieten könnte, besitzt WWE jedoch bereits selbst.
Daher erscheint es für WWE wirtschaftlich sinnvoller, einzelne Talente zu verpflichten oder bestimmte Inhalte wie das TNA-Archiv zu lizenzieren, anstatt das gesamte Unternehmen samt Schuldenpaket zu übernehmen.
Hinzu kommt ein weiteres interessantes Detail. Laut Avignon enthält die aktuelle Kooperationsvereinbarung zwischen WWE und TNA eine Kündigungsklausel, die es WWE erlaubt, die Partnerschaft mit einer Frist von 60 Tagen zu beenden. Dadurch kann WWE die Zusammenarbeit jederzeit ohne größere Konsequenzen beenden. Dies unterstreicht die starke Verhandlungsposition der WWE innerhalb der Partnerschaft.
Anthem soll zwischen 30 und 50 Millionen Dollar verlangen
Avignon nannte außerdem erstmals konkrete Zahlen zu einem möglichen Verkaufspreis. Demnach soll Anthem-Präsident Len Asper einen Mindestpreis von rund 30 Millionen US-Dollar für TNA festgelegt haben.
Bevorzugt würde Anthem allerdings offenbar einen deutlich höheren Betrag erzielen. Nach Angaben von Avignon liegt die gewünschte Verkaufssumme zwischen 40 und 50 Millionen US-Dollar.
Die hohe Preisvorstellung hängt laut dem Bericht auch damit zusammen, dass ein Käufer die bestehenden finanziellen Verpflichtungen übernehmen müsste. Diese Belastungen würden in die Bewertung des Unternehmens einfließen.
Zum Vergleich: Im Jahr 2024 soll eine Investorengruppe um den früheren TNA-Präsidenten Scott D’Amore rund zehn Millionen US-Dollar für das Unternehmen geboten haben. In diesem Angebot war die Übernahme bestehender Schulden bereits enthalten. Die aktuelle Preisvorstellung von Anthem liegt damit deutlich über diesem Wert.
Auch der TV-Vertrag mit AMC sorgt für Komplikationen
Neben den Schulden gilt auch der bestehende TV-Vertrag mit dem US-TV Sender AMC als möglicher Stolperstein. Der Vertrag enthält garantierte Zahlungen sowie zusätzliche Optionsjahre, was den Wert von TNA grundsätzlich erhöhen kann.
Allerdings besitzt AMC bei zukünftigen Verhandlungen über die Medienrechte ein sogenanntes Vorzugsrecht. Das bedeutet, dass AMC bei bestimmten Entscheidungen zuerst die Möglichkeit erhält, ein Angebot abzugeben oder bestehende Vereinbarungen fortzuführen.
Für WWE würde das bedeuten, dass man TNA zwar erwerben könnte, gleichzeitig aber nicht die vollständige Kontrolle über die Fernsehverträge hätte. Genau dieser Umstand soll aus Sicht der WWE ein weiterer Grund sein, warum eine Übernahme aktuell wenig attraktiv erscheint.
Dave Meltzer bestätigt Kaufoption, sieht aber keine Garantie für einen Deal
Neue Spekulationen über einen möglichen Verkauf wurden zuletzt durch Aussagen von Dave Meltzer ausgelöst. Im Wrestling Observer Radio erklärte er, dass die Vereinbarung zwischen WWE und TNA eine Kaufoption enthalten soll. Diese würde WWE das Recht einräumen, TNA zu einem vorher festgelegten Preis zu erwerben.
Meltzer stellte jedoch klar, dass eine solche Option keineswegs bedeutet, dass WWE tatsächlich einen Kauf plant. Sie verschafft dem Unternehmen lediglich die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt aktiv zu werden.
Als Beispiel verwies Meltzer auf frühere Vereinbarungen mit mehreren britischen Wrestling-Promotions. Auch dort habe WWE vergleichbare Kaufoptionen besessen, diese letztlich aber nie genutzt.
Falls WWE jemals ernsthaft über eine Übernahme nachdenken sollte, würde eine solche Entscheidung laut Meltzer letztlich auf höchster Unternehmensebene getroffen werden, insbesondere durch WWE-Präsident Nick Khan.
TNA-Star Matt Hardy äußerte sich ebenfalls zu den Spekulationen und widersprach der Darstellung, dass TNA vor finanziellen Problemen stehe oder kurz vor einem Notverkauf sei – wir berichteten.

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