Zu wenig Austausch bei WWE: Corey Graves fordert bessere Vorbereitung vor Matches

Corey Graves ist mit schwarzem Headset und Mikrofon in einer hellen Nahaufnahme am Kommentatorenpult zu sehen und blickt mit konzentriertem Ausdruck leicht zur Seite

Corey Graves hat einen Blick hinter die Kulissen des WWE-Kommentatorenalltags gegeben und dabei einen Punkt angesprochen, der seiner Meinung nach oft unterschätzt wird. Schon wenige Minuten vor einem Match können demnach einen großen Unterschied für die gesamte Präsentation machen.

Natalya bereitet Corey Graves gezielt auf ihre Matches vor

Bei „Busted Open Radio“ sprach Graves gemeinsam mit Natalya über die Zusammenarbeit zwischen Wrestlern und Kommentatoren. Natalya erklärte, dass sie vor ihren Matches persönlich auf ihn zugehe und ihm schildere, welche Punkte ihrer Geschichte besonders wichtig seien. Für Graves ist diese Form der Vorbereitung außerordentlich wertvoll, weil sie ihm vermittelt, was das Publikum aus dem Match mitnehmen soll.

Dabei gehe es nicht darum, dem Kommentator jeden einzelnen Griff oder den vollständigen Ablauf zu verraten. Graves müsse keine Liste aller geplanten Aktionen kennen. Viel wichtiger seien das Ziel des Matches, die Motivation der Beteiligten, entscheidende Wendepunkte und die Botschaft, die durch das Geschehen im Ring transportiert werden soll. Mit diesen Angaben könne er die Storyline in seinen eigenen Worten aufgreifen und im richtigen Moment verstärken.

Zu wenige WWE-Talente suchen vor ihren Matches das Gespräch

Graves verband sein Lob für Natalya mit deutlicher Kritik am übrigen Roster. Nach seiner Beobachtung nutzte nur ein kleiner Teil der WWE-Talente regelmäßig die Möglichkeit, sich vor einem Match mit den Kommentatoren abzustimmen. Viele Wrestler gingen offenbar davon aus, dass das Team am Pult die vorgesehenen Inhalte bereits kenne oder die entscheidenden Punkte während der Liveübertragung von allein erkennen werde.

Graves ist der Ansicht, dass die Talente damit eine wichtige Gelegenheit verschenken. Wenn ein Wrestler möchte, dass ein bestimmtes Motiv, eine Verletzung, eine persönliche Entwicklung oder ein strategischer Gedanke hervorgehoben wird, sollte er diese Information vorab weitergeben. Nur dann kann der Kommentar gezielt helfen, wenn das Team weiß, welche Aussage hinter einem Abschnitt des Matches steckt. Graves‘ Kritik richtet sich somit nicht gegen fehlendes Talent, sondern gegen eine unzureichende Kommunikation, die die eigene Darstellung schwächen kann.

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Cena, Styles und Reigns zeigen den richtigen Umgang

Als positive Beispiele nannte Graves John Cena, AJ Styles und Roman Reigns. Alle drei hätten ihn vor Matches, die er kommentierte, zuverlässig aufgesucht. Für ihn ist es kein Zufall, dass gerade etablierte Topstars großen Wert auf diese Abstimmung legen. Sie verstünden, dass ein Match nicht allein durch die Aktionen im Ring erzählt werde, sondern auch durch die Informationen, die das Publikum über den Kommentar erhalte.

Diese Vorbereitung ermögliche es Graves und seinen Kollegen, zentrale Momente klarer einzuordnen. Die Kommentatoren könnten erklären, weshalb eine Aktion gerade jetzt wichtig sei, eine frühere Entwicklung aufgreifen oder den emotionalen Einsatz einer Begegnung unterstreichen. So entsteht eine gemeinsame Erzählung, bei der Wrestler und Kommentatoren auf dasselbe Ziel hinarbeiten.

Bei Pannen wird der Kommentar zur letzten Verteidigungslinie

Besonders wertvoll werde die vorherige Absprache, wenn ein geplanter Ablauf im Ring nicht funktioniere. Ein Fehler, eine misslungene Aktion oder eine kurzfristige Improvisation könne die vorgesehene Storyline unverständlich machen. Kenne der Kommentator jedoch die eigentliche Richtung, könne er die Zuschauer sprachlich wieder dorthin führen. Graves bezeichnete das Team am Pult deshalb als letzte Verteidigungslinie zwischen dem Geschehen und dem Publikum.

Ein verpatzter Moment lasse sich durch Worte zwar nicht ungeschehen machen. Der Kommentar könne aber erklären, warum sich ein Wrestler anders verhalte als erwartet, einen improvisierten Ablauf in den größeren Zusammenhang einordnen oder die Aufmerksamkeit auf das ursprüngliche Ziel der Szene lenken. Ohne Informationen über die beabsichtigte Geschichte sei diese Hilfe erheblich schwieriger. Dann müssten die Kommentatoren in Echtzeit erraten, ob eine Abweichung geplant war oder durch ein Problem entstand.

3 Kommentare

  1. Genau, so sehe ich das auch. Null Improvisierung als wäre man am Filmset.. Ist das wirklich der neue Standard oder seit wann wird das so empfohlen?

    • Man improvisiert beim Wrestling nicht (oder kaum). Deshalb gibt es ja auch einen Producer. Deshalb gibt es Verletzungen, weil ein Wrestler nicht dort stand, wo er stehen sollte. Deshalb ist es ein Problem, wenn sich z.b eine Jade Cargill keinen Matchablauf merken konnte. Außerdem sind viele Wrestler gar nicht dazu in der Lage ein Match zu improvisieren. Ich hab gerade einen Artikel über Lex Luger gelesen, der als Rookie ein 60 Minuten Match machen sollte, aber nicht wusste was ein Sunset Flip ist. Trotzdem hat Ihn Ric Flair durch das Match getragen. Cena, Styles und Reigns würden das können. Aber wenn ich jetzt an das Match Oba Femi vs. Omos bei AAA denke, möchte ich die mal improvisieren sehen. Oder besser nicht…

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