WWE-Drehbücher: Court Bauer erkennt alte Muster – Mansoor schildert McMahons Vorgaben

Vince McMahon im Anzug vor einer WWE-Arena mit großem WWE-Logo. Im Vordergrund sind ein Klemmbrett mit der Aufschrift „WWE Creative Script“ und eine Hand mit rotem Stift zu sehen.

Wie entstehen die Drehbücher für WWE-Shows, und welche Abläufe bestimmen die Arbeit hinter den Kulissen? Der frühere WWE-Writer Court Bauer und Ex-WWE-Wrestler Mansoor gaben in zwei aktuellen Gesprächen Einblicke in ihre Erfahrungen und schilderten, wie sie die internen Arbeitsweisen des Unternehmens erlebt hatten.

Court Bauer erkannte das alte WWE Raw-Format wieder

MLW-Chef Court Bauer sprach bei „Wrestling Observer Radio“ mit Dave Meltzer über die Entwicklung des Wrestling-Fernsehens. Dabei berichtete er von einem kürzlich öffentlich gewordenen Raw-Drehbuch, dessen Aufbau ihm aus seiner eigenen Zeit im WWE-Kreativteam bekannt vorkam.

Das Format des Ablaufplans sei identisch mit dem gewesen, das er während seiner Tätigkeit für die WWE kennengelernt hatte. Bauer bezog sich dabei auf die Produktionsübersicht, mit der die einzelnen Bestandteile der Show organisiert werden. Meltzer erinnerte im Gespräch daran, dass Bauers damalige Arbeit für das Unternehmen inzwischen rund zwei Jahrzehnte zurückliegt.

Bauer ordnete seine Beobachtung in eine grundsätzliche Einschätzung ein. Das Format des Wrestling-Fernsehens habe sich aus seiner Sicht kaum verändert. Diesen Punkt spreche er häufiger an. Der Vergleich mit dem neueren Raw-Dokument sei für ihn ein Beispiel dafür gewesen, wie vertraut die Struktur noch immer wirke.

Meltzer verwies auf Eric Bischoffs Einfluss

Ausgangspunkt des Gesprächs war Eric Bischoffs Rolle bei der Entwicklung moderner Wrestling-Shows. Meltzer vertrat die Auffassung, Bischoff hätte während der Zeit von WCW Monday Nitro wesentlich dazu beigetragen, ein bis heute verwendetes TV-Format zu etablieren.

Er beschrieb den Wandel von Shows, die überwiegend aus kurzen, einseitigen Matches bestanden, hin zu wöchentlichen Shows mit bedeutenden Storylines und stärker umkämpften Begegnungen. Dieses Modell sei für die spätere Gestaltung des Wrestling-Fernsehens prägend gewesen.

Bauer stimmte der Einschätzung zur Beständigkeit dieser Grundstruktur zu. Im weiteren Gespräch stellte er den Bezug zu seinen eigenen Erfahrungen als WWE-Writer und dem neueren Raw-Ablaufplan her.

Mansoor nimmt die damaligen WWE-Writer in Schutz

In einem anderen Interview sprach Mansoor über die Arbeit unter Vince McMahon. Bei „Self-Made Sitdown“ erinnerte er sich an einen Backstage-Alltag, in dem selbst dann etwas los gewesen sei, wenn er keinen Auftritt in der jeweiligen Show hatte. Hinter den Kulissen hätten sich ständig neue Probleme oder Auseinandersetzungen ergeben.

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Besonders viel Verständnis zeigte er für die Writer. Deren Lage verglich er zugespitzt mit einer „Geiselnahme“. Sie hätten zwischen den Vorgaben ihres Chefs und den Reaktionen der Wrestler gestanden, denen sie die fertigen Texte überreichen mussten.

Mansoor beschrieb scherzhaft, wie sehr sich die Writer mitunter eine unkomplizierte Reaktion gewünscht hätten. Die Wrestler sollten das Skript einfach entgegennehmen und zustimmen, damit niemand zu McMahon zurückkehren und ihm erklären muss, dass sein Vorschlag nicht gut angekommen ist.

Vor allem die Kritik der Fans am Kreativteam im Jahr 2019 hielt Mansoor rückblickend für falsch adressiert. Er bezeichnete diese Phase unter McMahon als einen Tiefpunkt und erinnerte daran, dass häufig den Writern mangelnde Fähigkeiten vorgeworfen worden seien. Nach seiner Darstellung stammten die beanstandeten Ideen jedoch keineswegs automatisch von ihnen.

Mansoor erklärte die Bedeutung markierter Drehbuchstellen

Die Aufgabe der Writer beschrieb Mansoor vor allem als das Ausformulieren von Dialogen, die McMahon nicht selbst schreiben wollte. Eigene Vorschläge seien zwar möglich gewesen. Zugleich hätten die Mitarbeiter darauf geachtet, ihre Arbeitsplätze zu behalten, statt bestimmte Entscheidungen ihres Vorgesetzten infrage zu stellen.

Für die Wrestler sei im Skript erkennbar gewesen, welche Vorgaben unmittelbar von McMahon stammten. Hervorgehobene Passagen hätten nach Mansoors Erinnerung nicht verändert werden dürfen. Dabei konnte es sich um Einzelheiten handeln, auf die McMahon an diesem Tag besonderen Wert legte.

Als Beispiel erzählte Mansoor eine Geschichte über Sami Zayn. Dieser sei in einen Raum gekommen, um mit McMahon über ein Match zu sprechen. McMahon habe sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit jemand anderem unterhalten und Zayn auf die Unterbrechung hingewiesen.

Eine Begegnung mit Sami Zayn landete laut Mansoor im Skript

Zayn wollte sein Anliegen nach Mansoors Schilderung trotzdem noch kurz vorbringen. McMahon ließ sich darauf jedoch nicht ein und forderte ihn auf, den Raum zu verlassen. Zayn sei dieser Aufforderung schließlich nachgekommen.

Später sei für eine Promo eine hervorgehobene Passage im Skript aufgetaucht, die Mansoor mit dieser Begegnung in Verbindung brachte. Dieses Mal habe es sich um eine Regieanweisung gehandelt: Sami sollte ein Interview „wie ein unhöflicher Bastard“ unterbrechen.

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Mansoor betonte, McMahon sei offenbar wichtig gewesen, genau diese Beschreibung im Skript festzuhalten. Die auffällige Markierung ordnete er derselben Regel zu, die er zuvor erläutert hatte: Solche Vorgaben seien direkt von McMahon gekommen und für die Beteiligten verbindlich gewesen.

Mansoor sprach über Sicherheitsbedenken bei Crown Jewel

In einem separaten Interview mit Shounak Chakrabarti für F4WOnline äußerte sich Mansoor außerdem zu den Sicherheitsbedenken rund um WWE Crown Jewel in Saudi-Arabien. Die Angriffe in seiner Heimat beschäftigten ihn auch persönlich. Er erklärte, er müsse sich deshalb häufig vergewissern, dass es seiner Familie gut gehe. Das Gespräch wurde vor der Bekanntgabe aufgezeichnet, dass WWE die Veranstaltung in eine Halle verlegt.

Mansoor verwies auf den wirtschaftlichen Druck innerhalb eines börsennotierten Unternehmens. WWE müsse bestimmte Einnahmen erzielen, andernfalls könnten Arbeitsplätze gefährdet sein. Schon bei hohen Einnahmen komme es zu Entlassungen. Deshalb befürchte er bei ausbleibenden Erlösen weitere Folgen für die Beschäftigten.

Gleichzeitig brachte er eine mögliche Alternative ins Spiel: Vielleicht lasse sich eine Vereinbarung treffen, nach der WWE im folgenden Jahr eine zusätzliche Veranstaltung ausrichte, sobald sich die Lage beruhigt hätte.

Auch die Situation der Wrestler beschäftigte Mansoor. Ihre berufliche Zukunft liege weitgehend in den Händen ihrer Arbeitgeber, während sie mit dem Wrestling ihre Familien versorgten. Einen solchen Auftritt abzulehnen, sei deshalb schwieriger, als manche Fans annähmen. Er hoffe, dass sich die Lage entspanne und niemand zu Schaden komme.

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