George Barrios blickte in der Podcast-Ausgabe von „My World with Jeff Jarrett“ auf wichtige Entscheidungen während seiner Zeit in der WWE-Führung zurück. Mit Jeff Jarrett und Conrad Thompson sprach der frühere Co-Präsident über Saudi-Arabien, eine Flugverspätung und das WWE Network.
Wie sich die Verhandlungen mit Saudi-Arabien entwickelten
Laut Barrios betrachtete die WWE Saudi-Arabien anfangs als einen von mehreren internationalen Märkten, in denen größere Veranstaltungen möglich waren. Während der Gespräche in den Jahren 2017 und 2018 habe sich jedoch abgezeichnet, dass die Zusammenarbeit weit über einzelne Shows hinausgehen könnte. So sei aus einzelnen Veranstaltungen die Aussicht auf eine strategische Partnerschaft für den Nahen Osten entstanden.
WWE habe sich in diesem Zusammenhang auch mit dem saudischen Reformprogramm Vision 2030 beschäftigt. Die Verhandlungen beschrieb Barrios als komplex. Über eine Geschäftstätigkeit dort hat es intern zunächst kaum Meinungsverschiedenheiten gegeben.
Warum Vince McMahon die Zukunft von WWE gefährdet sah
Die Situation veränderte sich laut Barrios nach dem Verschwinden des Journalisten Jamal Khashoggi. Ein damals verhandelter Vertrag habe kurz vor der Unterzeichnung gestanden. Gleichzeitig hätten andere Unternehmen ihre geschäftlichen Beziehungen zu Saudi-Arabien überprüft. Deshalb seien Barrios, Michelle Wilson und Vince McMahon mehrfach zu vertraulichen Besprechungen zusammengekommen.
Dabei hat McMahon eindringlich vor den möglichen Folgen einer Vertragsunterzeichnung gewarnt. Er befürchtete, dass die WWE damit das gesamte Unternehmen gefährden könnte. Barrios zeigte sich von dieser Einschätzung überrascht. McMahon sah insbesondere die Gefahr, dass die Entscheidung den wirtschaftlichen Erfolg und das Ansehen von WWE nachhaltig beschädigen könnte.
Das Unternehmen erlebte damals eine erfolgreiche Phase. So sei unter anderem bereits der umfangreiche Fernsehvertrag mit Fox abgeschlossen gewesen. McMahon äußerte deshalb die Sorge, dass eine falsche Entscheidung vieles von dem zunichtemachen könnte, was die Verantwortlichen zuvor aufgebaut hatten.
Anschließend seien verschiedene Vorgehensweisen durchgespielt worden. Barrios beschrieb ausführliche Szenarien, mit denen die Führungsebene sowohl finanzielle Auswirkungen als auch mögliche Schäden für den Ruf des Unternehmens bewertet habe. Am Ende sei die Entscheidung gefallen, die Zusammenarbeit fortzusetzen.
Die Umsetzung sei dennoch mit Unbehagen verbunden gewesen. Als der Vertrag schließlich in Riad unterschrieben werden sollte, habe sich angesichts der damaligen Erkenntnisse und Berichte über Khashoggis Verschwinden niemand besonders darum gerissen, die Reise zur Unterzeichnung zu übernehmen.
Wie Barrios die verzögerte Abreise nach Crown Jewel 2019 einordnete
Im weiteren Verlauf des Podcasts fragte Conrad Thompson nach der verzögerten Abreise zahlreicher WWE-Wrestler und Mitarbeiter nach Crown Jewel 2019. Das Ereignis hatte damals unterschiedliche Spekulationen über die Gründe für den Aufenthalt in Saudi-Arabien ausgelöst. Barrios vertrat die Auffassung, dass die Geschichte in Teilen übertrieben dargestellt worden sei.
Zur Erklärung verwies er auf einen anderen Vorfall aus seiner Zeit bei der WWE. In einem Land, dessen Namen er nicht nennen wollte, habe sich die Abreise eines Flugzeugs verzögert. Grund dafür war eine neu eingeführte Flughafengebühr, für die eine erhebliche Summe verlangt wurde. Da die Angelegenheit ungelöst geblieben war, habe man schließlich ihn eingeschaltet.
Barrios schilderte, wie sich eine solche Situation unterschiedlich interpretieren lasse. Die Forderung nach einer hohen Zahlung könne von außen wie der Versuch wirken, ein Unternehmen an der Ausreise zu hindern. Aus seiner Sicht habe es sich in diesem konkreten Fall aber um eine vorgeschriebene Gebühr gehandelt. Deshalb habe er angewiesen, den Betrag zu bezahlen, damit die Beteiligten nach Hause fliegen konnten.
Auch den Foreign Corrupt Practices Act, das US-Gesetz gegen Bestechung im Ausland, erwähnte er in diesem Zusammenhang. Nach seiner Darstellung sei die Zahlung zulässig gewesen, weil die Gebühr gesetzlich vorgeschrieben gewesen sei.
Barrios betonte allerdings, dass er damit keine direkte Verbindung zum Zwischenfall in Saudi-Arabien herstellen wollte. Was dort im Einzelnen geschehen sei, wisse er nicht genau. Er könne lediglich festhalten, dass es damals eine Verzögerung gegeben habe und die Betroffenen anschließend ausgereist seien.
Warum McMahon am Erfolg zusätzlicher Wrestling-Inhalte zweifelte
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Einführung des WWE Network. Barrios erläuterte, wie die WWE ihr bisheriges Pay-per-View-Geschäft verändern wollte. Anstatt wie bisher einzelne Großveranstaltungen für rund 50 Dollar über Kabelanbieter zu verkaufen und die Einnahmen mit diesen zu teilen, bot das Unternehmen ein eigenes Abonnement für etwa zehn Dollar im Monat an.
So konnte die WWE ihre Inhalte direkt vermarkten. Gleichzeitig wurde nach Möglichkeiten gesucht, den Dienst auch zwischen den großen Veranstaltungen attraktiv zu halten. Zu diesem Zweck wurde das umfangreiche WWE-Archiv digitalisiert und über die neue Plattform verfügbar gemacht.
McMahon habe vor dem Start allerdings bezweifelt, dass die Zuschauer tatsächlich so viel zusätzliches Wrestling sehen wollten. Nach Barrios’ Erinnerung habe er unverblümt gefragt, wie viele Stunden Wrestling ein einzelner Fan überhaupt konsumieren könne. Hinter dieser Frage habe die Unsicherheit gestanden, ob sich der Aufwand für die große Menge an Archivmaterial lohnen würde.
Welche Nutzungszahlen McMahon schließlich überzeugten
Erst nach dem Start des WWE Network konnte das Unternehmen detailliert auswerten, welche Inhalte seine Abonnenten tatsächlich nutzten. Die Ergebnisse haben Barrios insbesondere beim Archivmaterial überrascht: Auch außerhalb der großen Pay-per-View-Veranstaltungen verbrachten die Zuschauer sehr viel Zeit auf der Plattform.
Bei einer späteren Besprechung erinnerte Barrios McMahon anhand verschiedener Diagramme an dessen ursprüngliche Zweifel. Die Zahlen hätten gezeigt, dass das Interesse an zusätzlichen Wrestling-Inhalten wesentlich größer war als von McMahon zunächst angenommen.
Barrios erzählte, dass er sich bei dieser Gelegenheit einen kleinen Scherz auf Kosten seines damaligen Chefs erlaubt habe. McMahon habe mit einem leisen Lachen reagiert und damit aus Barrios‘ Sicht erkennen lassen, dass er den Punkt akzeptierte. Für Barrios hat McMahon damit anerkannt, dass er das Zuschauerinteresse unterschätzt hat.
McMahon ist ein Veranstalter der alten Schule. Die menschlichen Schwierigkeiten sind eine Seite der Medallie, Instinkt für die geschäftliche und kreative Unternehmensführung die andere. Das Unternehmen war sein Baby und das merkt man hier auch wieder deutlich. 2024 sah es so aus, als würde der frische Wind dem Laden gut tun. Mittlerweile ist klar, dass da jetzt noch rücksichtslosere Gestalten sitzen – wirtschaftlich jedenfalls – die kein Problem damit haben WWE für den kurzfristigen Profit auszuschlachten und runterzuwirtschaften.