Professional Wrestling hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend verändert. Während frühere Generationen großen Wert darauf legten, die Illusion eines legitimen sportlichen Wettbewerbs aufrechtzuerhalten, sieht Triple H die Glaubwürdigkeit der Branche heute an einer ganz anderen Stelle.
Im Gespräch mit „Busted Open Radio“ erläuterte der WWE Chief Content Officer, warum sich das Wrestling seiner Ansicht nach nicht länger mit klassischen Sportarten vergleichen oder seine inszenierte Natur verbergen müsse.
Für Triple H schmälert das Wissen um Storylines und vorab geplante Abläufe keineswegs die Leistung der Wrestler. Entscheidend sei vielmehr, was die Beteiligten körperlich und emotional investieren und wie überzeugend sie ihre Geschichten im Ring vermitteln.
Frühere Generationen verteidigten die Illusion mit allen Mitteln
Triple H erinnerte daran, dass Wrestler früher unter völlig anderen Voraussetzungen gearbeitet hätten. Seine Vorgänger hätten teilweise buchstäblich darum kämpfen müssen, Außenstehende davon zu überzeugen, dass Professional Wrestling ein echter sportlicher Wettbewerb sei.
Kayfabe zu schützen, gehörte jahrzehntelang zu den wichtigsten ungeschriebenen Regeln der Branche. Wrestler sollten ihre Rollen auch außerhalb der Shows aufrechterhalten und möglichst vermeiden, öffentlich über geplante Matchausgänge oder die Zusammenarbeit zwischen vermeintlichen Rivalen zu sprechen.
Triple H verwies darauf, dass es früher sogar zu Auseinandersetzungen in Bars, Clubs oder auf der Straße gekommen sei, weil Wrestler die Glaubwürdigkeit ihres Geschäfts verteidigen wollten.
Diese Zeiten betrachtet er jedoch als weitgehend vorbei. Für die heutige Generation sei es nicht mehr notwendig, Menschen davon überzeugen zu wollen, dass sämtliche Ereignisse im Ring Bestandteil eines legitimen Wettkampfs seien.
Triple H sieht Wrestling inzwischen als eigenständige Kunstform
Die Legitimität des Professional Wrestlings ergibt sich für Triple H inzwischen aus anderen Faktoren. Er bezeichnete die Tätigkeit als außergewöhnlich anspruchsvoll und verwies auf die enorme körperliche Belastung, die permanente Vorbereitung sowie die emotionale Hingabe, die eine erfolgreiche Karriere erfordert.
Wrestling sei für ihn deshalb eine Kunstform, die das Leben der Beteiligten vollständig einnehmen könne. Dass Sieger und Verlierer eines Matches im Rahmen einer Geschichte festgelegt werden, ändere nichts daran, dass die körperlichen Leistungen tatsächlich erbracht werden müssen.
Wrestler verbringen Jahre damit, ihre Fähigkeiten zu entwickeln. Sie absolvieren regelmäßig Matches, müssen gleichzeitig Charaktere darstellen, Geschichten vermitteln und unmittelbar auf die Reaktionen des Publikums eingehen. Triple H sieht genau darin offenbar die heutige Form der Glaubwürdigkeit des Geschäfts.
WWE müsse sich nicht mit NFL oder NBA gleichsetzen
Triple H machte außerdem deutlich, dass WWE seiner Ansicht nach nicht versuchen müsse, sich in dieselbe Kategorie wie die NFL, NBA oder andere klassische Sportligen einzuordnen.
Stattdessen beschrieb er Professional Wrestling sinngemäß als eine Fernsehserie beziehungsweise Show, deren Handlung sich um einen Sport dreht. Dieser Vergleich bedeute jedoch nicht, dass die Leistungen der Beteiligten weniger real seien. Triple H betonte, dass sowohl die körperliche Beanspruchung als auch die Emotionen und der persönliche Einsatz der Wrestler tatsächlich vorhanden seien.
Die Glaubwürdigkeit liegt für Triple H heute in der Leistung
Damit zieht Triple H eine klare Grenze zwischen der inszenierten Struktur des Professional Wrestlings und den tatsächlichen Anforderungen an seine Akteure.
WWE müsse seiner Ansicht nach nicht verbergen, was das Produkt ist. Entscheidend sei vielmehr, den Zuschauern zu zeigen, wie schwierig und anspruchsvoll diese besondere Mischung aus Athletik, Schauspiel und Storytelling tatsächlich ist.
Die frühere Vorstellung, Professional Wrestling könne nur dann ernst genommen werden, wenn Zuschauer es für einen legitimen Wettkampfsport halten, betrachtet Triple H damit als überholt.
Für ihn hat sich die Grundlage der Glaubwürdigkeit verschoben: Nicht die Illusion eines echten sportlichen Wettbewerbs soll Professional Wrestling legitimieren, sondern die tatsächliche körperliche Leistung, die Emotionen und die Fähigkeit der Wrestler, ihre Zuschauer für eine Storyline zu begeistern.

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