In der Netflix-Dokuserie „Hulk Hogan: Real American“ hat WWE Chief Content Officer Paul „Triple H“ Levesque mehrere bislang wenig beleuchtete Details rund um den Rassismus-Skandal von 2015 öffentlich gemacht. Im Mittelpunkt steht jenes Telefonat, mit dem Levesque dem damals weiterhin geschäftlich an WWE gebundenen Hulk Hogan das vorläufige Ende der Partnerschaft mitteilen musste.
Auslöser war ein Mitschnitt aus einem im Jahr 2007 entstandenen Sex-Tape, in dem Hogan rassistische Kommentare äußerte. Die entsprechenden Transkripte gelangten im Juli 2015 an die Öffentlichkeit und brachten die WWE binnen Stunden in eine Lage, die ein sofortiges Handeln erzwang.
„Wir können so nicht weitermachen, Terry“
Levesque erklärte, dass zum Zeitpunkt des Skandals weiterhin eine geschäftliche Beziehung zwischen Hogan und WWE bestanden habe. Nachdem die Äußerungen öffentlich wurden, sei er derjenige gewesen, der Hogan persönlich informieren musste. Er schilderte, dass er zum Telefonhörer gegriffen und gesagt habe: „Wir können so nicht weitermachen, Terry. Wir sind fertig.“
Im weiteren Verlauf der Doku betonte Levesque, dass Hogan eine der größten Legenden in der Geschichte des Wrestlings sei und dies unbestreitbar bleibe. Zugleich zog er eine klare Trennlinie zwischen der Kunstfigur und dem Menschen dahinter und stellte fest: „Ich habe nicht Hulk Hogan gefeuert. Ich habe Terry Bollea gefeuert.“
Mit dieser Formulierung versuchte Levesque, die legendäre Bühnenfigur von der realen Person Terry Bollea abzugrenzen, ohne den Vorfall zu relativieren.
Hogan rief zuerst an, um zu warnen
Aus den in der Doku geschilderten Abläufen geht hervor, dass Hogan sich zunächst selbst bei Triple H gemeldet habe, um ihn vor dem geleakten Audiomaterial zu warnen. Levesque habe zugesagt, sich mit Vince McMahon zu beraten. Die Antwort sei rund 30 Minuten später per Rückruf gekommen, mit einer klaren Anweisung der damaligen Unternehmensspitze: Hogan müsse zurücktreten.
Damit war die Entscheidung gefallen, auch wenn Triple H sie übermitteln musste. Levesque stellte in der Doku ausdrücklich klar, dass die finale Weisung nicht von ihm selbst stammte, sondern aus der obersten Führungsebene kam. In einem Geschäft, das ihn über Jahrzehnte mit Hogan verbunden hatte, sei dieser Anruf einer der schwierigsten seines Berufslebens gewesen.
USA Network reagierte „sehr schlecht“
Als Hintergrund der schnellen Trennung verwies Levesque ausdrücklich auf den TV-Partner. Das USA Network habe auf den Vorfall „sehr schlecht“ reagiert, weshalb WWE gezwungen gewesen sei, umgehend zu handeln, um den Schaden einzugrenzen. Hogan sei in der Folge faktisch „aufs Abstellgleis“ gestellt worden, eine Formulierung, die Triple H selbst wählte, um die Dringlichkeit jenes Moments zu beschreiben.
Die Konsequenzen folgten unmittelbar: WWE entfernte Hogan von der Website, zog Merchandise aus dem Verkauf, strich ihn von sämtlichen digitalen Plattformen und setzte seinen Hall-of-Fame-Status aus. Innerhalb weniger Tage war eine der prägendsten Figuren der Unternehmensgeschichte aus dem öffentlichen Auftritt von WWE verschwunden.
Rückkehr, Tod und später Tribut
Trotz des klaren Bruchs blieb die Trennung nicht von Dauer. Nach mehreren öffentlichen Entschuldigungen und Gesprächen mit Talenten wurde Hogan 2018 erneut in die WWE Hall of Fame aufgenommen, später folgte eine zweite Aufnahme als Mitglied der nWo.
In diesem Jahr würdigte WWE das Erbe Hogans erneut, indem sein legendäres Match gegen André the Giant bei WrestleMania III in diesem Jahr als „Immortal Moment“ ausgezeichnet wurde, ein symbolischer Akt, der die historische Bedeutung dieser Begegnung in den Mittelpunkt rückte.
Hogan war im Juli vergangenen Jahres im Alter von 71 Jahren an einem Herzstillstand verstorben. WWE ehrte ihn rund 30 Stunden später bei SmackDown.
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