Die jüngsten Entlassungen und Vertragsneuverhandlungen bei der WWE haben nicht nur Auswirkungen auf das Roster, sondern verändern auch die langfristige Perspektive der Talente auf ihre Promotion. Mehrere unabhängige Branchenquellen bestätigen, dass die Stimmung im Locker Room durch die jüngsten Maßnahmen einen erkennbaren Dämpfer erhalten hat. Drei Talente haben sogar selbst über eine Freigabe nachgedacht, obwohl keine entsprechenden Anfragen vom Unternehmen vorlagen.
Mehrere Talente haben Gehaltskürzungen bereits akzeptiert
Den ersten konkreten Eckpunkt liefert Bryan Alvarez bei Wrestling Observer Live. Demnach wurden mehrere Talente gebeten, Gehaltskürzungen zu akzeptieren, und einige sind dieser Forderung bereits nachgekommen: „Mir wurde gesagt, dass mehrere Leute gebeten wurden, Gehaltskürzungen hinzunehmen, und dass sie dem zugestimmt haben. Ich weiß nicht, wie viele es waren. Ich weiß nicht, wer. Offensichtlich wurde auch The New Day darum gebeten, aber sie wollten nicht neu verhandeln, und deshalb wurden sie freigestellt.“
Alvarez betonte zudem, dass dieser Trend voraussichtlich weiterlaufen werde: „Anscheinend gab es noch einige andere, die letztendlich doch neu verhandelt haben, und wahrscheinlich wird es im Laufe der Zeit noch mehr solcher Fälle geben. Das wird ganz sicher der Fall sein.“
Damit ist klar, dass die jetzige Restrukturierungs-Phase kein einmaliges Ereignis ist, sondern Bestandteil einer länger angelegten TKO‑Strategie. Talente, die derzeit noch nicht angesprochen wurden, müssen damit rechnen, dass entsprechende Gespräche jederzeit folgen können.
50-Prozent-Restrukturierung als zentrales Ziel
Wie hart die jetzige Verhandlungslogik ausfällt, zeigt eine zusätzliche Aussage von Alvarez. Demnach strebt die WWE keine geringfügigen Anpassungen an, sondern umfassende Vertragsumstrukturierungen: „Sie wollen eine 50-prozentige Umstrukturierung dieser Verträge.“ Mit dieser Größenordnung wird klar, dass es nicht um symbolische Vertragskorrekturen geht, sondern um massive Eingriffe in die jährlichen Vergütungsvolumen der betroffenen Talente.
Die TKO-Argumentation dafür stützt sich auf eine veränderte Arbeitsbelastung. Aus Sicht des Unternehmens habe sich die Lage gegenüber dem ursprünglichen Vertragsabschluss grundsätzlich verändert. Zwar werde von den Talenten eine reduzierte Vergütung verlangt, doch parallel sei auch ihr tatsächlicher Arbeitsumfang deutlich gesunken. Konkret verweist die WWE-Führung auf reduzierte Tour-Belastungen.
Anders als früher absolvierten die Stars heute keine vierstündigen Shows pro Woche mehr und seien auch nicht mehr an vier Tagen pro Woche auf Reisen, mit allen damit verbundenen Kosten für Transport, Übernachtung und Verpflegung. Stattdessen fällt in der heutigen Realität nur noch ein Reisetag pro Woche an, mit teilweise nur zwei Auftritten im gesamten Monat. Diese Argumentation wird intern als zentrale Begründung für die Gehaltskürzungsforderungen verwendet.
Zwei-Tages-Frist als ungewöhnliche Praxis
Bemerkenswert ist auch der zeitliche Druck, mit dem die WWE die Vertragsgespräche führt. Wie Fightful Select berichtet, wurden mehrere Talente am Tag der Cut-Welle direkt mit einer kurzen Entscheidungsfrist konfrontiert: „Am Tag der Massenentlassungen wandte sich die WWE an zahlreiche Talente und bat sie, Gehaltskürzungen hinzunehmen, um im Unternehmen bleiben zu können.“ Bei einigen der Betroffenen wurde diese Frist auf zwei Tage begrenzt. „Einigen von ihnen, von denen wir gehört haben, wurden zwei Tage Zeit gegeben, um diese Entscheidung zu treffen.“
Diese kurze Frist zwingt die Talente zu schnellen Entscheidungen, oft ohne ausreichende Zeit für eine umfassende Beratung mit Anwälten oder Agenten.
Auslandsgespräche als auffällige Praxis
Eine weitere bemerkenswerte Praxis betrifft den Zeitpunkt der Vertragsanbahnung. Wie Fightful Select aufdeckt, wurden mehrere Talente schon zuvor auf neue Verträge angesprochen, lange bevor diese überhaupt zur Verlängerung anstanden: „In den letzten Jahren wurden mehrere Talente während Auslandsaufenthalten auf neue Verträge angesprochen, teilweise deutlich früher, als sie damit gerechnet hatten.“ Das Timing wirkte für viele ungewöhnlich.
„Manche sahen darin einen Versuch, Talente unter Vertrag zu nehmen, bevor ihre Berater sich die Sache ansehen konnten, aber das war eher eine Vermutung als alles andere.“
Stimmungs-Bild aus dem Locker Room
Wie sehr die jetzige Phase die interne Stimmung verändert hat, zeigt ein bemerkenswerter Bericht von Self Made Pro im Rahmen einer Self Made Session. Self Made Pro stützt seine Aussagen ausdrücklich auf zahlreiche Gespräche mit aktiven WWE-Talenten aller Roster: „Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, darunter auch vielen bei der WWE, und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass die Stimmung derzeit wirklich schlecht ist. Es ist wirklich hart, denn es herrscht das weitverbreitete Gefühl: Als Nächstes sind sie hinter mir her.“
Hauptauslöser dieser Stimmung ist nach Self Made Pros Einschätzung die Tatsache, dass auch sehr profilierte Stars wie The New Day von der Cut-Welle betroffen waren. Wer eine derart prominente Storyline-Position hatte und trotzdem das Unternehmen verlassen musste, sendet ein Signal an alle anderen: „Es herrscht allgemein das Gefühl, dass wir, wenn es um New Day geht, irgendwann alle dran sein werden. Man hat wirklich das Gefühl, dass niemand sicher ist.“
Drei Talente denken über Freigabe-Anfragen nach
Besonders bemerkenswert ist eine Detailinformation aus dem Self-Made-Pro-Bericht. An einem einzigen Wochenende sprachen verschiedene WWE‑Talente mit ihm über die Möglichkeit, selbst um eine Freigabe zu bitten, statt auf eine eventuelle Cut-Mitteilung zu warten: „Und ich habe mit drei verschiedenen Talenten bei der WWE gesprochen, drei, die darüber nachdachten, ob sie nicht lieber selbst um ihre Freigabe bitten sollten, bevor sie entlassen werden. Drei an einem einzigen Wochenende.“
Self Made Pro betonte ausdrücklich, dass diese Gespräche von den Talenten selbst angestoßen wurden.
Wachsende Sinnfrage
Der Self-Made-Pro-Bericht zeigt allerdings auch ein tiefer liegendes Problem auf, das über die reine Cut-Angst hinausreicht. Im Locker Room wächst das Gefühl, dass die individuelle Arbeit keinen Einfluss auf die langfristige Sicherheit hat. Viele Talente hätten ihm gegenüber den Eindruck geäußert, dass weder harte Arbeit noch sportliche Leistung sie vor einer möglichen Trennung schützen würden. Diese Einstellung ist nicht auf eine bestimmte Gruppe beschränkt, sondern breitet sich quer durch alle Roster-Ebenen aus, von den Main-Roster-Stars bis zu den NXT-Talenten. Self Made Pro betont, dass sich zunehmend das Gefühl ausbreitet, von der Unternehmensführung schlicht nicht wahrgenommen zu werden.
Vertrauensverlust in langfristige Verträge
Eine besonders bemerkenswerte Folge der jetzigen Phase ist der Vertrauensverlust gegenüber langfristigen Vertragsstrukturen. Wie Fightful Select berichtet, wächst unter Agenten und Talenten die Sorge, was Verträge unter den derzeitigen Rahmenbedingungen tatsächlich bedeuten: „Diese Runde von Cuts und Gehaltskürzungen wird wahrscheinlich erhebliche Veränderungen darin mit sich bringen, wie die Talente künftig ihre Verträge mit TKO und der WWE aushandeln.“
Das größere Problem liegt allerdings auf einer grundsätzlicheren Ebene: „Es besteht kaum Zuversicht, dass die lebensverändernden, millionenschweren Verträge, die viele Talente unterzeichnen, tatsächlich bis zum Ende ihrer Laufzeit erbracht werden.“

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