Der seit Anfang April schwelende Konflikt zwischen TNA Wrestling und Talenten mit AEW-Bezug hat innerhalb weniger Stunden gleich mehrere neue Wendungen erlebt. TNA-Präsident Carlos Silva ging am 29. April auf Busted Open Radio erstmals umfassend in die Offensive und verteidigte die Absagen mehrerer Indie-Matches. AEW-Star MJF konterte nur zwei Stunden vor der Live-Übertragung von AEW Dynamite öffentlich und unterstellte Silva direkt eine Lüge. Matt Hardy lieferte schließlich im Ariel Helwani Show einen einordnenden Schlussakkord, der die Branche zusätzlich beschäftigt. Im Mittelpunkt stehen damit drei Stimmen, die den Streit aus drei sehr unterschiedlichen Perspektiven kommentieren.
Wie alles begann
Hintergrund der Auseinandersetzung sind mehrere Indie-Matches, die TNA Anfang April kurzfristig stornierte, obwohl sie zuvor offiziell genehmigt worden waren. Betroffen waren unter anderem das Match zwischen MJF und Nic Nemeth bei einer Create-A-Pro-Show, das Duell zwischen Ricochet und Leon Slater beim Mark Hitchcock Memorial Supershow während der WrestleMania-42-Woche sowie der Auftritt von Moose bei Maple Leaf Pro Wrestling, bei dem er auf einen AEW-Star treffen sollte. Als offizielle Begründung nannte Silva damals gegenüber Sean Ross Sapp „partner conflicts“, also vertragliche Verpflichtungen mit Partnern wie der WWE.
Schon damals war die Reaktion in der Indie-Branche heftig. Pat Buck, Mitinhaber von Create-A-Pro, nannte den Schritt „unnötig und cringe“. West Coast Pro-Besitzer Scott Bregante bezeichnete die Entscheidung als rüden Stilbruch, da insbesondere die Absage von Ricochet und Slater eine Memorial Show traf. Bei der Veranstaltung selbst wurde Silva vom Live-Publikum ausgebuht, was die öffentliche Stimmungslage gegen ihn weiter verschärfte. MJF nannte Silva in seinen ersten Reaktionen sogar einen „actively a dumb motherf***er“, eine ungewöhnlich harte Wortwahl gegen einen Promotion-Präsidenten.
Silvas neue Stellungnahme: Selbstwiderspruch oder Klarstellung?
Mit seinem Auftritt bei Busted Open Radio versuchte Silva, die Kontrolle über das Narrativ zurückzugewinnen. Er räumte offen ein, dass die Entscheidung allein bei ihm gelegen habe und er die volle Verantwortung trage. Die Absagen seien Teil seines Jobs, harte Entscheidungen zu treffen, auch wenn er dafür auf Social Media als „kleine Zicke“ beschimpft werde. „Wir werden Entscheidungen treffen, die gut für TNA sind, wir müssen TNA schützen.“
In der Begründung verschob Silva den Fokus jedoch deutlich. Er zitierte den Under-Armour-Gründer Kevin Plank mit dem Slogan „You gotta protect this house“ und unterstellte anderen Promotions, gezielt gegen TNA vorgegangen zu sein. Diese hätten Sendezeiten überschnitten, Entscheidungen zu Lasten von TNA getroffen und sogar versucht, die Promotion bei Hallen und Veranstaltungsorten zu blockieren. Damit weicht Silva von seiner ursprünglichen „partner conflicts“-Linie ab, was Sports Illustrated und mehrere Branchenoutlets als Selbstwiderspruch markiert haben.
Der wahre Hintergrund: AEW Collision auf Donnerstag
Diese inhaltliche Verschiebung ist deshalb so brisant, weil hinter den Kulissen längst eine andere Begründung kursiert. Mehrere Berichte, darunter POST Wrestling, weisen darauf hin, dass Silva offenbar verärgert war, weil AEW Collision häufig auf den Donnerstagabend verschoben wird und sich dort eine einstündige Überschneidung mit TNA Impact ergibt. Brisant ist dabei, dass diese Verschiebung gar keine AEW-Entscheidung ist. Verantwortlich ist die Programmplanung der Turner Networks im Zusammenhang mit den parallel laufenden Übertragungen der NCAA-Basketballspiele am Samstagabend. AEW möchte ihren Sendeplatz für Collision am Samstag weiterhin behalten.
MJF kontert mit Lüge-Vorwurf
Wenige Stunden nachdem Silvas Aussagen die Runde gemacht hatten, schaltete sich MJF auf X ein. Sein Tweet kam exakt zwei Stunden vor dem Beginn von AEW Dynamite und richtete sich direkt gegen Silvas Schilderung. Welcher Teil von Silvas Aussage konkret gemeint war, ließ MJF offen, doch die Spitze war eindeutig: „Ich finde es cool, dass man einfach lügen kann.“
Highspots-Promoter widerlegt zusätzliches Gerücht
Eine weitere Volte lieferte Michael Bochicchio von Highspots, der als Promoter des Mark Hitchcock Memorial Supershow direkt betroffen war. In einem POST-Wrestling-Interview mit John Pollock und Wai Ting widersprach er der hartnäckig kursierenden These, dass Slater aus dem Match gezogen worden sei, weil er gegen Ricochet hätte verlieren sollen. Beide Seiten hätten sich vor der Show auf einen Finish geeinigt, der die Interessen aller Beteiligten gewahrt hätte. Damit wird ein häufig genanntes Argument für die TNA-Entscheidung als nicht zutreffend gekennzeichnet.
WrestleCon hatte zudem öffentlich bestätigt, dass TNA die Reisekosten und Hotelübernachtungen für Slater erstattet hat, nachdem dessen Match gestrichen wurde. Auch dieser Schritt wird als Versuch interpretiert, den entstandenen Schaden zumindest organisatorisch abzufedern.
Matt Hardy schaltet sich ein
Den thematischen Schlussakkord setzte Matt Hardy in einem Auftritt bei der Ariel Helwani Show. Hardy, der mit TNA, WWE und AEW gleich drei der größten Promotionen aus eigener Erfahrung kennt, ordnete die Lage deutlich ein. Aus seiner Sicht hätten die Matches niemals genehmigt werden dürfen, weil TNA und WWE in einer engen Partnerschaft stünden, während AEW als unmittelbarer Konkurrent agiere: „Diese Matches hätten von vornherein nicht genehmigt werden dürfen.“
Zugleich räumte Hardy ein, dass Silva mit der Entscheidung Kritik auf sich gezogen habe. Er machte aber zwei zentrale Punkte deutlich. Erstens hätten die kreativen Finishes der Matches so gestaltet werden können, dass beide Seiten profitiert hätten. Zweitens sei die Schadensbegrenzung im Anschluss professionell verlaufen.
Hardy bestätigt: Talente wurden voll bezahlt
Ein besonders wichtiger Punkt aus Hardys Aussagen betrifft die finanzielle Behandlung der betroffenen Wrestler: „Diejenigen, die er aus diesen Matches gezogen hat, hat er entschädigt und ihnen ihre volle Gage gezahlt.“ Silva habe darüber hinaus mit Mike von Highspots gesprochen und Flugkosten sowie weitere Auslagen erstattet. Der WrestleCon-Promoter habe diese Vorgehensweise öffentlich bestätigt.
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