Sami Zayn hat sich in zwei aufeinanderfolgenden Interviews ausführlich zu seiner Karriereperspektive, der Stimmung rund um WrestleMania 42 und seiner aktuellen Charakter-Entwicklung geäußert. Im Gespräch mit Witty Whittier deutete der 41-jährige Kanadier an, dass das Ende seiner aktiven Laufbahn näher rückt. Bei der Toronto Sun widersprach er parallel der weitverbreiteten Sicht, er sei nach seiner Lebkuchenmann-Aktion bei SmackDown endgültig zum Heel geworden.
Karriereende rückt offenbar näher
Auf seine sportliche Zukunft angesprochen, erklärte Zayn, dass er keinen festen Zeitplan benennen wolle, sich aber bewusst sei, in welcher Phase seiner Laufbahn er sich befinde. Er habe nicht das Gefühl, am Anfang einer langen Reise zu stehen, sondern vielmehr im hinteren Drittel. Den Umschwung in seiner Wahrnehmung führte er auf eine konkrete Episode zurück: Vor einigen Jahren habe ihn auf einer Europa-Tour der Gedanke überrascht, wie viele solcher Reisen ihm überhaupt noch bevorstehen würden. Mitten im Geschehen, so seine Sicht, denke man unwillkürlich, der Weg gehe ewig so weiter. Den Vergleich zog er zur Schulzeit, die einem während des Erlebens unendlich vorkomme, im Rückblick aber zehn oder fünfzehn Jahre später regelrecht als kurzer Wimpernschlag im Leben erscheine.
Dankbarkeit für mehr als einen Wimpernschlag
Zugleich machte Zayn deutlich, dass er seinen eigenen Weg bei WWE in der jetzigen Spätphase als außergewöhnliches Privileg empfindet. Sein Leben als Profi-Wrestler sei weit mehr als nur ein flüchtiger Lebensabschnitt: „Ich kann mich glücklich schätzen, dass meine Zeit bei WWE und in diesem Geschäft mehr als nur ein Wimpernschlag gewesen ist.“
Diesen Punkt unterstrich er mit dem Hinweis, dass er jeden verbleibenden Moment im Ring bewusst genießen wolle, statt sich vom unklaren Karriereende lähmen zu lassen.
WrestleMania 42 fühlte sich seltsam an
Auch über die diesjährige WrestleMania-Erfahrung sprach Zayn mit auffälliger Offenheit. In Las Vegas hatte er an Night 2 gegen Trick Williams den WWE United States Titel verloren und zugleich erlebt, wie sich seine Charakter-Position in den vergangenen Wochen verschoben hat. Im Witty-Whittier-Interview ordnete er die Stimmung des Events deutlich von früheren Erfahrungen abgrenzend ein: „Mein Charakter war zur Zeit von WrestleMania weniger klar definiert als seit vielen, vielen Jahren. Normalerweise gehe ich mit dem genauen Wissen, wo ich stehe und was ich tue, in eine WrestleMania. Dieses Jahr lief eine Charakter-Verschiebung parallel zu Tricks Aufstieg. Ich erhalte polarisierende Reaktionen, die jetzt aber so weit ins Gegenteil ausschlagen, dass ich als Charakter denke: Was habe ich denn überhaupt getan, um das zu verdienen?“
Zayn ergänzte, dass das kurzfristig hinzugefügte Pat McAfee Segment und mehrere Programmänderungen den Eindruck eines insgesamt ungewohnten Großereignisses verstärkt hätten.
Toronto-Sun-Interview: kein vollständiger Heel-Turn
Im Toronto-Sun-Interview griff Zayn die Charakter-Diskussion direkter auf. Auf die Aussage, er sei mit der Lebkuchenmann-Aktion bei SmackDown endgültig zum Heel geworden, reagierte er mit klarem Widerspruch. Er glaube selbst nicht, dass diese Sicht zutreffe, und versuche bewusst, die aktuelle Geschichte etwas anders anzulegen, weil sie sich von früheren Storylines unterscheide. Aktuell setze er darauf, mit den Publikumsreaktionen mitzugehen, die sich allerdings von Woche zu Woche teils deutlich verschieben würden.
Die Charakter-Verschiebung gehe auf seine eigene Anregung zurück und solle das Publikum bewusst spalten, allerdings räumte er ein, dass sich die Storyline nicht exakt nach Plan entwickle.
Über Trick Williams und die Lebkuchenmann-Aktion
Bemerkenswert ist, dass Zayn auch seinen Backlash-Gegner Trick Williams nicht eindeutig als Babyface einordnet. Trotz der Publikums-Sympathien sei das Bild komplexer: Williams bekomme zwar großartige Chants, doch das, wofür er gerade gefeiert werde, sei nicht unbedingt das gleiche, wofür Zayn früher Beifall bekommen habe.
Den von vielen als Heel-Turn empfundenen Lebkuchenmann-Vorfall ordnete Zayn zudem mit einer humorvollen Note ein. Um fair zu bleiben, räumte er ein, ein Tritt unter die Gürtellinie gegen eine Lebkuchenmann-Schaufensterpuppe könne durchaus für Unmut sorgen.

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