Der Rechtsstreit zwischen Ryan Nemeth und AEW entwickelt sich weiter. Während die ursprünglichen Vorwürfe gegen AEW, Tony Khan und CM Punk bereits seit Monaten bekannt sind, konzentriert sich die aktuelle Auseinandersetzung zunehmend auf die Frage, wo und unter welchen Bedingungen das Verfahren fortgeführt werden soll.
Neue Gerichtsunterlagen zeigen, dass AEW nun zusätzliche Schritte unternommen hat, um den Fall in ein privates Schiedsverfahren zu verlagern und bestimmte Vertragsinformationen geheim zu halten.
AEW wirft Ryan Nemeth irreführendes Verhalten vor
Am 5. Juni reichte AEW beim U.S. District Court im Middle District of Florida einen neuen Antrag ein. Darin fordert das Unternehmen, dass die Auseinandersetzung vor einer JAMS-Schiedsstelle in der Nähe von Duval County, Florida, verhandelt wird und dabei das Recht des Bundesstaates Florida Anwendung findet.
Laut AEW hat Ryan Nemeth das Unternehmen durch sein Verhalten im Zusammenhang mit der bereits im Frühjahr vereinbarten Verlagerung des Falls in ein Schiedsverfahren in die Irre geführt. AEW argumentiert, Nemeth habe zunächst zugestimmt, den Rechtsstreit in einem privaten Schiedsverfahren statt in einem öffentlichen Gerichtsverfahren zu klären. Aufgrund dieser Zustimmung zog AEW sogar eigene Anträge beim Bundesgericht in Florida zurück, um den Weg für das Schiedsverfahren freizumachen.
Nun wirft das Unternehmen Nemeth vor, von diesem Kurs abgewichen zu sein und zusätzliche Forderungen eingebracht zu haben, die aus Sicht von AEW nicht durch die bestehenden Verträge gedeckt seien.
Streit um Kalifornien oder Florida als Verfahrensort
Im Mittelpunkt der aktuellen Auseinandersetzung steht inzwischen vor allem die Frage, wo das Verfahren stattfinden soll. AEW verweist auf die Schiedsklauseln in den Verträgen, die Nemeth zwischen 2021 und 2023 unterschrieben hatte. Nach Ansicht des Unternehmens schreiben diese Verträge vor, dass Streitigkeiten in Florida geklärt werden müssen. Bereits im Frühjahr hatte AEW versucht, genau dies gerichtlich durchzusetzen.
Nemeth reichte seine Schiedsverfahren-Forderung jedoch bei einer JAMS-Stelle in Kalifornien ein und ergänzte diese um zusätzliche Ansprüche nach dem California Labor Code. AEW weist diese Argumentation zurück und betont, dass Nemeth während seiner gesamten Zeit bei der Promotion als Independent Contractor und nicht als Angestellter tätig gewesen sei. Deshalb seien die von ihm angeführten kalifornischen Arbeitsgesetze nach Auffassung des Unternehmens nicht anwendbar.
Die Standortfrage könnte weitreichende Bedeutung haben, da Kalifornien bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten häufig deutlich strengere Maßstäbe anlegt als andere Bundesstaaten.
Verträge sollen unter Verschluss bleiben
Parallel dazu haben AEW und Präsident Tony Khan einen weiteren Antrag gestellt. Darin fordern sie, bestimmte Informationen aus Nemeths drei Independent-Contractor-Verträgen unter Verschluss zu halten. Nach Angaben des Unternehmens enthalten die Verträge vertrauliche Informationen über interne Geschäftsabläufe, Vergütungsmodelle, Vertragsstrukturen sowie geistiges Eigentum.
AEW argumentiert, dass eine öffentliche Offenlegung dieser Inhalte dem Unternehmen schaden und geschäftlich sensible Informationen preisgeben könnte.
Der Ursprung des Konflikts liegt in den CM Punk-Vorfällen
Die aktuelle juristische Auseinandersetzung geht auf Ereignisse aus dem Jahr 2023 zurück. Ryan Nemeth hatte im Februar 2025 Klage gegen AEW, Tony Khan und CM Punk eingereicht. Darin erhob er unter anderem Vorwürfe wegen Assault, Vertragsbruchs, Verletzung der Pflicht zu Treu und Glauben sowie wegen mutmaßlicher Eingriffe in seine beruflichen Chancen.
Dabei stehen Vorfälle aus der Zeit von CM Punks zweitem AEW-Run im Mittelpunkt. Nemeth behauptet, Punk habe ihn nach kritischen Äußerungen öffentlich sowie hinter den Kulissen konfrontiert. Darüber hinaus wirft er AEW vor, ihn anschließend faktisch kaltgestellt und seine Karriere innerhalb der Promotion erheblich beeinträchtigt zu haben. Punk bleibt trotz seiner Rückkehr zur WWE Teil der ursprünglichen Klageunterlagen.
Der Fall dreht sich inzwischen vor allem um Vertragsrecht
Während die ursprünglichen Vorwürfe gegen Punk und AEW weiterhin im Raum stehen, verschiebt sich der Fokus des Verfahrens zunehmend auf juristische Grundsatzfragen. Inzwischen geht es vor allem darum, ob die Angelegenheit vor einem öffentlichen Gericht oder in einem privaten Schiedsverfahren behandelt werden muss, welcher Bundesstaat zuständig ist und welche gesetzlichen Regelungen Anwendung finden.
Beobachter verweisen darauf, dass der Ausgang dieser Streitpunkte über den konkreten Fall hinaus Bedeutung für die Wrestling-Branche haben könnte. Insbesondere die Frage, wie Independent Contractors im professionellen Wrestling rechtlich einzuordnen sind, spielt auch in anderen laufenden Verfahren eine wichtige Rolle.
Aktuell ist daher weniger die ursprüngliche Klage selbst die größte Nachricht, sondern der immer intensiver werdende Streit darüber, unter welchen Bedingungen dieser Rechtsfall überhaupt verhandelt werden soll.

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