Paul Wight blickt auf mehr als drei Jahrzehnte im Wrestling-Geschäft zurück und hat dabei eine Belastung erlebt, die sich kaum auf die Matches allein reduzieren lässt. Gerade die jahrelangen Reisepläne, kurzen Erholungsphasen und die körperlichen Folgen seiner Karriere prägen seine heutige Sicht auf das Geschäft.
In einem Gespräch mit Andy Richter gab der frühere Big Show nun ein aktuelles Update zu seiner körperlichen Verfassung. Gleichzeitig schilderte er, wie sehr sich sein heutiger AEW-Alltag von früheren Jahren unterscheidet und weshalb selbst ein einzelner besonders langer Arbeitstag Erinnerungen an seine einstige WWE-Routine zurückbrachte.
Paul Wight ist inzwischen leichter als seit seiner College-Zeit
Wight hat seine körperliche Transformation in den vergangenen Monaten konsequent fortgesetzt. Der 54-Jährige wiege inzwischen weniger als 360 Pfund (ca. 163 kg) und sei damit so leicht wie seit der Zeit nach seinem College-Abschluss nicht mehr. Arn Anderson habe deshalb scherzhaft erklärt, von dem einstigen Riesen sei nur noch ein „halber Riese“ übrig.
Für Wight geht es dabei um weit mehr als die Zahl auf der Waage. Nach zahlreichen körperlichen Problemen und elf Operationen innerhalb von sieben Jahren trainiert er wieder täglich. Seine Ausdauer habe sich deutlich verbessert und er habe wieder Freude daran, seinen Körper zu fordern.
Wight lebt inzwischen mit zwei künstlichen Hüft- und zwei künstlichen Kniegelenken. Die vielen Jahre als einer der schwersten Wrestler seiner Generation hätten ihren Preis gefordert. Mittlerweile habe er jedoch das Gefühl, diese schwierige Phase hinter sich gelassen zu haben.
Ein richtiges AEW-Match könnte dennoch noch etwas dauern
Seine verbesserte körperliche Verfassung bedeutet allerdings nicht, dass eine vollständige Rückkehr in den Ring unmittelbar bevorsteht. Wight erklärte, bei AEW derzeit überwiegend an einem Tag pro Woche tätig zu sein und verschiedene Aufgaben rund um die Shows zu übernehmen. Hinsichtlich des Wrestlings müsse er weiterhin einige Dinge feinjustieren.
Deshalb könne es noch etwas dauern, bis er tatsächlich wieder ein reguläres Match bestreite. Damit fällt sein aktuelles Update etwas vorsichtiger aus als frühere Aussagen, in denen er seinen grundsätzlichen Wunsch nach weiteren Einsätzen deutlich gemacht hatte. Wight schließt eine Rückkehr weiterhin nicht aus, verbindet sie aber klar mit der Voraussetzung, dass sich sein körperlicher Zustand weiter verbessert.
Gerade seine Gewichtsabnahme soll dabei helfen. Weniger Körpergewicht bedeutet für ihn eine geringere Belastung für Knie, Hüften und Rücken und eröffnet damit zumindest die Möglichkeit, künftig wieder mehr innerhalb des AEW-Programms zu übernehmen. Einen konkreten Zeitplan für ein Comeback nennt er weiterhin nicht.
37 Stunden ohne Schlaf erinnern Wight an frühere Wrestling-Zeiten
Ein ungewöhnlich langer Reisetag machte Wight zuletzt bewusst, wie sehr sich sein Arbeitsleben verändert hat. Wegen Flugproblemen musste er früh von Tampa über Atlanta nach Las Vegas reisen. Dort standen zusätzliche Aufnahmen für eine kommende AEW-Pay-per-View-Produktion an, bevor es zur eigentlichen Veranstaltung weiterging.
Wegen technischer Verzögerungen erreichte Wight die Arena erst kurz vor Dynamite. Nach einem schnellen Kleidungswechsel und einem Proteinshake absolvierte er zunächst zwei Stunden Dynamite und anschließend zwei Stunden Collision, bevor er mit einem Nachtflug nach Hause zurückkehrte.
Insgesamt sei er etwa 37 Stunden am Stück wach gewesen. Besonders bemerkenswert sei für ihn, dass ein solcher Rhythmus früher keineswegs ungewöhnlich gewesen sei. Heute brauche er nach solchen Tagen deutlich mehr Erholung, während vergleichbare Belastungen während seiner aktiven WWE-Zeit beinahe zum normalen Berufsalltag gehörten.
Wight war über Jahre fünf Tage pro Woche unterwegs
Der frühere WWE Champion erinnerte daran, dass er über weite Teile seiner Karriere fünf Tage pro Woche unterwegs war. Meist verließ er sein Zuhause am Freitag, arbeitete bis Dienstag und hatte nur Mittwoch und Donnerstag frei, bevor die nächste Reise begann. Hinzu kamen internationale Tourneen, die regelmäßig zehn bis 14 Tage dauerten.
Nach den Shows folgten häufig mehrstündige Autofahrten zur nächsten Stadt. Dort blieben oft nur wenige Stunden Schlaf, bevor der gesamte Ablauf von vorn begann. Wight glaubt rückblickend, dass Außenstehende diesen Teil des Wrestlings häufig unterschätzen. Die Belastungen im Ring seien offensichtlich, doch permanente Reisen, wenig Schlaf und kaum Erholung könnten einen Wrestler ebenso stark zermürben. Er selbst habe sich an diesen Rhythmus irgendwann einfach gewöhnt.
Ein eigener Tourbus verlängerte nach Wights Einschätzung seine Karriere
Ab 2006 entschied sich Wight deshalb für eine Lösung, die damals noch keineswegs für jeden WWE-Star selbstverständlich war. Er mietete auf eigene Kosten einen Tourbus und richtete ihn praktisch wie eine mobile Wohnung ein. Kleidung und Wrestling-Ausrüstung blieben dort, während er an Flughäfen oftmals lediglich mit Geldbörse und Telefon unterwegs war.
Nach einer Show konnte Wight sofort auf den Bus zurückkehren, essen, sich behandeln und schlafen, während der Fahrer bereits zur nächsten Stadt fuhr. Andere Wrestler hätten ihn anfangs wegen dieses Luxus aufgezogen. Mit der Zeit hätten jedoch immer mehr Kollegen erkannt, welchen Unterschied ein eigener Rückzugsort bei einem derart intensiven Reiseplan machen konnte.
Wight ist überzeugt, dass diese Entscheidung seine aktive Karriere sogar verlängerte. Während andere nach einer Veranstaltung noch mehrere Stunden selbst fahren oder sich um Hotels kümmern mussten, konnte er früher mit der Regeneration beginnen. Heute seien entsprechende Busse bei vielen Topstars längst wesentlich normaler geworden.
Wight sieht für sich weiterhin zusätzliche Möglichkeiten bei AEW
Trotz seines inzwischen deutlich reduzierten Arbeitspensums glaubt Wight nicht, dass seine Rolle bei AEW bereits vollständig festgelegt ist. Mit der weiteren Entwicklung des Unternehmens und seiner eigenen körperlichen Verbesserung könne er sich vorstellen, künftig wieder mehr Aufgaben zu übernehmen. Neben seinen bisherigen Tätigkeiten denkt er dabei weiterhin auch an eine mögliche Rückkehr in den Ring.
Gleichzeitig genießt er es inzwischen, die großen Momente anderer Wrestler aus einer anderen Perspektive mitzuerleben. Rund um AEW All In London zeigte er sich besonders begeistert davon, dass die Talente im Wembley-Stadion vor dem britischen Publikum antreten können. Die Reaktionen der Fans und die unterschiedlichen Wrestling-Kulturen seien aus seiner Sicht ein wichtiger Teil dessen, was Wrestler im Laufe ihrer Karriere lernen müssten.

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