Im laufenden Fall gegen Ludwig Kaiser alias Marcel Barthel gibt es gleich zwei neue Entwicklungen. Fightful Select berichtet, dass mehrere interne WWE-Quellen glauben, die ICE-Erzählung rund um Kaisers Verhaftung sei gezielt aus dem Unternehmen heraus an Wrestling-Medien gespielt worden. Gleichzeitig liegen nun erste konkrete Prozessdaten vor, die zeigen, wann sich das Verfahren entscheiden könnte.
ICE-Erzählung aus dem WWE-Umfeld gestreut
Als die Geschichte die Runde machte, Kaiser habe sich und seine Partnerin Andrea Bazarte gegen eine angebliche Drohung des mutmaßlichen Opfers, die US-Einwanderungsbehörde ICE zu rufen, verteidigt, verbreitete sich diese Version besonders schnell in Mexiko, wo Kaiser als El Grande Americano enorme Popularität genießt. Dort wird die Geschichte häufig als Schutzreaktion gegenüber einer rassistisch motivierten Drohung gewertet, was die Sympathiewelle für Kaiser weiter verstärkt hat.
Laut Sean Ross Sapp von Fightful Select glauben jedoch mehrere interne WWE-Quellen, dass diese Erzählung gezielt aus dem Unternehmen heraus in Umlauf gebracht worden sei. So sei eine unbekannte Nummer in Kontakt mit mehreren Wrestling-Medien getreten, um diese Geschichte zu platzieren.
Weder Kaiser selbst, noch Bazarte, noch ein Mitglied von WWEs offiziellem PR-Team hätte die Medien kontaktiert. WWE-Verantwortliche seien bereits in der Nacht der Verhaftung über alle Details des Vorfalls informiert worden. Von offiziellen Disziplinarmaßnahmen gegen Kaiser werde abgesehen. Intern gehe man außerdem davon aus, dass die Anklage letztlich fallen gelassen werde, basierend auf Informationen, die dem Unternehmen vorlägen.
Reaktion im Roster: Skepsis gegenüber der Selbstverteidigungsthese
Die Reaktionen im WWE-Roster auf den Vorfall seien gespalten, berichten Fightful und F4WOnline. Zwar habe Kaiser aktuell keinen Backstage-Heat innerhalb des Unternehmens, und WWE plane keine Maßnahmen gegen ihn. Ein Teil des Rosters habe die ICE-Erzählung als Rechtfertigung für Kaisers Verhalten jedoch nicht für überzeugend gehalten.
Die verbreitete Haltung unter diesen Personen sei, dass Kaiser sich aus der Situation hätte entfernen sollen, anstatt sie körperlich eskalieren zu lassen. Dabei geht es weniger um moralische Bewertung als um die praktische Einschätzung: In einer Situation wie dieser, so die Kritiker im Roster, hätte ein professioneller Wrestler anders reagieren müssen. Wie groß der Teil des Rosters ist, der diese Ansicht teilt, lässt sich aus den Berichten nicht ableiten.
Vorverhandlung am 16. Juli: Möglicher Prozess im August
Aus neuen Gerichtsdokumenten geht hervor, dass eine Vorverhandlungskonferenz im Fall Kaiser offiziell für den Vormittag des 16. Juli in Orlando, Florida, angesetzt wurde. Eine Vorverhandlungskonferenz ist ein regulärer Verfahrensschritt, bei dem Verteidigung und Staatsanwaltschaft gemeinsam mit dem Richter klären, wie das Verfahren weitergeht.
Dabei gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Entweder einigen sich beide Seiten auf eine Absprache, die den Fall ohne Verhandlung beendet, oder das Verfahren steuert auf eine vollständige Verhandlung zu. In den Gerichtsdokumenten wird außerdem der mögliche Verhandlungszeitraum vom 10. bis zum 28. August genannt. Das bedeutet, dass das Verfahren im günstigsten Fall bereits vor dem Sommerende abgeschlossen sein könnte.
Kaiser hat auf nicht schuldig plädiert. Der zugrunde liegende Vorfall ereignete sich am 23. April in seinem Apartmentkomplex in Orlando, nachdem ein Anwohner Kaiser und seine Begleiterin auf ihr Verhalten im Aufzug angesprochen hatte.
Gunther als Bürge: Unter bürgerlichem Namen eingetragen
Ein besonderes Detail aus den Gerichtsdokumenten betrifft Kaisers langjährigen Weggefährten Gunther. Aus den Unterlagen geht hervor, dass Gunther, bürgerlich Walter Hahn, die Kaution in Höhe von 1.000 Dollar persönlich hinterlegt und das entsprechende Dokument unterschrieben hat.
Als formeller Bürge wurde er auch offiziell über den Termin der Vorverhandlungskonferenz am 16. Juli informiert. Gunther und Kaiser verbindet eine langjährige Geschichte: Beide waren jahrelang als Kern der Gruppierung Imperium gemeinsam aktiv, bevor Kaiser eine eigene Richtung einschlug.
Dass Gunther in dieser Situation persönlich für seinen ehemaligen Partner einsteht, ist eine bemerkenswert menschliche Geste abseits aller Kameras und Storylines. Für Kaiser selbst ändert sich vorerst nichts: Er darf weiterhin in- und international reisen und nimmt seine Verpflichtungen bei WWE und AAA regulär wahr.

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