Langjähriger WWE-CFO George Barrios blickt zurück: Wie WWE sich neu erfand und zur Milliarden-Marke wurde

Ex-WWE-CFO George Barrios überlegt
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George Barrios gehörte über viele Jahre zur WWE-Führung und spielte gemeinsam mit Michelle Wilson eine wichtige Rolle beim Wandel des Unternehmens zu einem globalen Medienkonzern. In Interviews zu seiner neuen Autobiografie sprach der ehemalige WWE-Co-Präsident über diese Entwicklung, seine Zusammenarbeit mit Vince McMahon und den Saudi-Arabien-Deal, der WWE vor große Herausforderungen stellte.

Wie WWE sich neu erfand

Als George Barrios 2008 zur WWE kam, erwirtschaftete das Unternehmen rund 400 Millionen US-Dollar Umsatz pro Jahr. Der Schwerpunkt lag damals vor allem auf Live-Events, Pay-per-Views und den wöchentlichen TV-Shows.

Gemeinsam mit Michelle Wilson begann Barrios jedoch schon früh damit, die langfristige Zukunft des Unternehmens zu analysieren. Nach rund einem Jahr intensiver Untersuchungen verschiedener internationaler Märkte kamen beide zu dem Schluss, dass sich die Unterhaltungsbranche grundlegend veränderte. WWE müsse sich deshalb ebenfalls verändern, um langfristig erfolgreich zu bleiben.

Die Idee war, WWE nicht länger nur als Veranstalter von Wrestling-Shows zu betrachten. Stattdessen sollte das Unternehmen zu einer weltweiten Content-Marke werden, die rund um die Uhr Inhalte für Fernsehen, Streaming-Dienste, soziale Netzwerke und digitale Plattformen produziert.

Im POST Wrestling Podcast erklärte Barrios, dass damals viele Menschen immer wieder darüber diskutierten, ob Wrestling überhaupt ein Sport sei. Für ihn habe diese Frage jedoch keine Bedeutung gehabt. Entscheidend war für ihn, dass die WWE etwas besaß, was nur wenige Unternehmen bieten konnten: Live-Inhalte, eine weltweite Fanbasis, Zuschauer aus mehreren Generationen und eine enorme Leidenschaft innerhalb der Community. Genau auf dieser Grundlage wurde die Strategie aufgebaut, die die WWE in den folgenden Jahren grundlegend verändern sollte.

Selbst Vince McMahon war zunächst skeptisch

Die Wachstumsziele, die Barrios und Wilson dem Management präsentierten, wirkten damals äußerst ambitioniert. Intern wurde darüber gesprochen, den Umsatz deutlich zu steigern, den Gewinn massiv auszubauen und den Gesamtwert des Unternehmens auf ein völlig neues Niveau zu heben.

Nach Angaben von Barrios reagierte sogar Vince McMahon zunächst zurückhaltend auf diese Prognosen. Obwohl McMahon grundsätzlich als großer Optimist galt, habe er zeitweise geglaubt, sein Team sei mit seinen Erwartungen zu weit gegangen.

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Barrios erinnerte sich, dass McMahon wohl dachte, seine engsten Mitarbeiter hätten den Bezug zur Realität verloren. Erst als die Strategie Schritt für Schritt aufging und die Zahlen die Erwartungen bestätigten, sei das Vertrauen gewachsen.

Rückblickend sieht Barrios die Entwicklung als Bestätigung ihrer Vision. WWE entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten digitalen Sport- und Unterhaltungsmarken weltweit. Besonders auf YouTube erzielte das Unternehmen Reichweiten, die zeitweise sogar über denen vieler etablierter Sportligen lagen.

Der Saudi-Arabien-Deal und eine Entscheidung mit enormem Risiko

Zu den schwierigsten Projekten während seiner WWE-Zeit zählt Barrios die Partnerschaft mit Saudi-Arabien. Aus wirtschaftlicher Sicht erschien die Zusammenarbeit zunächst äußerst attraktiv. Saudi-Arabien gehörte zu den Ländern mit dem höchsten YouTube-Konsum weltweit und verfügte bereits über eine große WWE-Fangemeinde. Die geplanten Veranstaltungen versprachen daher enorme Chancen für das Unternehmen.

Die Situation änderte sich jedoch schlagartig nach dem Tod des Journalisten Jamal Khashoggi im Jahr 2018. Plötzlich stand Saudi-Arabien weltweit in der Kritik, und auch WWE geriet wegen der geplanten Partnerschaft unter erheblichen öffentlichen Druck.

Barrios schilderte, dass Vince McMahon die Situation damals als die schwierigste geschäftliche Entscheidung seines Lebens bezeichnet habe. In einem nächtlichen Gespräch mit Barrios und Michelle Wilson habe McMahon erklärt, er habe das Gefühl, mit dieser Entscheidung möglicherweise die Zukunft des gesamten Unternehmens aufs Spiel zu setzen.

Trotz der Kontroversen entschied sich WWE, die Verhandlungen fortzusetzen. Barrios berichtete, dass er direkt nach einer Telefonkonferenz mit Investoren in einen Privatjet stieg und nach Riad flog, um die Gespräche vor Ort abzuschließen.

Rückblickend bezeichnete er diese Verhandlungen als eine der außergewöhnlichsten, intensivsten und zugleich interessantesten Erfahrungen seiner gesamten Karriere.

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Die Idee einer WWE-UFC-Verbindung entstand lange vor TKO

Heute gehören WWE und UFC gemeinsam zur TKO Group Holdings. Für viele Fans wirkt diese Verbindung wie eine Entwicklung der vergangenen Jahre. Laut Barrios wurden entsprechende Überlegungen jedoch bereits deutlich früher angestellt.

Schon 2018 und 2019 diskutierte er mit Vince McMahon darüber, wie WWE den nächsten großen Wachstumsschritt erreichen könnte. Dabei wurde auch die UFC als möglicher Partner oder sogar als Übernahmekandidat in Betracht gezogen.

Barrios vertrat damals die Ansicht, dass WWE über das stärkere Management verfüge und deshalb bei einer möglichen Fusion die führende Rolle übernehmen sollte.

Bekanntlich kam es anders. Endeavor setzte sich letztlich durch, und WWE wurde Teil der neu geschaffenen TKO-Struktur. Dennoch betonte Barrios, dass die spätere Fusion keineswegs eine spontane Idee gewesen sei. Die Möglichkeit einer Verbindung zwischen WWE und UFC sei intern bereits Jahre vor der offiziellen Ankündigung intensiv diskutiert worden.

Vom 400-Millionen-Unternehmen zum Milliardenkonzern

Als George Barrios die WWE im Januar 2020 verließ, hatte sich das Unternehmen grundlegend verändert. Aus einer Firma mit einem Jahresumsatz von rund 400 Millionen US-Dollar war ein weltweit agierender Medienkonzern mit einem geschätzten Unternehmenswert von mehr als neun Milliarden US-Dollar geworden.

Der Aufbau des WWE Networks, die starke Expansion auf YouTube und anderen digitalen Plattformen, die Partnerschaft mit Saudi-Arabien sowie die strategischen Grundlagen für die spätere TKO-Fusion zählen zu den wichtigsten Projekten, an denen Barrios und Michelle Wilson beteiligt waren.

In seiner im Juni 2026 veröffentlichten Autobiografie „Sometimes Wrong but Never in Doubt: How a Cuban Kid from Queens Transformed WWE“ blickt Barrios ausführlich auf diese Zeit zurück und gewährt seltene Einblicke in die Entscheidungen, Risiken und Kontroversen, die den Aufstieg der WWE zu einem Milliardenunternehmen geprägt haben.

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