Rund um den von John Cena angekündigten „John Cena Classic“ sind neue Hintergrund-Details bekannt geworden, und zugleich wächst die Kritik prominenter Branchen-Stimmen am Konzept. Ein aktueller Bericht benennt erstmals ein konkretes Zeitfenster für das geplante Event und bestätigt, dass mit Netflix ein prominenter Streaming-Anbieter Interesse signalisiert hat. Gleichzeitig zerlegen Wrestling-Veteranen wie Jeff Jarrett und Lance Storm den Wahl-Modus des Turniers in seine Einzelteile.
Was der Bericht zum Zeitfenster offenlegt
Laut WrestleVotes Radio auf Fightful Select gibt es für den John Cena Classic bislang weder ein festes Datum noch einen bestätigten Veranstaltungsort. Quellen deuteten allerdings darauf hin, dass intern ein Termin Anfang Dezember 2026 als logistisch sinnvollste Variante gilt. Dieser Zeitpunkt würde gleich doppelt passen. Zum einen ließe er sich gut in den bestehenden WWE-Veranstaltungskalender einfügen, zum anderen fiele er mit dem einjährigen Jubiläum von John Cenas Abschiedsmatch zusammen.
Cena hat sein letztes Match im Dezember 2025 beim „WWE Saturday Night’s Main Event” TV-Special gegen Gunther bestritten. Parallel dazu kursiert allerdings auch ein anderes Gerücht, demzufolge das Turnier bereits im November 2026 in einer Raw-Ausgabe in Cenas Heimatstadt Boston starten könnte. Bestätigt ist keine der beiden Varianten.
Netflix-Interesse und die offene Verbreitung
Ein bemerkenswerter Teil des Berichts betrifft das Außeninteresse am Event. Demnach hat Netflix nahezu unmittelbar nach der Backlash-Ankündigung signalisiert, den John Cena Classic auf seiner Plattform zeigen zu wollen. Eine finale Vereinbarung über die Verbreitung gibt es bislang allerdings nicht. WWE arbeitet ohnehin bereits eng mit Netflix zusammen, unter anderem laufen Monday Night Raw sowie internationale Premium Live Events über den Streaming-Dienst. Ein Andocken des John Cena Classic an diese Partnerschaft wäre damit naheliegend, offiziell bestätigt ist es aber noch nicht.
Ankündigung vor der Konzept-Fertigstellung
Warum aktuell so viele Details offen sind, lässt sich mit einer Einordnung von Dave Meltzer erklären. Im Wrestling Observer Daily berichtete Meltzer, dass WWE das Konzept des John Cena Classic noch gar nicht fertig ausgearbeitet hatte, als Cena es öffentlich machte. WWE habe die Enthüllung bewusst beim Premium Live Event Backlash platzieren wollen, weshalb die Ankündigung herausging, bevor Format und Präsentation final festgelegt waren.
Damit handelt es sich beim John Cena Classic aktuell um ein bewusst früh kommuniziertes, aber noch in Entwicklung befindliches Projekt. Genau das deckt sich mit dem WrestleVotes-Bericht, demzufolge bislang nur sehr wenig am Gesamtkonzept tatsächlich feststeht.
Das Konzept: Main Roster gegen NXT und der Fan-gewählte Champion
Inhaltlich orientiert sich das „John Cena Classic” an der Ausgabe des „WWE Saturday Night’s Main Event” TV-Specials vom 13. Dezember 2025 in Washington, D.C., bei der sich Stars des Main Rosters mit Talenten aus WWE NXT maßen. Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des neuen Events liegt jedoch im Wahl-Modus. Der Sieger wird nicht über die Ergebnisse der einzelnen Matches ermittelt, sondern per Fan-Abstimmung zum John Cena Classic Champion gekürt.
Bei der Ankündigung formulierte Cena den Kern des Konzepts wie folgt: „Ihr, das Publikum, die Fans, werdet abstimmen, um den Champion des John Cena Classic zu krönen.“ Bemerkenswert ist zudem, dass Cena den John Cena Classic ausdrücklich nicht als einmaliges Event versteht, sondern als wiederkehrenden Bestandteil des WWE-Kalenders etablieren möchte.
Die Dezember-2025-Vorlage-Show und ihre Erfolgs-Bilanz
Wie tragfähig das Konzept grundsätzlich ist, zeigt der Blick auf die Vorlagen-Show vom Dezember 2025. Damals besiegte Sol Ruca Bayley, Oba Femi traf auf Cody Rhodes, und Je’Von Evans und Leon Slater trafen im Tag Team Match auf AJ Styles und Dragon Lee. Cena selbst verlor sein Abschiedsmatch gegen Gunther. Entscheidend ist allerdings, was aus den damals präsentierten NXT-Talenten wurde.
Oba Femi forderte später bei WrestleMania 42 Brock Lesnar heraus und besiegte ihn, Je’Von Evans verpasste bei WrestleMania 42 nur knapp die Intercontinental Championship, und Sol Ruca schaffte den Sprung zu RAW, wo sie inzwischen Becky Lynch um die Women’s Intercontinental Championesse herausfordert. Genau diese Erfolgs-Bilanz erklärt, warum John Cena und WWE das Konzept umsetzen möchten.
Jeff Jarrett und Lance Storm zerpflücken das Konzept
Trotz dieser Vorgeschichte stößt der Wahl-Modus auf deutliche Kritik. In seinem gemeinsam mit Lance Storm moderierten My-World-Podcast nahm AEW-Manager Jeff Jarrett das Konzept auseinander. Jarrett, der Cena als Performer ausdrücklich schätzt, räumte zunächst ein, dass die WWE mit den Social-Media-Aktivitäten rund um das Turnier Geld verdienen werde.
Dazu sagte er: „Aus geschäftlicher Sicht verstehe ich das. Es wird eine X-Umfrage geben, eine TikTok-Umfrage, sie werden auf jeder Social-Media-Plattform präsent sein.“
Doch sein eigentlicher Einwand betrifft die erzählerische Ebene. Wenn man Champion werden könne, ohne seine Matches zu gewinnen, gehe genau jene Komponente verloren, die Wrestling trage, nämlich das bewusste Aussetzen der Skepsis. Jarrett fragte, warum sich Fans dann überhaupt noch für einen Hip Toss, einen False Finish oder einen spektakulären Move vom obersten Seil interessieren sollten.
Eine zweite, noch konkretere Sorge betrifft die wirtschaftliche Logik im Ring. Jarrett fragt: Warum sollte ein hoch bezahlter Main-Roster-Star einem deutlich schlechter bezahlten NXT-Talent zu einem starken Auftritt verhelfen, wenn dieses Talent durch einen Sieg bei der Fan-Abstimmung am Ende den eigenen Job gefährden könnte?
Diese Bedenken decken sich mit Aussagen, die zuvor bereits Lance Storm geäußert hatte. Cena selbst hat den möglichen Misserfolg übrigens vorweggenommen. In einem Beitrag auf X schrieb er, der John Cena Classic sei womöglich nicht perfekt, aber authentisch, und er sei sich des Risikos eines totalen Fehlschlags bewusst.

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