Raj Dhesi hat WWE in seiner Karriere bereits zweimal verlassen und kennt deshalb nicht nur die großen Erfolge, sondern auch die Unsicherheit, die mit einem solchen Einschnitt verbunden sein kann. Mehr als zwei Jahre nach seinem bislang letzten WWE-Auftritt blickt der frühere Jinder Mahal inzwischen mit etwas Abstand auf diese Phase zurück.
Dabei beschäftigt ihn nicht nur die Frage, ob seine eigene Geschichte mit WWE tatsächlich abgeschlossen ist. Dhesi hat sich nun auch ausführlich dazu geäußert, was bei einer Entlassung vertraglich überhaupt passiert und weshalb die häufig verwendete Bezeichnung einer 90-tägigen Wettbewerbssperre seiner Ansicht nach ein falsches Bild vermittelt.
Jinder Mahal widerspricht einem verbreiteten WWE-Begriff
Ausgangspunkt für Dhesis aktuelle Äußerungen war die erneute Diskussion über die sogenannten 90-Tage-Wettbewerbsverbote bei WWE. Der frühere WWE Champion machte auf X deutlich, dass diese Bezeichnung aus seiner Sicht nicht korrekt sei. Wenn WWE einen Wrestler entlässt, beginnt nicht erst nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses eine dreimonatige Sperre. Stattdessen informiere das Unternehmen das Talent darüber, dass der Vertrag in 90 Tagen beendet werde.
Während dieser Zeit bleibe der Wrestler weiterhin bei WWE unter Vertrag und werde entsprechend bezahlt. Erst wenn diese Frist abgelaufen sei, ende das Vertragsverhältnis und das Talent könne für eine andere Promotion antreten.
Ganz anders verhalte es sich laut Dhesi, wenn ein Vertrag regulär sein vereinbartes Ablaufdatum erreiche. In diesem Fall gebe es keine zusätzliche Wartezeit. Der Wrestler könne nach dem Vertragsende unmittelbar für ein anderes Unternehmen arbeiten. Dhesi hält deshalb die seit Jahren gebräuchliche Formulierung einer „90-day non-compete clause“ für irreführend. Für ihn handelt es sich vielmehr um eine vertragliche Kündigungsfrist.
Dhesi versteht die Aufregung vieler Fans nicht
Auch auf Kritik an dieser Regelung reagierte der frühere WWE Champion. Nach seiner Wahrnehmung würden sich Fans häufig stärker über die 90 Tage aufregen als die betroffenen Wrestler selbst. Für die Talente liege die eigentliche Unsicherheit weniger in den drei Monaten, in denen sie weiterhin bezahlt würden. Entscheidend sei vielmehr die Frage, wie es anschließend weitergehe.
Dhesi erklärte außerdem, dass WWE während der Kündigungsfrist weiterhin die wöchentliche vertragliche Garantie zahle. Diese Zahlungen würden auf den garantierten Gesamtbetrag des jeweiligen Vertrags angerechnet. Sollte nach Ablauf der Frist noch eine entsprechende Differenz bestehen, werde diese ebenfalls ausgeglichen.
Über seine eigene Situation äußerte sich Dhesi bemerkenswert gelassen. Er habe kein Problem damit gehabt, während dieser 90 Tage einen sechsstelligen Betrag zu verdienen und gleichzeitig überlegen zu können, welchen Weg er anschließend einschlagen wolle. Auch dem Argument, WWE ziehe sich mit einer solchen Klausel einseitig aus mehrjährigen Verträgen zurück, widersprach er. Die entsprechende Regelung sei Bestandteil der Verträge, die beide Seiten zuvor freiwillig unterschrieben hätten.
Sein eigener WWE-Abschied hinterließ trotzdem ein unbefriedigendes Gefühl
Dass Dhesi die vertragliche Vorgehensweise verteidigt, bedeutet allerdings nicht, dass er mit der Art seines persönlichen Abschieds vollständig zufrieden ist. In einem Interview bei „TMZ Inside The Ring“ sprach er im Juli 2026 offen darüber, dass ihm bei seinem zweiten WWE-Aus etwas gefehlt habe. Nach einer längeren Phase ohne bedeutende TV-Rolle sei schließlich der Anruf gekommen, mit dem ihm seine Entlassung mitgeteilt wurde.
Genau dieser Ablauf habe bei ihm nicht das Gefühl ausgelöst, seine WWE-Karriere auf eine angemessene Weise beendet zu haben. Dhesi betonte zugleich, dass er WWE deshalb keineswegs verbittert gegenüberstehe. Das Unternehmen habe ihm während seiner Karriere sehr viel ermöglicht und profitiere auch heute noch von dem Namen und der Bekanntheit, die er dort aufbauen konnte. Trotzdem würde er einen anderen Abschluss bevorzugen, sollte sich irgendwann die Gelegenheit dazu ergeben.
Für eine WWE-Rückkehr müsste es einen echten Plan geben
Eine erneute Verpflichtung durch WWE schließt Dhesi grundsätzlich nicht aus. Allerdings würde ihm nach eigener Aussage ein Vertrag allein nicht genügen. Entscheidend wäre eine langfristige kreative Perspektive. Dhesi möchte nicht noch einmal verpflichtet werden, anschließend über längere Zeit keine klare Aufgabe erhalten und bei der nächsten Entlassungsrunde um seine Zukunft bangen müssen.
Gerade diese Situation hat ihn während seiner letzten WWE-Phase belastet. Sobald Meldungen über bevorstehende Entlassungen die Runde gemacht hätten, sei die Ungewissheit für nicht regelmäßig eingesetzte Talente enorm gewesen. Für eine weitere Zusammenarbeit müsste deshalb von Beginn an klar sein, weshalb WWE ihn zurückholt und welche Geschichte mit ihm erzählt werden soll.
Dhesi hat sogar bereits einen möglichen Abschluss vor Augen. Er könne sich ein klassisches „Loser Leaves Town Match“ vorstellen. Eine solche Niederlage würde es ihm ermöglichen, seine WWE-Geschichte vor dem Publikum sichtbar zu beenden und anschließend gewissermaßen in den Sonnenuntergang zu gehen.
Auch bei AEW gab es bislang keinen offiziellen Vorstoß
Schon nach seinem WWE-Aus wurde immer wieder darüber spekuliert, ob Dhesi bei All Elite Wrestling landen könnte. Konkrete Gespräche scheint es zumindest nach seinem eigenen Kenntnisstand, jedoch nicht gegeben zu haben. Bereits im Februar 2025 erklärte Dhesi bei „For The Love of Wrestling“, dass ihn AEW auf offizieller Ebene nicht kontaktiert habe.
Grundsätzlich schloss er damals auch eine Verpflichtung durch eine andere große Promotion nicht aus. Seine Bedingungen ähnelten jedoch auffällig dem, was er inzwischen über eine mögliche WWE-Rückkehr erklärt. Storyline, geschäftliche Rahmenbedingungen und seine eigene Rolle müssten zusammenpassen. Dhesi befindet sich nach eigener Einschätzung nicht mehr an einem Punkt seiner Karriere, an dem er allein wegen eines Vertrags unterschreiben müsste.
Nach vielen Jahren mit einem intensiven WWE-Zeitplan genießt er inzwischen die größere Freiheit, arbeitet in der Independent-Szene und verfolgt auch Projekte außerhalb des Wrestlings.

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