Ex-Präsidentschaftskandidat zerlegt TKO nach diesjähriger WrestleMania

Andrew Yang, ehemaliger US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten und heutiger Vorsitzender der Forward Party, hat nun öffentlich gegen die TKO Group Holdings Stellung bezogen. Auf X warf der Unternehmer der Mutterorganisation der WWE vor, die jüngste Großveranstaltung im Allegiant Stadium von Las Vegas, die zum zweiten Mal in Folge dort ausgetragen wurde, in eine falsche Richtung gelenkt zu haben.

Yang, der sich seit Jahren regelmäßig zu wirtschaftspolitischen und kulturellen Themen äußert, gilt als ausgewiesener Wrestling-Fan. Er nutzt seine Reichweite immer wieder, um auf strukturelle Probleme innerhalb der Branche aufmerksam zu machen: „Es scheint, als hätte TKO WWE/WrestleMania mit Werbung und Prominenten völlig ruiniert und sich vom Kern des Pro-Wrestlings entfernt. Talentierte Darsteller zahlen dafür den Preis“, schrieb Yang in seinem Beitrag.

Werbeflut und Promi-Auftritte als Streitpunkt

Yang reiht sich damit in eine wachsende Gruppe von Fans ein, die sich an der hohen Anzahl an Werbung während der Übertragung störten. Hinzu kommt aus seiner Sicht ein zunehmender Fokus auf Celebrities in zentralen Storylines. Besonders die prominente Einbindung von Pat McAfee und Jelly Roll rund um das Main-Event zwischen Randy Orton und Cody Rhodes habe bei einem Teil des Publikums für Unmut gesorgt.

Yang argumentiert, dass durch diese Schwerpunktverlagerung vor allem die eigentlichen Performer ins Hintertreffen geraten, weil die Bühne zunehmend von externen Akteuren beansprucht werde.

Die Debatte rund um Werbeunterbrechungen ist dabei kein neues Phänomen, sie hat in den vergangenen Monaten allerdings spürbar an Intensität gewonnen. Mit dem Wechsel auf größere Übertragungspartner wie Netflix und ESPN sind nicht nur die Produktionsstandards gestiegen, sondern auch die kommerziellen Anforderungen an die Show.

In sozialen Netzwerken kursierten nach WrestleMania 42 zahlreiche Beiträge, in denen Fans die schiere Frequenz der Werbeblöcke und die Länge einzelner Promo-Segmente mit externen Stars bemängelten. Yang greift mit seinem Beitrag also eine Stimmung auf, die in der Community ohnehin bereits hörbar war.

Welle von WWE-Abgängen heizt die Debatte an

Untermauert wird Yangs Kritik durch die Personalentscheidungen der vergangenen Tage. Im Laufe der Woche gaben mehrere WWE-Superstars bekannt, dass sie das Unternehmen verlassen werden. Ein Teil von ihnen wurde direkt entlassen, bei anderen wurden auslaufende Verträge schlicht nicht verlängert. Für Yang ist das ein Beleg dafür, dass der Konzern in seiner aktuellen Ausrichtung an den falschen Stellen spare.

Hinzu kommt, dass die Entlassungswelle zeitlich auffällig nah an einer Veranstaltung stattfand, die WWE selbst als Rekordprodukt vermarktet. Während das Unternehmen also öffentlich Bestmarken in nahezu allen Bereichen kommuniziert, sehen sich gleichzeitig zahlreiche Wrestler ohne neuen Vertrag.

Diese Spannung zwischen makroökonomischer Erfolgsmeldung und individuellen Karriereeinschnitten ist in der aktuellen Wrestling-Berichterstattung ein wiederkehrendes Motiv und liefert Kritikern wie Yang die argumentative Grundlage.

WWE meldet trotz Kritik Rekordzahlen

Die WWE selbst zeichnet ein deutlich anderes Bild. Laut einer offiziellen Pressemitteilung handelt es sich bei WrestleMania 42 um eine der umsatzstärksten Veranstaltungen der Unternehmensgeschichte. Mehr als 106.000 Menschen besuchten die zweitägige Show, in den Bereichen Eintrittsgelder, Sponsoreneinnahmen, Merchandising sowie WWE World-Paid-Experience seien Rekorde oder annähernde Bestmarken erzielt worden: „WrestleMania am Samstag war die meistgesehene Sendung des Jahres auf ESPN2, während WrestleMania am Sonntag die meistgesehene Sendung des gesamten Wochenendes auf ESPN war“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Hinzu kommt ein neuer digitaler Bestwert: Über alle sozialen Plattformen hinweg generierte WrestleMania 42 mehr als 1,3 Milliarden Aufrufe, was einer Steigerung von 18 Prozent gegenüber dem bei WrestleMania 41 aufgestellten Rekord entspricht. Auch das fünftägige Fan-Erlebnis WWE World in Kooperation mit Fanatics erreichte bei den kostenpflichtigen Angeboten neue Höchstwerte und beherbergte erstmals eine eigene Lounge für die Mitglieder des kürzlich vorgestellten Club-WWE-Goldprogramms.

Diese Kennzahlen sind aus Sicht der TKO-Führung der zentrale Maßstab, an dem sich die strategische Ausrichtung messen lassen müsse. Für CEO Ari Emanuel und Präsident Mark Shapiro steht die Verzahnung von Sport- und Entertainment-Marken im Mittelpunkt, weshalb Auftritte prominenter Künstler oder Sportstars zur konsequenten Weiterentwicklung des Geschäftsmodells gehören. Während sich die wirtschaftlichen Argumente aus Konzernsicht also leicht untermauern lassen, bleibt die Frage offen, wie nachhaltig dieser Kurs aus rein sportlich-erzählerischer Perspektive ist.

Yangs WWE-Kritik ist kein Einzelfall

Bemerkenswert ist Yangs Engagement vor allem deshalb, weil er sich nicht zum ersten Mal kritisch zur WWE äußert. Bereits 2020 hatte er die damalige Unternehmenspolitik im Umgang mit Drittanbieter-Plattformen scharf angegriffen und sich offen für bessere Arbeitsbedingungen sowie für eine mögliche gewerkschaftliche Organisation der Wrestler ausgesprochen.

Der Hintergrund war damals eine Anweisung der WWE an ihre Stars, sämtliche externe Auftritte auf Plattformen wie Cameo oder Twitch einzustellen, was unter Aktiven, ehemaligen Wrestlern und Fans gleichermaßen für Empörung sorgte. Konkrete strukturelle Veränderungen folgten daraus zwar nicht, seine erneute Wortmeldung zeigt aber, dass die Debatte um den Einfluss von TKO und die strategische Ausrichtung des Marktführers im Pro-Wrestling weiter Fahrt aufnimmt.

Siehe auch: Hintergründe zu WrestleMania 43: Gescheiterte US-Pläne, Millionenförderung und Rückkehr nach Saudi-Arabien

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