Die NXT-Ausgabe vom 28. April aus dem WWE Performance Center markiert einen kompletten Neustart der Marke. Mit gleich sechs TV-Debüts an einem einzigen Abend reagiert die WWE auf die jüngsten Beförderungen und Entlassungen im Main Roster, durch die sich das Roster spürbar verändert hat. Talente wie Oba Femi, Trick Williams, Je’von Evans, Jordynne Grace, Joe Hendry, Ethan Page, Ricky Saints, Sol Ruca, Blake Monroe, Jacy Jayne, Fallon Henley und Lainey Reid sind jüngst befördert worden oder haben die Marke verlassen. Die Lücken wurden in einer einzigen Show systematisch geschlossen.
Im Mittelpunkt des Abends stand der spektakuläre Auftritt eines internationalen Top-Stars. Mit ihm betritt einer der polarisierendsten NJPW-Akteure der vergangenen Jahre die WWE-Bildfläche. Sein Name lautet EVIL.
EVILs Debüt: Lights-Out und ein Tuch mit Kanji-Symbol
Tony D’Angelo eröffnete das Segment mit einer Promo, in der er sich selbst als konstanteste Kraft von NXT bezeichnete und auf die mysteriöse Box vom 21. April einging. Diese Box mit japanischen Kriegssymbolen, die ihn in der Vorwoche erreicht hatte, betrachte er ausdrücklich als Warnung, nicht als Geschenk. Genau in diesem Moment ging in der Halle das Licht aus.
Als das Licht in blauen und violettfarbenen Tönen zurückkehrte, schritt eine dunkle Gestalt zum Ring. Es war EVIL, der ehemalige IWGP Heavyweight Champion. Er nahm seine Kapuze ab, blickte D’Angelo direkt ins Gesicht und überreichte ihm ein Tuch mit dem identischen Kanji-Symbol aus der mysteriösen Box. Ohne ein Wort verließ er anschließend den Ring. Das Publikum reagierte mit „EVIL“-Sprechchören.
„I’ve Arrived“: EVIL meldet sich auf Social Media
Über X reagierte EVIL kurz nach der Show mit einer prägnanten, dreiwortigen Botschaft: „I’ve Arrived.“ Mehr brauchte es nicht, um seine Ankunft im WWE-System zu bestätigen. Damit reiht sich EVIL in eine Reihe früherer NJPW-Stars ein, die den Sprung in die WWE gewagt haben. Vergleichbare Auftritte gab es zuletzt selten in dieser Wucht.
Vic Joseph bezog sich auf Evils Status als „ehemaliger IWGP Heavyweight Champion“ und ergänzte beiläufig, das überreichte Geschenk könne entweder ein Zeichen der Bewunderung oder schlichtweg „rein böse (pure evil)“ sein.
EVIL wollte selbst zu NXT
Eine besonders interessante Information lieferte Cory Hays von Bodyslam im Nachgang. Demnach habe EVIL ausdrücklich darum gebeten, seine WWE-Karriere bei NXT zu beginnen, anstatt durch das Unternehmen dorthin platziert zu werden. „EVIL ist auf eigenen Wunsch bei NXT.“
Diese Einordnung verändert den Kontext seines Debüts grundlegend. Frühere Berichte hatten ihn intern in einer Warteliste verortet, ohne klare Markenzuordnung. Spekulationen reichten von einem Main Roster-Einsatz auf SmackDown bis zu einem kompletten Repackaging mit neuem Namen. Dass er nun bei NXT auftritt, ist also kein Verlegenheitsschritt, sondern Teil seines eigenen Karriereplans. Aus seiner Perspektive bietet NXT die direktere Bühne, um sich im WWE-System zu profilieren, ohne im Main Roster sofort zwischen anderen etablierten Stars zerrieben zu werden.
Wie heißt EVIL künftig?
Eine zentrale Frage bleibt allerdings offen. WrestleVotes hat auf X bestätigt, dass die WWE noch keinen neuen Namen für EVIL festgelegt hat. „Mir wurde gesagt, dass die WWE noch keinen neuen Namen für EVIL festgelegt hat.“ Diese Unsicherheit war bereits während des Debüts spürbar. Auf den offiziellen WWE-YouTube-Vorschauen wurde er als „mysteriöser neuer Superstar“ beschrieben, die Show-Beschreibung sprach von einem „bösen neuen Herausforderer“.
Frühere Berichte hatten bereits angedeutet, dass die WWE den Namen EVIL möglicherweise komplett aufgeben würde, sobald der NJPW-Veteran auf TV erscheint. Wie das Unternehmen den Charakter langfristig vermarkten wird, ist also weiterhin offen, auch wenn die ersten Schritte deutlich machen, dass die Mystery-Optik fortgeführt wird.
Tony Khan blieb außen vor
Pikant ist auch, warum EVIL trotz der seit Jahren engen Kooperation zwischen NJPW und AEW nie bei Tony Khans Promotion auftauchte. WrestleTalk weist darauf hin, dass Khan die Arbeit des NJPW-Veteranen schlicht nicht schätze. Trotz Forbidden-Door-Crossover-Shows blieb EVIL stets außen vor. Die WWE konnte sich damit den Zugriff auf einen der erfahrensten internationalen Champions ohne nennenswerten Bieterkrieg sichern.
EVILs NJPW-Bilanz ist beeindruckend. Er war IWGP Heavyweight Champion, IWGP Intercontinental Champion, vierfacher NEVER Openweight Champion, sechsfacher NEVER Openweight 6-Man Tag Champion, zweifacher IWGP Tag Champion und Sieger des New Japan Cup. Bei Dominion 2020 schuf er sich seinen Mythos, als er Tetsuya Naito besiegte und damit Doppel-Champion wurde. Sein letztes NJPW-Match bestritt er bei New Year Dash 2026 als Tag mit der von ihm 2021 gegründeten Sub-Faction House of Torture. Zuvor war er als Schlüsselfigur von Los Ingobernables de Japón und Anführer von Bullet Club aktiv.
Sechs Debüts und ein Comeback
Neben EVIL und Will Kroos feierten am 28. April vier weitere Akteure ihr NXT-Debüt. Lizzy Rain überzeugte in ihrem ersten Match. Tristan Angels stellte sich als „Mr. England“ Myles Borne nach dessen North-American-Title-Sieg in den Weg. Kam Hendrix attackierte Borne anschließend und mischte sich gleich aktiv ein. Tate Wilder, ein Produkt des WWE-NIL-Programms und EVOLVE-Aufsteiger, kam Sean Legacy und EK Prosper nach einem Angriff der BirthRight-Gruppierung zur Hilfe und wurde Backstage von NXT General Manager Robert Stone begrüßt.
Sean Legacy selbst kehrte an diesem Abend nach einer Knöchelverletzung in den Ring zurück. Seit dem 10. März war er ausgefallen. Beim Comeback ersetzte er Dorian Van Dux und gewann gemeinsam mit EK Prosper gegen die BirthRight-Mitglieder Uriah Connors und Channing „Stacks“ Lorenzo.
AJ Styles als stiller Beobachter
Den Schlusspunkt des Abends setzte ein Detail, das erst nach der Show bekannt wurde. AJ Styles war während der gesamten NXT-Ausgabe Backstage anwesend, ohne vor den Kameras zu erscheinen. Sean Legacy postete später ein Backstage-Foto mit Styles auf Instagram und kommentierte den Abend mit den Worten „Last night was Phenomenal“.
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Styles war erst am 17. April 2026 in die WWE Hall of Fame aufgenommen worden. Beim Royal Rumble im Januar hatte er nach einer Niederlage gegen Gunther sein offizielles Karriereende verkündet. Seitdem arbeitet er als Talent Scout für die WWE. Im Stephanie-McMahon-Podcast „What’s Your Story?“ hielt er sich allerdings ein mögliches In-Ring-Comeback ausdrücklich offen. Niemals nie zu sagen sei für jeden Wrestler legitim, ein konkretes Datum nannte er aber nicht.
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