Chris Jericho enthüllt unverwirklichte WWE-Storyline und AEW-Einfluss

Chris Jericho lächelt auf der feurigen Stage

Chris Jericho hat im Interview mit GamesHub ausführlich über den Wettbewerb zwischen AEW und WWE, die finanziellen Auswirkungen auf die Branche sowie über persönliche Erfahrungen mit Backstage-Ideen gesprochen. Dabei gewährte er Einblicke in die Entstehung von AEW, kommentierte mögliche Szenarien rund um AJ Styles und erinnerte sich an eine nie umgesetzte Storyline aus seiner WWE-Zeit.

Wie AEW entstand und warum Wettbewerb wichtig ist

Im Gespräch machte Jericho deutlich, welche Bedeutung Konkurrenz für das Wrestling-Geschäft hat, und zog dabei Parallelen zur Vergangenheit. Aus seiner Sicht habe bereits der Aufstieg der WCW in den 1990er Jahren gezeigt, wie stark Wettbewerb die Branche beleben kann.

Er erklärte: „Das ist großartig. Das Beste, was der WWE je passiert ist, war, als die WCW in den Neunzigern richtig durchstartete. Das war großartig für die Fans und die Wrestler. Doch dann verschwand die WCW, Vince kaufte sie auf und plötzlich herrschte wieder ein Monopol. Als ich mich zum ersten Mal mit Tony Khan traf, dachte ich, das würde auf keinen Fall funktionieren, weil ich das schon so oft gehört hatte. Um eine Wrestling-Firma zu gründen, braucht man drei Dinge: Geld – jede Menge davon, Talente, die man sonst nirgendwo gesehen hat und die auf höchstem Niveau sind, was fast unmöglich zu finden ist, sowie einen hochkarätigen Fernsehvertrag.“

Im weiteren Verlauf beschrieb Jericho, warum AEW aus seiner Sicht dennoch erfolgreich starten konnte und welche Rolle bestimmte Namen dabei spielten: „Aber Tony kam mit der finanziellen Absicherung, der Leidenschaft, und dann standen folgende Talente zur Verfügung: Cody Rhodes, Kenny Omega – der ein riesiger Star war, aber in diesem Land noch nie im Fernsehen zu sehen gewesen war, Hangman Page, die Bucks, Orange Cassidy und Chris Jericho. Plötzlich hat man sechs bis acht Leute, die alle im Main Event antreten können. Das ist alles, was man braucht, um eine Firma zu gründen.

Und als wir dann loslegten, wusste ich, dass ich etwa drei Monate Zeit hatte, so viele Leute wie möglich aufzubauen, solange das Rampenlicht auf mir lag, da ich neben Jim Ross der einzige landesweit bekannte Star war. Also arbeitete ich mit Cody, Kenny, Hangman, Darby Allin, Scorpio Sky, Jungle Boy – so vielen Leuten wie möglich, um etwas von meinem Ruhm weiterzugeben. Dann stellte ich den Inner Circle mit Sammy, Ortiz, Santana und Jake zusammen. Plötzlich lastet nicht mehr alles auf meinen Schultern – es lastete auf sechs Schultern, dann auf zehn, dann auf zwölf. So baut man ein Unternehmen auf.“

Auswirkungen auf Gehälter und die Branche

Neben der sportlichen und kreativen Konkurrenz ging Jericho auch auf die finanziellen Folgen der AEW-Gründung ein. Dabei zog er einen Vergleich aus dem Eishockey, um die Entwicklung der Gehälter im Wrestling zu verdeutlichen:

Jericho machte deutlich, dass sein Wechsel spürbare finanzielle Folgen für die gesamte Wrestling-Branche hatte. Seinen Aussagen zufolge reagierte WWE unmittelbar mit höheren Gehältern für ihre Talente, nachdem er das Unternehmen verlassen hatte. Zur Veranschaulichung zog er einen Vergleich aus dem Eishockey heran: Anfang der 1970er Jahre wechselte Bobby Hull von der NHL zur damals neuen Liga WHA und erhielt dort einen Vertrag über eine Million Dollar. Dieser Schritt führte dazu, dass die Gehälter in der NHL insgesamt deutlich anstiegen. Jericho verwies in diesem Zusammenhang auch auf seinen Vater, der zu dieser Zeit als Eishockeyspieler tätig war und sein Einkommen von rund 35.000 Dollar jährlich auf etwa 100.000 Dollar steigern konnte, was im Jahr 1972 als außergewöhnlich hoch galt.

Übertragen auf das Wrestling erklärte Jericho, dass es zuvor über Jahre hinweg eine Art finanzielle Obergrenze gegeben habe. Unabhängig vom Status eines Wrestlers habe das garantierte Jahresgehalt meist bei etwa einer Million Dollar gelegen. Erst durch die neue Konkurrenzsituation sei diese Grenze aufgehoben worden, sodass viele Talente erstmals deutlich mehr verdienen konnten. Jericho sieht darin eine nachhaltige Veränderung der wirtschaftlichen Strukturen im Wrestling, die sich langfristig positiv auf die gesamte Branche ausgewirkt habe.

Jericho über AJ Styles und mögliche Szenarien

Ein weiterer Punkt des Interviews war die Situation rund um AJ Styles und die Frage, ob ein Wechsel zu AEW denkbar wäre. Jericho äußerte sich dazu vorsichtig und stellte klar, dass er nicht für andere sprechen wolle:

„Es gab eine Zeit, in der wir ihn im Auge hatten, als sein Vertrag auslief. Da stellten wir uns die Frage: Würde er gut zu uns passen? Natürlich würde er das. AJ ist ein großartiger Performer und ein toller Kerl. Aber man muss auch bedenken, dass man anders denkt, wenn man lange Zeit im System von Vince McMahon gearbeitet hat. Die WWE führt ihr Unternehmen auf eine bestimmte Art und Weise und AEW auf eine andere. Ich möchte mich nicht für AJ äußern, aber ich verstehe nicht, warum man an einem Ort in den Ruhestand gehen und dann sofort woanders hingehen sollte. Dennoch bin ich mir sicher, dass das immer eine Möglichkeit ist.“

Die WWE-Idee mit Bray Wyatt und Shawn Michaels

Zum Abschluss sprach Jericho über eine Storyline-Idee aus seiner WWE-Zeit, die letztlich nie umgesetzt wurde. Dabei schilderte er detailliert die Umstände, unter denen er seinen Vorschlag präsentierte, und warum dieser nicht weiterverfolgt wurde:

Jericho berichtete ausführlich von einer kreativen Idee aus seiner WWE-Zeit, die ihm bis heute im Gedächtnis geblieben ist, letztlich jedoch nie umgesetzt wurde. Seinen Schilderungen zufolge scheiterte der Vorschlag weniger an der Qualität der Idee, sondern vielmehr an den Umständen, unter denen er sie präsentierte. Als er das Büro von Vince McMahon betrat, war dort bereits Triple H anwesend, was aus seiner Sicht ungünstig gewesen sei, da er wichtige kreative Konzepte bevorzugt in einem persönlichen Gespräch unter vier Augen vorstellt. Zusätzlich hatte Vince zu diesem Zeitpunkt noch nichts gegessen, und Jericho betonte, dass McMahon während des Essens seine Aufmerksamkeit kaum anderen Themen widme.

Inhaltlich beschrieb Jericho die Idee als eine Storyline rund um die Wyatt Family, Bray Wyatt und Shawn Michaels. Der Plan sah vor, dass die Wyatt Family ihn attackiert und er sich daraufhin an Shawn Michaels wendet, obwohl zwischen ihnen eine Rivalität bestanden hatte. Michaels sollte als jemand dargestellt werden, der trotz der gemeinsamen Vergangenheit bereit ist, Jericho zu helfen. In der geplanten Umsetzung wäre es zunächst zu einer angespannten Konfrontation zwischen Jericho und Michaels gekommen, die jederzeit hätte eskalieren können. Noch bevor sich diese Situation jedoch zuspitzt, hätte die Wyatt Family beide angegriffen, wodurch sich eine gemeinsame Allianz gegen die Gruppierung entwickelt hätte. Ziel dieser Storyline wäre ein größeres Match gewesen, bei dem Jericho und Michaels als Team gegen die Wyatt Family antreten, mit einer klaren Ausrichtung auf ein mögliches Duell bei SummerSlam.

Jericho betonte, dass es sich aus seiner Sicht um einen durchdachten und überzeugenden Pitch gehandelt habe, auch wenn unklar gewesen sei, ob Shawn Michaels tatsächlich für eine solche Rolle zur Verfügung gestanden hätte. Dennoch habe die Idee alle notwendigen Elemente für eine größere Storyline enthalten. Die Reaktion von Vince McMahon fiel jedoch völlig anders aus als erwartet. Während Jericho seinen Vorschlag präsentierte, habe Vince sich ausschließlich auf sein Essen konzentriert. Nachdem Jericho seinen Pitch beendet hatte, habe McMahon lediglich das Steak kommentiert und bemängelt, dass es zäh sei. Auf die anschließende Nachfrage, wie ihm die Storyline gefalle, habe Vince nicht inhaltlich reagiert, sondern lediglich nach weiteren Ideen gefragt. Für Jericho war damit klar, dass sein Vorschlag keine Beachtung gefunden hatte und nicht weiterverfolgt werden würde.

Rückblickend nutzte Jericho diese Erfahrung, um zu verdeutlichen, wie stark kreative Prozesse im Wrestling von den Entscheidungsträgern abhängig sind. Wenn ein Verantwortlicher kein Interesse zeigt, kann selbst eine aus seiner Sicht überzeugende Idee schnell verworfen werden. Gleichzeitig zog er den Vergleich zu AEW und erklärte, dass auch dort letztlich die Meinung der Führungsebene entscheidend sei, wenn auch unter etwas anderen Voraussetzungen.

Siehe auch: Chris Jericho kehrt zurück: Überraschung bei AEW Dynamite

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