Chris Jericho hat in der aktuellen Ausgabe seines Podcasts „Talk Is Jericho“ ungewöhnlich offen über die frühere Rechtsstrategie der WWE gesprochen. Nach seinen Angaben verfolgte das Unternehmen während seiner Zeit dort eine klare Linie: Außergerichtliche Einigungen sollten grundsätzlich vermieden werden, selbst wenn eine schnelle Vergleichszahlung auf den ersten Blick die günstigere Lösung gewesen wäre.
Klare Unternehmensregel im Umgang mit Klagen
Das Thema kam auf, als Jericho über die hohe Zahl von Klagen in den USA sprach. Dabei erklärte er, dass es in seiner WWE-Zeit eine klar kommunizierte Unternehmenspolitik gegeben habe.
Demnach sei die WWE grundsätzlich nicht bereit gewesen, Rechtsstreitigkeiten durch außergerichtliche Vergleiche zu beenden. Nach Jerichos Darstellung spielte dabei keine Rolle, wie hoch die geforderte Summe war oder wie aussichtsreich eine Klage eingeschätzt wurde.
Die Botschaft des Unternehmens sei eindeutig gewesen: Wer die WWE verklagt, soll nicht davon ausgehen können, schnell eine Vergleichszahlung zu erhalten.
Jericho stellte dies nicht als geheime Information dar, sondern als eine bekannte Grundhaltung innerhalb des Unternehmens, die bei rechtlichen Auseinandersetzungen konsequent angewendet worden sei.
Warum die WWE lieber vor Gericht zog
Jericho erläuterte auch die Überlegung hinter dieser Strategie. Nach seinen Worten war die WWE bereit, höhere Kosten für die Verteidigung in einem Gerichtsverfahren in Kauf zu nehmen, wenn dadurch langfristig ein bestimmtes Signal vermieden werden konnte.
Als Beispiel nannte er die Situation, dass ein Unternehmen lieber 30.000 Dollar für die Verteidigung in einem Verfahren ausgeben könne, als einen Streit mit einer Vergleichszahlung von 10.000 Dollar zu beenden.
Auf den ersten Blick erscheine das wenig wirtschaftlich. Die WWE habe jedoch befürchtet, dass eine Vergleichszahlung andere Personen dazu ermutigen könnte, ebenfalls Klagen einzureichen.
Aus Sicht des Unternehmens könnte eine schnelle Zahlung den Eindruck vermitteln, dass sich rechtliche Schritte gegen die WWE lohnen. Dadurch bestehe die Gefahr, dass weitere Menschen versuchen, auf ähnliche Weise Geld zu erhalten.
Nach Jerichos Schilderung wollte die WWE genau diesen Eindruck vermeiden. Stattdessen habe das Unternehmen die Strategie verfolgt, Verfahren konsequent auszutragen, auch wenn dies kurzfristig höhere Kosten verursachte.
Langfristig sollte diese Vorgehensweise potenzielle Kläger abschrecken, deren Forderungen nach Ansicht des Unternehmens keine ausreichend starke rechtliche Grundlage hatten.
Jericho erlebte die Strategie selbst bei WWE
Jericho sprach dabei aus eigener Erfahrung. Er stand von 1999 bis 2005 sowie erneut von 2007 bis 2017 bei WWE unter Vertrag und gehörte über viele Jahre zu den bekanntesten Stars des Unternehmens.
Während dieser Zeit bekam er nach eigenen Angaben mit, wie die WWE in rechtlichen Angelegenheiten vorging. Seine Aussagen waren dabei nicht als Kritik an der Company gemeint. Vielmehr beschrieb er die Strategie als eine nachvollziehbare Reaktion auf die rechtlichen Rahmenbedingungen in den Vereinigten Staaten.
Für große und bekannte Unternehmen sei es nicht ungewöhnlich, regelmäßig mit Klagen konfrontiert zu werden. Jerichos Aussagen liefern jedoch einen seltenen öffentlichen Einblick in die Überlegungen, die nach seiner Erfahrung hinter dem Vorgehen der WWE standen.
Aktuelle Verfahren stehen nicht im direkten Zusammenhang
Die Aussagen von Jericho erfolgen zu einem Zeitpunkt, an dem die WWE in mehrere rechtliche Verfahren involviert ist. Unter anderem läuft weiterhin das Verfahren rund um die Klage von Janel Grant gegen WWE und Vince McMahon. Wie bereits bekannt wurde, prüfen die beteiligten Parteien derzeit die Möglichkeit, den Fall in ein vertrauliches Schiedsverfahren zu überführen.
Ein Schiedsverfahren ist jedoch nicht automatisch mit einer klassischen außergerichtlichen Einigung gleichzusetzen. Zwar findet ein solches Verfahren in der Regel nicht öffentlich statt, dennoch bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass eine schnelle Vergleichszahlung erfolgt.
Zudem wurde erst vor Kurzem die Aktionärsklage im Zusammenhang mit der Endeavor-Fusion außergerichtlich beigelegt. Jerichos Aussagen bezogen sich jedoch ausdrücklich auf die allgemeine Unternehmenspraxis während seiner WWE-Zeit und nicht auf aktuelle Rechtsstreitigkeiten.
Wichtig ist auch, dass Jericho selbst keinerlei Verbindung zu aktuellen Fällen herstellte. Seine Aussagen bezogen sich ausschließlich auf die allgemeine Praxis während seiner aktiven Zeit bei WWE. Heute steht der frühere World Champion bei AEW unter Vertrag.
