Carlito blickt inzwischen mit deutlich größerer Distanz auf seine zweite Zeit bei WWE zurück. Nachdem sein Vertrag im Sommer 2025 nicht verlängert wurde, hält sich der frühere United States Champion alle Möglichkeiten offen. Einen weiteren WWE-Run schließt er ebenso wenig ausdrücklich aus wie Engagements bei anderen Promotions.
In einem ausführlichen Gespräch mit Inside the Ropes sprach Carlito nun über seine Zukunft und gewährte gleichzeitig einen Einblick in den kreativen Prozess hinter den Kulissen von WWE. Besonders deutlich wurde dabei, weshalb er selbst nur begrenzt bereit war, seinen Ideen über Wochen hinterherzulaufen.
Carlito empfindet keine besondere Verpflichtung gegenüber WWE mehr
Carlito erklärte, dass er mit seiner WWE-Rückkehr bereits eines seiner wichtigsten persönlichen Karriereziele erreicht habe. Deshalb verspüre er mittlerweile keinen Druck mehr, unbedingt einen weiteren großen Vertrag abschließen oder sich noch etwas beweisen zu müssen.
Sollte sich eine interessante Möglichkeit ergeben, würde er sie prüfen. Falls nicht, könne er sich ebenso mit einem Karriereende arrangieren. Alles Weitere betrachte er mittlerweile eher als Bonus. Besonders deutlich wurde Carlito bei der Frage nach einer möglichen Loyalität gegenüber WWE.
Mit einem drastischen Vergleich machte er klar, dass er keinen Sinn darin sehe, weiterhin ausschließlich auf einen Anruf des Unternehmens zu warten. Für ihn wäre eine solche Haltung vergleichbar mit dem Verharren in einer schädlichen Beziehung. Stattdessen sei er offen für andere Möglichkeiten.
Weitere Aussagen sprechen nicht für ein baldiges Karriereende
In einem weiteren Interview klang Carlito deutlich weniger so, als wolle er seine Wrestling-Karriere kurzfristig beenden. Im Frühjahr 2026 erklärte er, dass er noch einige Jahre weitermachen könne. Als groben Zeitraum nannte er sogar rund fünf weitere Jahre.
Gleichzeitig machte er deutlich, dass letztlich sein Körper entscheiden werde, wie lange er tatsächlich noch im Ring stehen könne. Auch nach seinem WWE-Abgang blieb Carlito aktiv und absolvierte verschiedene Independent-Auftritte.
Sein zweiter WWE-Run war im Juni 2025 zu Ende gegangen. Bereits Anfang des Monats hatte Carlito öffentlich bekannt gegeben, dass sein Vertrag wenige Wochen später auslaufen und nicht verlängert werden würde.
Bei seiner Rückkehr hatte er bewusst einen Zweijahresvertrag unterschrieben, obwohl nach seinen Angaben auch eine längere Laufzeit möglich gewesen wäre. Er entschied sich für die kürzere Variante, weil er nicht sicher war, welche Rolle WWE langfristig für ihn vorsehen würde.
Carlito schildert komplizierten Weg mit eigenen Ideen
Deutlich kritischer äußerte sich Carlito über den kreativen Entscheidungsprozess bei WWE. Wrestlern werde häufig vorgeworfen, dass sie sich selbst stärker einbringen und eigene Ideen bei den Verantwortlichen präsentieren müssten. Nach Carlitos Erfahrung sei dies allerdings deutlich komplizierter, als es von außen manchmal dargestellt werde.
Ein Talent könne einem Writer eine Idee vorstellen und zunächst eine positive Reaktion erhalten. Eine Woche später müsse das Thema möglicherweise erneut erklärt werden, weil sich der betreffende Mitarbeiter kaum noch an das Gespräch erinnere.
Anschließend könne die Idee an weitere Personen weitergereicht werden. So könnten mehrere Wochen vergehen, bevor ein Wrestler überhaupt bei Triple H lande. Doch selbst dort sei eine unmittelbare Entscheidung nicht garantiert gewesen.
Carlito beschrieb Situationen, in denen Triple H sich eine Idee zunächst ansehen oder intern darüber sprechen wollte. Für ihn sei genau das frustrierend gewesen. Nach mehreren Wochen habe er sich schlicht eine klare Antwort gewünscht – unabhängig davon, ob diese positiv oder negativ ausfiel.
Carlito wollte den Verantwortlichen nicht ständig hinterherlaufen
Carlito machte zugleich deutlich, dass diese Art des wiederholten Nachfassens nicht seiner Persönlichkeit entspreche. Wenn er eine Idee ein- oder zweimal präsentiert habe, wolle er anschließend nicht mehreren Personen über Wochen hinterherlaufen. Andere könnten dies als fehlenden Ehrgeiz oder Bequemlichkeit interpretieren. Für ihn sei es jedoch schlicht eine Frage seiner persönlichen Arbeitsweise gewesen.
Seine Aussagen sollten deshalb nicht zwangsläufig so verstanden werden, dass sämtliche WWE-Wrestler regelmäßig wochenlang versuchen müssten, Triple H zu erreichen. Carlito schilderte vielmehr seine eigenen Erfahrungen und erklärte damit, weshalb der häufig gegebene Rat, Talente müssten sich lediglich stärker zu Wort melden, aus seiner Sicht zu kurz greift.
Trotz Kritik lobte Carlito die kreative Freiheit bei WWE
Interessanterweise hatte Carlito die WWE-Writer nach seinem Abgang positiv bewertet. Nach eigener Darstellung erhielt er bei vielen seiner Backstage-Segmente erheblichen kreativen Spielraum. Teilweise hätten die Writer lediglich die grundsätzliche Richtung vorgegeben und ihn anschließend gebeten, das Material auf seine eigene Art umzusetzen.
Viele Comedy-Elemente während seiner Zeit bei der LWO und Judgment Day seien auf diese Weise entstanden. Carlito vermutete allerdings auch, dass Triple H persönlich zwar gut mit ihm ausgekommen sei, mit der Carlito-Figur selbst jedoch nicht besonders viel anfangen konnte. Dies könnte aus seiner Sicht erklären, weshalb er während seines zweiten Runs nur selten größere Singles-Storylines erhielt.