Die Trennung von Kofi Kingston und Xavier Woods sorgt weiterhin für Reaktionen. Während Bobby Lashley die WWE-Entscheidung mit ungewöhnlich deutlichen Worten kritisiert, läuft hinter den Kulissen ein leiser Versuch der WWE, zumindest Woods mit einem ungewöhnlichen Vertragsmodell weiter an das Unternehmen zu binden. Zusammen ergeben beide Entwicklungen ein bemerkenswertes Bild der Lage in der Branche rund um die zwei langjährigen New-Day-Stars und ihre offenen Karriereoptionen.
Lashley nennt es einen klaren Fehler
Bobby Lashley äußerte sich in einem Interview bei Good Karma Wrestling zu den Trennungen und fand ungewöhnlich harte Worte für die Entscheidung der WWE. Aus seiner Sicht handelt es sich nicht um eine routinemäßige Personalmaßnahme, sondern um einen klaren Patzer. Lashley nutzte für die WWE-Entscheidung sogar zweimal den Begriff „Fumble“, was im englischen Sprachgebrauch einen schwerwiegenden Fehlgriff aus einer eigentlich starken Position heraus beschreibt.
Aus seiner Sicht hätte die Promotion zwei langjährige Stars wie Kingston und Woods bis zum natürlichen Karriere-Ende halten und ihnen die ihnen zustehenden Konditionen geben müssen, weil sie dem Geschäft über zwei Jahrzehnte hinweg alles gegeben haben.
Damit stuft Lashley die Trennung als grundsätzlich falsche Entscheidung ein. Seiner Meinung nach hätten Kingston und Woods mit ihrer langen Karriere und ihrem Status bis zum Karriere-Ende bei der WWE bleiben sollen und dies mit allen entsprechenden Konditionen, die ihnen für ihre Verdienste zustehen.
Branchen-Reputation als zentrales Argument
Bemerkenswert ist Lashleys Verweis auf die Branchen-Reputation der beiden Stars. Er stellt fest, dass es in der Wrestling-Welt praktisch keine Stimmen gebe, die negative Erfahrungen mit Kingston und Woods schildern würden. Diese durchgängig positive Reputation macht aus Lashleys Sicht den Verlust besonders bedauerlich: „Ich glaube nicht, dass es eine Person in der Branche gibt, die sagt, ‚Mann, ich mag diese Jungs nicht‘, oder ‚Diese Jungs haben mich schlecht behandelt‘, oder ‚Diese Jungs waren nicht gut zu mir‘. Da gibt es niemanden.“
Vorgeschichte mit Rückkehr-Notwendigkeit
Lashley verwies zudem auf einen früheren Fall, in dem die WWE einen freigestellten Star zurückholen musste, weil sich die Trennung als Fehlgriff herausgestellt hatte. Welcher konkrete Wrestler gemeint ist, ließ Lashley offen. Branchenbeobachter ordnen diesen Hinweis allerdings häufig als Verweis auf Stars wie R-Truth, Drew McIntyre oder Cody Rhodes ein, die zurückkehrten und anschließend zentrale Storyline-Positionen einnahmen.
Lashley ordnet den aktuellen New-Day-Abgang in eine ähnliche Kategorie ein. Er hält es für möglich, dass die WWE es rückblickend ebenfalls bedauern wird, Kingston und Woods nicht gehalten zu haben.
AEW als möglicher Profiteur
Gleichzeitig betonte Lashley, dass der Wechsel für andere Promotions eine Chance darstellen könne. Er sprach davon, dass es in der Tag Team Division von AEW zu neuen Konstellationen kommen könnte, wodurch diese sehr stark und interessant werden könnte. Aus seiner Sicht könnten viele Fans AEW näherkommen, wenn sie wahrnehmen, dass dort etablierte Kräfte respektvoll behandelt werden.
Vom AEW-Optimismus zum WWE-Halte-Versuch
So klar Lashleys Meinung auch ist, sie erfasst nicht das gesamte Bild der Situation. Hinter den Kulissen versucht die WWE offenbar, zumindest einen der beiden New-Day-Stars weiter an das Unternehmen zu binden. Wie Bryan Alvarez berichtet, liegt für Xavier Woods ein Vertragsangebot vor, das sich am Tyler-Breeze-Modell orientiert.
Was hinter dem Tyler-Breeze-Deal steckt
Wie Bryan Alvarez bei Wrestling Observer Live berichtet, hat die WWE Woods ein Vertragsmodell angeboten, das sich am Tyler-Breeze-Beispiel orientiert. Alvarez stützte seine Information auf zahlreiche unabhängige Quellen vom vergangenen Wochenende, die ihm dies wiederholt mitgeteilt haben. Demnach versuche die WWE, Woods über ein Modell zu halten, bei dem er für Projekte rund um die WWE-Videospiele vergütet wird. In einem solchen Konstrukt würde Woods weiterhin für Projekte im Bereich der Videospiele vergütet werden, während er als aktiver Wrestler nicht mehr zum Roster gehört. Der WWE-Bezug wäre damit auf den UpUpDownDown-Kanal und die WWE-2K-Videospielreihe beschränkt.
Wer ist Tyler Breeze?
Tyler Breeze, mit bürgerlichem Namen Mattias Clement, war 2021 als aktiver Wrestler von der WWE entlassen worden, arbeitete jedoch weiter für den zur WWE gehörenden YouTube-Kanal UpUpDownDown. Dort tritt er regelmäßig gemeinsam mit Woods in Streams auf, unter anderem rund um den MyGM-Modus der WWE-2K-Videospielreihe.
Aktuell arbeiten Breeze und Woods zusammen am MyGM-Modus für WWE 2K26, was die direkte Brücke darstellt, die das Tyler-Breeze-Modell auf Woods übertragbar macht. Breeze war ehemaliger NXT Tag Team Champion gemeinsam mit Fandango und ist heute fast ausschließlich für seine UpUpDownDown-Aktivitäten bekannt.
AEW-Klausel als zentrale Komponente
Bemerkenswert ist eine Klausel, die ein solches Modell für Woods komplizierter machen könnte. Tyler Breezes Vertrag mit der WWE erlaubt ihm Indie-Auftritte, schließt jedoch AEW-Auftritte ausdrücklich aus. Sollte Woods ein vergleichbares Modell akzeptieren, wäre er damit von einer AEW-Verpflichtung de facto ausgeschlossen.
Genau diese Klausel macht das Tyler-Breeze-Modell für Woods zu einer Entweder-oder-Entscheidung. Entweder bleibt er WWE-gebunden mit eingeschränktem Wrestling-Engagement oder er wechselt zu AEW mit voller Storyline-Architektur, allerdings ohne UpUpDownDown-Rolle.
UpUpDownDown im Eigentum der WWE
Eine wichtige Klärung betrifft die Eigentumsstruktur des Kanals. UpUpDownDown wurde 2015 mit Woods als Gesicht gegründet, gehört aber der WWE. Damit ist Woods Co-Operator des Kanals, jedoch nicht Eigentümer. Sollte er das Tyler-Breeze-Modell ablehnen und zu AEW wechseln, müsste er den Kanal verlassen, was eine erhebliche persönliche Entscheidung wäre.
Der Kanal kommt aktuell auf knapp 2,5 Millionen Abonnenten und ist eines der prominentesten WWE-Gaming-Formate. Auffällig ist, dass auf UpUpDownDown seit rund zwei Wochen kein neues Video mehr erschienen ist. Diese Aktivitäts-Pause dürfte mit den laufenden Vertragsklärungen rund um Woods zusammenhängen.
Woods‘ Haltung bislang offen
Wie Woods auf das Angebot reagieren wird, ist nach den jetzigen Berichten offen. Alvarez betonte, dass er Woods‘ aktuelle Haltung nicht genau kenne. „Ich weiß nicht, ob er dieses Angebot annehmen wird. Ich weiß nicht, was in seinem Kopf vorgeht, aber er könnte es. Es ist also nicht ausgemacht, dass beide The-New-Day-Mitglieder zu AEW gehen werden.“
AEW-Interesse weiter aktiv
Trotz des WWE-Halteversuchs bleibt das AEW-Interesse offen kommuniziert. Mehrere AEW-Stars setzen sich intern für eine Verpflichtung von Kingston und Woods ein. Bryan Alvarez räumte allerdings ein, dass eine Verpflichtung nicht zwangsläufig eintreten muss.
90-Tage-Sperrfrist als Zeit-Anker
Beide Stars unterliegen einer 90-tägigen Wettbewerbssperre bis Anfang August 2026. Diese Frist gibt der WWE Zeit, ihre Halteversuche bei Woods voranzutreiben, während AEW parallel die Verpflichtung beider Stars strategisch vorbereiten kann.

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