Im Happy-Mum-Happy-Baby-Podcast von Giovanna Fletcher hat Becky Lynch so offen wie selten zuvor über die persönlichsten Momente ihrer Karriere und ihres Lebens gesprochen.
Der schlimmste Anruf ihrer Karriere
Als Lynch 2020 feststellte, dass sie schwanger war, war sie amtierende WWE RAW Women’s Champion – und einer ihrer ersten Gedanken war kein freudiger. Sie dachte daran, was passieren würde, wenn die WWE nach ihrer Pause aufhört, Frauen in Main-Event-Matches einzusetzen. Frauen hatten zu diesem Zeitpunkt gerade erst bei WrestleMania den Main Event bestritten – ein Meilenstein, der Jahre gedauert hatte.
Beim ersten reinen Frauen-Main-Event in der Geschichte von WrestleMania schrieben Lynch, Charlotte Flair und Ronda Rousey bei WrestleMania 35 Geschichte. Nur ein Jahr später befürchtete Lynch, mit einer einzigen Nachricht diesen Fortschritt zunichte zu machen.
Den Anruf bei Vince McMahon beschrieb sie als das Schlimmste, was sie je tun musste. Sie habe sich so nervös gefühlt, dass sie sich einen ganzen Plan zurechtgelegt hatte, wie sie trotz Schwangerschaft weiterarbeiten könnte – mögliche Termine, Optionen, Kompromisse. Sie wollte McMahon zeigen, dass ihre Schwangerschaft kein Hindernis sein müsse.
McMahon ließ sie jedoch gar nicht erst zu Wort kommen. Er teilte einfach ihre Freude, gratulierte ihr enthusiastisch und ließ sie nicht zu Wort kommen. Es war das genaue Gegenteil von dem, was sie befürchtet hatte und gleichzeitig der Moment, in dem ihr klar wurde, dass ihre Sorgen unbegründet gewesen waren.
Lynch hielt die RAW Women’s Championship zu diesem Zeitpunkt seit mehr als 398 Tagen und stellte damit eine der längsten Titelregentschaften in der Geschichte der Women’s Division auf. Unter diesen Umständen den Titel abgeben zu müssen, war für sie persönlich schmerzhaft – auch wenn der Anruf bei McMahon besser verlaufen war als gedacht.
Shayna Baszler und das Booking, das nie kam
Ein bislang kaum bekanntes Detail aus demselben Interview betrifft WrestleMania 36: Lynch hatte gehofft, den Titel dort an Shayna Baszler abzugeben. Baszler und Lynch hatten in den Monaten zuvor eine intensive Fehde ausgetragen und Baszler war als Herausforderin aufgebaut worden. Lynch hielt einen Titelwechsel für den logischen nächsten Schritt – sowohl für die Storyline als auch für Baszlers weiteren Karriereaufbau.
Die WWE entschied sich dagegen, und der Grund dafür hatte nichts mit Lynch Schwangerschaft zu tun. WrestleMania 36 fand aufgrund der Corona-Pandemie ohne Publikum in einem leeren Performance Center in Orlando statt. Bei dieser ohnehin surrealen Show wollte die WWE ausschließlich positive Storyline-Ausgänge präsentieren: Die Babyfaces sollten gewinnen, um in einer düsteren Zeit ein aufmunterndes Signal zu senden.
Als Face behielt Lynch den Titel. Kurz darauf gab sie ihn aufgrund ihrer Schwangerschaft ab und übergab ihn in einer bewegenden Szene bei RAW symbolisch an Asuka, die das Money in the Bank gewonnen hatte. Baszler erhielt nie die erhoffte Titelchance.
Der Verlust ihres Vaters – ein Thema, das kaum aufgegriffen wurde
Neben den Themen Schwangerschaft und Karriere sprach Lynch im Podcast auch über einen Verlust, der in der öffentlichen Wrestling-Berichterstattung bislang kaum eine Rolle gespielt hat: den Tod ihres Vaters. Sie schilderte, wie sie diese Trauer während ihrer aktiven WWE-Karriere verarbeitete und welche Rolle dabei die gleichzeitige Erfahrung, selbst Mutter zu werden, spielte.
Sie beschrieb, dass Roux ihre weichere Seite hervorgebracht habe – eine Seite, die sie als Athletin und Heel-Figur jahrelang bewusst unterdrückt hatte. Im Wrestling-Geschäft werden Härte und Unnachgiebigkeit belohnt, und Lynch hatte diese Eigenschaften über Jahre kultiviert. Die Mutterschaft und der Verlust des Vaters hätten ihre Einstellung zu Verletzlichkeit grundlegend verändert – nicht als Schwäche, sondern als Teil dessen, wer sie ist.
Lynch ist die erste Wrestlerin überhaupt, die im „Happy-Mum-Happy-Baby“-Podcast zu Gast war. Der Podcast von Giovanna Fletcher, der Ehefrau von McFly-Sänger Tom Fletcher, gilt als einer der bekanntesten Mutter-Podcasts Großbritanniens. Zu den Gästen zählte zuvor unter anderem die damalige Duchess of Cambridge, Kate Middleton.

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