AEW All In: London hat am vergangenen Sonntag für zahlreiche Entwicklungen gesorgt, die weit über die Geschehnisse im Ring hinausreichen. Während Tony Khan und sein Team bereits auf die nächsten großen Shows vorausblicken, wurde die Veranstaltung offenbar auch an anderer Stelle der Wrestling-Branche aufmerksam verfolgt.
Dabei stellt sich vorrangig die Frage, welchen Stellenwert die Entwicklung des Konkurrenten inzwischen bei WWE besitzt. Neue Aussagen von WrestleVotes geben einen Einblick darin, wie genau man in Stamford das Geschehen bei AEW verfolgt und unter welchen Umständen erfolgreiche Shows tatsächlich Auswirkungen auf die eigene Strategie haben könnten.
WWE soll den Erfolg von AEW All In genau registriert haben
Bei einer Q&A-Ausgabe von WrestleVotes wurde JoeyVotes gefragt, ob eine Veranstaltung wie AEW All In unmittelbar oder langfristig Auswirkungen auf die Verantwortlichen bei WWE haben könne. Nach seinen Informationen sei das Unternehmen sehr genau darüber im Bilde, was beim Konkurrenten geschehe. Nicht nur Mitarbeiter, sondern auch zahlreiche Wrestler würden verfolgen, was AEW veranstalte, insbesondere bei einem Event von der Größenordnung von All In.
Innerhalb von WWE sei deshalb wahrgenommen worden, wie erfolgreich die Wembley-Show verlaufen sei. Daraus lasse sich allerdings nicht ableiten, dass WWE nun bestehende Pläne verwerfe oder seinen Veranstaltungskalender ändere. JoeyVotes machte deutlich, dass eine einzelne starke Show des Konkurrenten kein Grund sei, kurzfristig die eigene Strategie neu auszurichten. Gleichzeitig betonte er, WWE sei sich dessen, was AEW mache, sehr wohl bewusst.
TC von WrestleVotes ergänzte, dass sich diese Situation erst verändern könnte, wenn AEW über einen längeren Zeitraum deutliches Momentum aufbaue und dies Auswirkungen auf WWEs eigenes Geschäft habe. Sollten Zuschauer beispielsweise verstärkt von WWE zu AEW wechseln und sich dies in relevanten Kennzahlen bemerkbar machen, könne daraus ein größerer Einfluss entstehen. Eine erfolgreiche AEW-Veranstaltung am Wochenende führe dagegen nicht automatisch dazu, dass WWE bereits bei der nächsten Raw-Ausgabe mit einer direkten Reaktion antworte.
AEW-Beobachtung bei WWE soll längst zum Arbeitsalltag gehören
Dass WWE über All In informiert war, scheint nach früheren WrestleVotes-Berichten ohnehin keine Besonderheit zu sein. Bereits im März 2026 wurde bekannt, dass Mitarbeiter am WWE-Hauptsitz in Stamford gezielt AEW‑Shows verfolgen und Informationen darüber an verschiedene Abteilungen weitergeben sollen.
TC erklärte damals, es gebe Mitarbeiter, deren Aufgaben ausdrücklich das Beobachten von AEW-Shows und die anschließende Weitergabe relevanter Erkenntnisse an Analytics- und andere Unternehmensbereiche umfassen würden. Dabei handle es sich nach seinen Angaben nicht um etwas, das innerhalb von WWE geheim gehalten werde. Auch unter den Wrestlern selbst sei AEW regelmäßig ein Gesprächsthema.
Das überrascht angesichts der zahlreichen persönlichen Verbindungen zwischen beiden Rostern kaum. Viele WWE- und AEW-Wrestler haben in der Vergangenheit miteinander gearbeitet oder pflegen weiterhin Freundschaften. Die Beobachtung des Konkurrenzprodukts dürfte zudem aus geschäftlicher Sicht naheliegen, ohne dass daraus automatisch folgt, dass WWE seine kreativen Entscheidungen an AEW ausrichtet.
All In brachte AEW erneut starke Geschäftszahlen in London
Dass die Wembley-Veranstaltung dabei besondere Aufmerksamkeit erhielt, dürfte auch an ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für AEW liegen. Tony Khan hatte bereits vor der Show erklärt, dass All In auf Ticketeinnahmen von rund sechs Millionen US-Dollar zusteuere. Damit zählt die Veranstaltung erneut zu den umsatzstärksten Events in der Geschichte des Unternehmens.
Auch bei den Zuschauerzahlen erreichte AEW eine Größenordnung, die nur wenige Wrestling-Veranstaltungen außerhalb der WWE erzielen. Rund um die Show im Wembley-Stadion war von knapp 50.000 Zuschauern die Rede. WrestleTix hatte kurz vor der Veranstaltung 47.961 verteilte Tickets gemeldet.
Für AEW bestätigte sich damit einmal mehr die besondere Bedeutung des britischen Marktes. Khan hatte bereits vor All In darauf verwiesen, dass die größten Zuschauerzahlen und mehrere der höchsten Ticketumsätze der Promotion in London erzielt wurden.
Noch nicht abschließend beurteilen lässt sich dagegen der Erfolg auf den digitalen Plattformen und im klassischen Pay-per-View-Geschäft. Belastbare endgültige Zahlen zu den weltweiten Käufen und Streams liegen bislang nicht vor. Aussagen über einen möglichen Rekord in diesem Bereich wären deshalb derzeit verfrüht.
Auch der Wechsel von Kofi und Austin Creed sorgte offenbar für Reaktionen
Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Ereignisse bei „All In” innerhalb der WWE registriert wurden, betrifft Kofi und Austin Creed. Die beiden langjährigen WWE-Stars feierten im Wembley-Stadion ihr AEW-Debüt und gewannen gemeinsam mit Swerve Strickland sofort die AEW World Trios Championship.
WrestleVotes berichtete anschließend von einer WWE-Quelle, die erstmals den Eindruck habe, dass es innerhalb des Unternehmens Bedauern darüber gebe, Kofi und Creed ziehen gelassen zu haben. Dabei soll auch die Einschätzung geäußert worden sein, dass die Situation auf TKO-Seite möglicherweise nicht optimal gehandhabt worden sei.
Über die Hintergründe ihres WWE-Abschieds und ihren Wechsel zu AEW hatten Kofi und Creed bereits selbst ausführlich gesprochen. Die nun gemeldete interne Reaktion ist deshalb vor allem als zusätzlicher Hinweis darauf interessant, wie aufmerksam die personellen Entwicklungen beim Konkurrenten verfolgt werden.

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