WWE gegen AEW: Hinter dem Konkurrenzkampf könnte deutlich mehr stecken

Das Bild zeigt einen Wrestling-Ring in einer großen Arena, über dem sich links das WWE-Logo in einer rot-feurigen Kulisse und rechts das AEW-Logo in einer blau-goldenen Kulisse gegenüberstehen
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Der Konkurrenzkampf zwischen WWE und AEW beschränkt sich längst nicht mehr nur auf Einschaltquoten, Ticketverkäufe oder die Frage, welche Promotion die größeren Shows veranstaltet. In den vergangenen Monaten kam es mehrfach zu direkten Terminüberschneidungen, während gleichzeitig die Gehälter vieler Top-Wrestler deutlich gestiegen sind.

Dave Meltzer sieht zwischen beiden Entwicklungen einen möglichen Zusammenhang. Der Wrestling Observer Journalist vertritt die Ansicht, dass AEWs Rolle als ernsthafte Alternative für Wrestler WWE langfristig deutlich mehr kosten könnte als verlorene Zuschauer oder Ticketverkäufe.

Meltzer sieht AEW als wichtigen Faktor bei steigenden WWE-Gehältern

Bei Wrestling Observer Radio sprach Meltzer über die aktuellen Geschäftszahlen von TKO und die wirtschaftliche Situation von WWE. Seiner Einschätzung nach ist AEW einer der wichtigsten Gründe dafür, dass etablierte Wrestler heute bei Vertragsverhandlungen über deutlich mehr Verhandlungsmacht verfügen, denn solange Tony Khans Promotion als finanziell starke Alternative existiert, können WWE-Talente bei auslaufenden Verträgen theoretisch mit einem Wechsel zu AEW drohen oder dort tatsächlich ein konkurrierendes Angebot erhalten.

Meltzer glaubt deshalb, dass WWE ein wirtschaftliches Interesse daran haben könnte, AEWs Stellung im Wrestling-Markt zu schwächen. Würde es keine vergleichbare Alternative mehr geben, könnte WWE seiner Ansicht nach bei Gehaltsverhandlungen wieder wesentlich mehr Kontrolle gewinnen.

Dabei betonte Meltzer, dass TKO anders als die frühere WWE-Führung unter Vince McMahon vor allem auf eine möglichst hohe Profitabilität ausgerichtet sei. Sinkende Talentkosten könnten die ohnehin bereits hohen Gewinnmargen weiter erhöhen.

TKO bestätigt gestiegene Talentkosten bei WWE

Die aktuellen Geschäftszahlen liefern zumindest einen Teil des wirtschaftlichen Hintergrunds für diese Überlegung. TKO meldete für WWE im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 620,9 Millionen US-Dollar. Das bereinigte EBITDA lag bei 368,3 Millionen Dollar und damit ebenfalls deutlich über dem Vorjahresniveau.

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In den offiziellen Finanzunterlagen nennt TKO gleichzeitig höhere Talentkosten als einen Faktor für gestiegene direkte Betriebsausgaben bei WWE. Damit ist belegt, dass WWE derzeit tatsächlich mehr Geld für seine Talente ausgibt. Nicht belegt ist hingegen Meltzers Schlussfolgerung, dass AEW der entscheidende Grund für diese Entwicklung ist oder WWE deshalb gezielt versucht, den Konkurrenten wirtschaftlich zu schwächen.

Berichte über reduzierte WWE-Vertragsangebote

In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass es bereits Anfang 2026 Berichte über reduzierte Vertragsangebote bei der WWE gab. Meltzer berichtete damals, dass einzelne Wrestler vor der Entscheidung gestanden hätten, geringere Konditionen zu akzeptieren oder das Unternehmen zu verlassen. In mindestens einem Fall soll ein prominentes Talent einer erheblichen Gehaltsreduzierung zugestimmt haben.  Die Zahl der betroffenen Wrestler soll allerdings vergleichsweise gering gewesen sein.

Schon damals argumentierte Meltzer, dass die jeweilige Verhandlungsposition stark davon abhänge, wie realistisch ein Wechsel zu AEW sei. Wrestler, die auch für Tony Khans Promotion interessant wären, verfügten demnach über wesentlich mehr Möglichkeiten, höhere Forderungen durchzusetzen.

WWE programmiert erneut direkt gegen AEW

Meltzer verweist außerdem auf die aktuelle Eventplanung von WWE. Am 30. August 2026 veranstaltet WWE in Edinburg, Texas, zunächst eine AAA-Show und anschließend NXT Heatwave. Beide Veranstaltungen finden in der Bert Ogden Arena statt und laufen zeitlich teilweise parallel zu AEW All In: London im Wembley Stadium.

Meltzer interpretiert diese Strategie als eine Art kurzfristiges Verlustgeschäft. Nach seiner Theorie könnte WWE bereit sein, bei einzelnen Shows weniger Profit zu erzielen, wenn dadurch gleichzeitig Druck auf AEW ausgeübt wird.

Ein weiteres Beispiel folgt bereits wenige Wochen später. Am 26. September findet WWE/AAA/NXT Worlds Collide im Großraum Chicago statt. Am selben Tag veranstaltet AEW All Out ebenfalls in der Region. Beide Shows überschneiden sich zeitlich.

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Tony Khan bezieht Stellung zur Terminstrategie

AEW-Präsident Tony Khan hat die zunehmende Gegenprogrammierung bereits öffentlich kommentiert. Er bezeichnete die aktuelle Terminstrategie als aggressiv und sprach von einer aus seiner Sicht gezielten Konkurrenzsituation. Gleichzeitig erklärte Khan, dass er den Wettbewerb akzeptiere und darin auch einen Beleg dafür sehe, dass AEW weiterhin eine relevante Position im Wrestling-Markt einnehme.

Meltzer hält Wrestler und UFC-Fighter trotz hoher Gehälter für unterbezahlt

Meltzer ging in seiner Analyse noch einen Schritt weiter. Seiner Ansicht nach profitieren WWE-Wrestler zwar erheblich von den gestiegenen Einnahmen und der zusätzlichen Konkurrenz durch AEW, würden gemessen an den Gewinnen von TKO jedoch weiterhin vergleichsweise wenig erhalten. Nach eigenen Berechnungen könnten sowohl WWE als auch UFC ihre Talentvergütung theoretisch erheblich erhöhen und dennoch hochprofitabel bleiben.

Auch diese Berechnung stammt ausschließlich von Meltzer. TKO veröffentlicht keine detaillierte Gesamtsumme sämtlicher WWE-Wrestlergehälter, weshalb seine Einschätzung anhand der öffentlichen Finanzberichte nicht vollständig überprüft werden kann.

Unstrittig ist jedoch, dass AEW Wrestlern eine zusätzliche große Verhandlungsoption bietet. Ob genau dieser Faktor tatsächlich hinter WWEs aggressiver Terminstrategie steckt, bleibt offen.

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