Am 8. Juni beginnt vor dem Delaware Court of Chancery ein Prozess, der die Hintergründe des WWE-TKO-Zusammenschlusses aus dem Jahr 2023 tiefgreifend beleuchten soll. Namentlich als Zeugen geladen sind unter anderem Vince McMahon, Ari Emanuel, WWE-Präsident Nick Khan, Mark Shapiro und Triple H.
Der Prozess könnte für die beteiligten Parteien weitreichende finanzielle Konsequenzen haben und wirft grundsätzliche Fragen über die Art und Weise auf, wie der Deal damals zustande kam.
Der Vorwurf: Vince McMahon inszenierte den Deal für sich selbst
Im Kern werfen die klagenden Aktionäre Vince McMahon vor, den TKO-Fusionsdeal so gestaltet zu haben, dass er seiner eigenen persönlichen Absicherung diente. McMahon habe darauf vertraut, dass Endeavor-CEO Ari Emanuel ihm nach dem Abschluss eine gesicherte Stellung im Unternehmen ermöglichen würde, so die Kläger. Hintergrund ist die Welle von Vorwürfen wegen sexuellen Fehlverhaltens, die 2022 gegen McMahon öffentlich wurden und zu seinem Rücktritt im Juli desselben Jahres führten.
Laut den Klageunterlagen sei die damals eingeleitete interne Untersuchung des Vorstands eine Scheinveranstaltung gewesen, die im Herbst 2022 weitgehend abgeschlossen worden sei, kurz bevor McMahon im Dezember 2022 offiziell wieder in den Vorstand aufgenommen wurde und im Januar 2023 zurückkehrte. Unmittelbar danach trieb er demnach die Fusion mit Endeavor voran.
Die Kläger behaupten zudem, dass andere Bieter wie Liberty Media keine faire Chance auf den Kauf erhalten hätten. Greg Maffei, damals Spitzenmanager bei Liberty Media, habe den Deal intern kurz nach Bekanntwerden der Nachricht als „vorausgeplant“ bezeichnet. Dadurch seien die WWE-Aktionäre finanziell benachteiligt worden. Sollten die Kläger Recht bekommen, könnten Schadensersatzzahlungen zugesprochen werden, die möglicherweise in die Hunderte von Millionen US-Dollar gehen.
Hochrangige Zeugenliste: McMahon, Emanuel und Triple H
Die Zeugenliste liest sich wie ein Who’s Who der WWE- und TKO-Führungsebene. Beide Prozessparteien planen, Vince McMahon und Ari Emanuel persönlich vor Gericht zu laden. Die Kläger führen darüber hinaus Mark Shapiro, Nick Khan sowie den Raine-Banker Jeffrey Sine auf, der die WWE beim Fusionsdeal beraten hatte.
Auf der Beklagtenseite stehen unter anderem Triple H (Paul Levesque), George Barrios, Michelle Wilson, Mark Zhu und Steve Koonin auf der Liste, wobei Zhu aufgrund eines Elternurlaubs per Videokonferenz teilnehmen soll. Zusätzlich können Stephanie McMahon, Liberty-Media-CEO Marty Patterson sowie frühere Vorstandsmitglieder wie Jeffrey Speed und Steve Pamon entweder persönlich oder per aufgezeichneter Aussage geladen werden.
Speed ist dabei eine besonders interessante Persönlichkeit: Er hatte als leitender Direktor die interne Untersuchung des Vorstands zu den Vorwürfen gegen McMahon beaufsichtigt, die die Kläger als Scheinuntersuchung bezeichnen. Auch die beiden Hauptkläger selbst, Dennis Palkon und Matthew Archer, sollen von den Beklagten in den Zeugenstand gebeten werden. McMahon ist in diesem Verfahren durch einen eigenen Rechtsbeistand vertreten und teilt sich keine Anwälte mit den übrigen Beklagten.
Treuepflichtverletzung und der Maßstab der vollständigen Fairness
Beklagte sind McMahon sowie die damaligen WWE-Vorstandsmitglieder Khan, Levesque, Barrios und Wilson. Ihnen wird vorgeworfen, als Vorstandsmitglieder ihre Treuepflichten gegenüber den Aktionären verletzt zu haben. Alle Beklagten bestreiten die Vorwürfe.
WWE und TKO selbst sind formal keine Beklagten, dürften jedoch voraussichtlich die Anwaltskosten für die nicht zu McMahon zählenden Beklagten übernehmen und könnten im Falle eines Schadensersatzurteils mittelbar über Freistellungsklauseln haftbar gemacht werden.
Die Kläger werden in der Verhandlung argumentieren, dass der Maßstab der sogenannten „vollständigen Fairness“ anzuwenden sei. Im Gegensatz zum niedrigeren Standard der Geschäftsbeurteilung müssten die Beklagten in diesem Fall aktiv nachweisen, dass der Deal sowohl verfahrensmäßig als auch in Bezug auf den Preis fair war. Das erhöht die Hürde deutlich.
Relevant sind in dem Verfahren auch die Millionenbeträge, die McMahon im Zusammenhang mit mehreren Geheimhaltungsvereinbarungen gezahlt hatte, die 2022 öffentlich wurden. McMahon hatte sich dabei Freistellungen sowohl für sich selbst als auch für die WWE gesichert.
Janel Grant, eine der beteiligten Parteien, reichte im Januar 2024 eine Klage wegen Menschenhandels auf Bundesebene gegen McMahon ein. Dies führte zu seinem endgültigen Rücktritt von der WWE und TKO. In den Unterlagen werden für alle weiteren Frauen, mit denen McMahon Geheimhaltungsvereinbarungen geschlossen hatte, Pseudonyme verwendet. Neben Grant und Rita Chatterton sind die Namen dieser Frauen weiterhin nicht öffentlich bekannt.
Wie es weitergeht
Der Prozess startet am 8. Juni 2026 und wird von Vizekanzler J. Travis Laster geleitet. Vor dem Delaware Court of Chancery entscheidet ausschließlich ein Richter, keine Geschworenenrunde. Ein Urteil unmittelbar nach Abschluss der Verhandlung ist nicht zu erwarten. Üblich ist, dass Laster seine schriftliche Urteilsbegründung einige Monate nach dem Ende der Anhörungen veröffentlicht. Die gemeinsame Beschlussvorlage für das Vorverfahren steht noch unter dem Vorbehalt seiner formellen Genehmigung.
Für die Wrestling-Welt markiert das Verfahren einen seltenen öffentlichen Einblick in die internen Vorgänge rund um eine der folgenreichsten Transaktionen in der Geschichte des Sports-Entertainment-Sektors.

Rückabwickeln oder zerschlagen bitte. Die WWE ist aktuell in Geiselhaft von Milliardären und existiert nur noch als Nebenprodukt derer Geldschubsereien.
Die WWE war schon seit 80er Jahren in Geiselhaft von Vince McMahon. Machtrausch und Selbstbestimmung wo langgeht. Und er ist selbst Milliardär.
Vince McMahon ist alleiniger Eigentümer der WWE. Er kann also selbst entscheiden, an wen er letztlich verkauft. Die Kläger, die leer ausgingen, sind aus Neid so. Sie wollen ihre Niederlage nicht akzeptieren. Sie wollen alles haben und andere nicht. In Amerika ist es möglich, große Konzerne und Ketten auf Millionen- und Milliarden-Dollar-Schadensersatz zu verklagen.
@ Deafmobil
Ich glaube nicht, dass Vince nach dem Gang an die Börse noch alleiniger Eigentümer war. Fangen wir beim Hauptquartier an, das besagte damalige Titan Tower war doch nur gemietet oder? Als zweites dann, als WWE an die Börse ging, weil diese Ende der 90er fast pleite war, hat sich Vince doch dazu entschlossen oder etwa nicht? Da wsren doch einige Geldgeber mit im Boot die Anteile von WWE hatten. Vince hatte vielleicht die Mehrheitsanteile, oder den größeren Teil. Aber er konnte anscheinend nicht alles alleine entscheiden meines Wissens.
Was aber definitiv ein Fehler war… der Verkauf an Endeavor.
Mal schauen, wie lange die Geschäfte bei Endeavor gut laufen, bis die Fans wegen der steigenden Ticketpreise nicht mehr akzeptieren, zu den Stationen zu kommen, und stattdessen lieber zu Hause bleiben und nur fernsehen.
Ja, da sollte endlich mal von seiten der Fans mal was passieren. Das ist echt heftig was da ab geht seit längeren.