AEW und TrillerTV vor Gericht: Millionenstreit bringt brisante Details ans Licht

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Zwischen AEW und seinem langjährigen Streaming-Partner TrillerTV hat sich der jahrelange Konflikt um ausstehende Zahlungen jetzt vor Gericht entladen. Die Promotion von Tony Khan hat in Florida Klage eingereicht, parallel dazu kämpft TrillerTV selbst ums wirtschaftliche Überleben und hat seine eigene Muttergesellschaft verklagt. Die beiden parallelen Verfahren öffnen einen ungewöhnlich tiefen Einblick in eine Geschäftsbeziehung, die international fast sieben Jahre lang ein zentrales Schaufenster für AEW gewesen war.

Knapp 5 Millionen US-Dollar und schwere Vorwürfe

Die AEW-Klage wurde am 29. April 2026 beim Bezirksgericht von Duval County in Florida eingereicht. Der vorgeworfene Betrag beläuft sich nach einem Mahnschreiben des externen AEW-Anwaltsbüros vom April 2026 auf exakt 4.988.989,13 US-Dollar an ausstehenden Einnahmen aus AEW-Pay-per-View-Verkäufen und aus Erlösen des inzwischen eingestellten Abonnementdienstes AEW Plus. Auf diese Summe sollen zusätzlich monatliche Zinsen von zwei Prozent anfallen. AEW betont, bereits im Januar und im März 2025 schriftliche Zahlungsaufforderungen verschickt zu haben. Die Klageschrift erhebt schwere Vorwürfe.

Wörtlich heißt es darin: „Die Strategie von Triller Group, Inc., Einnahmen aus der Verbreitung von AEW-Inhalten durch TrillerTV abzuziehen, um andere Betriebskosten der Beklagten zu decken, von denen ein Großteil in das Projekt der Social-Media-Plattform geflossen ist, hat sich negativ auf die Beziehung zu AEW und auf die geschuldeten Zahlungen ausgewirkt.“

Die rechtlichen Tatbestände umfassen Vertragsbruch, ungerechtfertigte Bereicherung und unerlaubte Einmischung, wobei der letzte Punkt ausdrücklich nur gegen die Muttergesellschaft Triller Group gerichtet ist.

TrillerTV verklagt die eigene Muttergesellschaft

Bemerkenswert ist die Vorgeschichte zur AEW-Klage. Bereits am 13. April 2026 hatte Flipps Media Inc., das Unternehmen hinter TrillerTV, beim Delaware Court of Chancery selbst Klage gegen die eigene Muttergesellschaft Triller Group, Inc. eingereicht. Flipps erklärt darin offen, das Unternehmen sei zahlungsunfähig, könne aber mangels eines aktiven Verwaltungsrats keine Insolvenz anmelden.

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Tatsächlich verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben seit Oktober 2024 über keinen funktionierenden Vorstand mehr, was rund 18 Monate ohne handlungsfähige Führung bedeutet. Flipps ersucht das Gericht, die operativen Geschäftsführer als Verwaltungsrat anzuerkennen, damit eine Insolvenz im besten Interesse des Unternehmens und seiner Gläubiger geprüft werden könne. Vize-Kanzlerin Morgan Zurn hat dem Antrag auf ein beschleunigtes Verfahren am Freitag, dem 8. Mai 2026, stattgegeben. TrillerTV selbst ist nach Webseitenlage weiterhin in Betrieb und führt zahlreiche Live-Events in seinem Streaming-Kalender.

Aufteilung der Einnahmen und der 24-Prozent-Anteil

Im Zuge der Klage hat AEW die Aufteilung der Streaming-Einnahmen erstmals umfassend dokumentiert. Demnach standen der Promotion 75 Prozent der Netto-Einnahmen aus inländischen Pay-per-View-Verkäufen zu, bei internationalen Verkäufen waren es 65 Prozent. Diese Aufteilung war Mitte 2019 festgelegt worden. Bei den ersten AEW-Pay-per-Views von 2019 hatten beide Seiten die Erlöse noch zu gleichen Teilen geteilt.

Bei AEW Plus erhielt das Wrestling-Unternehmen 60 Prozent, Triller die übrigen 40 Prozent. Welch enorme Bedeutung das AEW-Geschäft für Triller hatte, zeigt ein weiterer Punkt der Klage. Aus einer von der Triller Group bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Meldung geht hervor, dass AEW-Inhalte im Jahr 2024 für 24 Prozent des gesamten Konzernumsatzes verantwortlich waren. Es ging dabei um den vollständigen fusionierten Konzernumsatz.

Triller-Statement und die aktuelle Personalsituation

Auf Anfrage übermittelte Triller dem Branchenportal POST Wrestling eine knappe Stellungnahme des Triller-Group-CEOs Wing-Fai Ng. Im Wortlaut erklärte er, man nehme die Berichte ernst und prüfe die Rechtslage eingehend. Zum jetzigen Zeitpunkt äußere sich die Triller Group Inc. nicht weiter dazu.

Operativ wird TrillerTV nach der Darstellung der Flipps-Klage inzwischen von CEO Kostadin Jordanov sowie dem Präsidenten und COO Eric Winter geführt. Der ehemalige Chief Content Officer Adam Bigwood hat das Unternehmen mit Wirkung zum 30. April 2026 verlassen. Eine Anfrage an seine bisherige E-Mail-Adresse beantwortete eine Abwesenheitsnotiz, die seinen Abgang bestätigt.

MyAEW als Nachfolger und der FITE-zu-AGBA-Hintergrund

Strategisch hat AEW bereits reagiert. Im März 2026 startete die Promotion in Kooperation mit dem Technologiepartner Kiswe die eigene Streaming-Plattform MyAEW, die einen großen Teil der internationalen Verbreitung übernimmt, die zuvor knapp sieben Jahre lang über AEW Plus auf TrillerTV gelaufen war.

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AEW Plus wurde im April 2026 auf TrillerTV offiziell eingestellt. Ein Blick auf die Konzern-Vorgeschichte zeigt, wie weit der Streaming-Anbieter inzwischen vom ursprünglichen Geschäftsmodell entfernt ist. TrillerTV trug bis 2021 den Namen FITE und übertrug seit den 2010er-Jahren Shows zahlreicher Wrestling-Promotionen sowie weitere Sportveranstaltungen.

2021 übernahm Triller den Streaming-Anbieter, im Oktober 2024 fusionierte Triller mit dem an der Nasdaq notierten Finanzdienstleister AGBA. Daraus entstand die heutige Triller Group Inc. mit Sitzen in den USA und Hongkong.

Nasdaq-Delisting-Chronik im Schnelldurchlauf

Auch an der Börse spitzt sich die Lage zu. Die Triller Group war im Dezember 2025 erstmals von der Nasdaq genommen worden, nachdem das Unternehmen seine Finanzberichte nicht fristgerecht eingereicht hatte. Der Handel mit Triller-Aktien wurde am 15. April 2026 wieder aufgenommen, nachdem der überfällige Jahresbericht doch noch nachgereicht worden war.

Bereits zwei Tage später, am 17. April 2026, erließ die Nasdaq jedoch eine neue Delisting-Mitteilung wegen eines separaten Problems. Der Aktienkurs der Triller Group lag mindestens seit dem Sommer 2025 unter dem vorgeschriebenen Mindestkurs von einem US-Dollar.

Eine zweite Streichung von der Nasdaq ist bislang allerdings nicht erfolgt. Bei Börsenschluss am Montag, dem 11. Mai 2026, notierte die Aktie unter dem Tickersymbol „ILLR“ bei etwa 26 US-Cent, was einer Marktkapitalisierung von rund 50 Millionen US-Dollar entspricht.